Zwei Jugendliche festgenommen

15-Jähriger nach Messerattacke tot: Anwohner in Korbach erschüttert

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Die Polizei suchte überall nach den Tatwaffen. Mitarbeiter des Korbacher Bauhofes haben für die Spurensicherung alle Kanal- und Gullydeckel geöffnet.

Korbach. Nach der Messerattacke, bei der am Donnerstagabend ein 15-Jähriger tödlich verletzt wurde, sind die Anwohner schockiert. Der Tatort vor einer Kirche war als Treffplatz für Jugendliche bekannt.

Kleine Ein- und Mehrfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, mittendrin die katholische Kirche St. Josef, der nächste Supermarkt ist zu Fuß gut zu erreichen. In der in den 1950er und 1960er Jahren entstandenen Siedlung am Eidinghäuser Weg in Korbach lässt es sich beschaulich leben. Umso erschütterter sind die Anwohner am Morgen nach der Bluttat vom Donnerstagabend, bei der ein 15-Jähriger gestorben war: „Ich hätte nie gedacht, dass hier so was passiert“, sagt Ingrid Seibel. Die pensionierte Lehrerin steht mit der Einkaufstasche in der Hand fassungslos vor dem rot-weißen Flatterband, mit dem die Polizei den Tatort abgesperrt hat.

Beamte der Bereitschaftspolizei durchkämmen das Gelände rund um den zeltförmigen, 50 Jahre alten Kirchenbau mit Stöcken, stochern in Büschen und Bäumen, klettern mit einer Leiter auf das Dach einer Garage. Mitarbeiter des Korbacher Bauhofes haben für die Spurensicherung alle Kanal- und Gullydeckel geöffnet. Das Technische Hilfswerk Korbach unterstützt die Polizei mit Metalldetektoren.

Der Bauhof der Stadt Korbach hat die Kanaldeckel geöffnet.

Der große asphaltierte Parkplatz vor der Kirche war lange Zeit als Treffpunkt für Jugendliche berühmt-berüchtigt. „Früher hat sich hier die Jugend zum Fußball- oder Basketballspielen getroffen und bis spät in die Nacht Party gemacht“, sagt Anwohner Rolf Meier. Doch seit die Gemeinde vor zwei Jahren eine Kette angebracht habe, um den Platz abzusperren, sei es ruhig geworden. Trotzdem trafen sich dort am Donnerstag kurz nach 21 Uhr vier Jugendliche: Der 15-Jährige, der später zum Opfer der Messerattacke werden sollte, sein 14-jähriger Freund sowie zwei 18 und 19 Jahre alte Männer. Alle vier kannten sich, wohnten zum Teil in der Nähe der Kirche.

Wie es zu der schrecklichen Tat kommen konnte, was die Motive waren, das bleibt derzeit noch im Dunkeln. Die beiden 18- und 19-Jährigen, die später als dringend Tatverdächtige festgenommen wurden, waren offenbar polizeibekannt – und zur Tatzeit erheblich alkoholisiert. Beide schwiegen am Freitagmittag vor dem Haftrichter.

Bildergalerie: Toter nach Messerstecherei in Korbach

Von der Tat selbst bekamen die meisten Anwohner nichts mit. Erst als Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte anrückten, wurde ihnen klar: Es ist irgendetwas passiert. „Es standen viele Autos vor dem Haus, die Straße war hell erleuchtet und die Polizisten haben sich alles angeschaut“, berichtet Rolf Meier.

Polizei und Einsatzkräfte sperrten das Gelände zwischen der Marker Breite und der Gutenbergstraße weiträumig ab, damit die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen aufnehmen und Spuren sichern konnte. Gegen 21.15 Uhr kam die Korbacher Feuerwehr hinzu und leuchtete den Tatort aus.

Gegen 22 Uhr kam auch Sebastian Wiesner von der Fahrschule zurück und wollte nach Hause in den Eidinghäuser Weg, wenige Schritte von St. Josef entfernt. „Es war alles voll mit Feuerwehr und Polizei, auf der Straße war Blut und ein zugedeckter Körper“, erzählt der Schüler. Er und seine Familie werden von der Polizei befragt. „Wenn wir etwas um das Haus herum finden, sollen wir anrufen, haben sie gesagt“, berichtet Wiesner. „Wir wohnen seit vielen Jahren hier und können das alles noch gar nicht glauben.“ Die Suche am Freitagmorgen ist schließlich erfolgreich: Die Beamten finden zwei Messer. Sie könnten die Tatwaffen sein.

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