Herbert Knipp hört nach 15 Jahren als Stadtbrandinspektor von Lichtenfels auf

Den Nagel als Team eingeschlagen

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Nach 15 Jahren gibt Herbert Knipp sein Amt als Stadtbrandinspektor von Lichtenfels ab. Der Feuerwehr bleibt er aber weiter erhalten.

Lichtenfels-Fürstenberg - Als Herbert Knipp gefragt wurde, ob er nicht Stadtbrandinspektor in Lichtenfels werden wolle, dachte er nur: „Ihr seid bescheuert. Ich doch nicht“. Gemacht hat er es trotzdem. Gestern gab Knipp das Amt nach 15 Jahren ab.

Als Herbert Knipp mit 17 Jahren der Feuerwehr in Fürstenberg beitrat, da löschten die Brandschützer noch mit einem Spritzenanhänger, der auch mal vom Landwirt mit dem Traktor gezogen worden ist. „Seitdem hat sich die Technik stark weiterentwickelt, die Anforderungen an die Feuerwehr sind aber auch größer geworden“, sagt Knipp.

„Niemand wird jünger“

Auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehren der Stadt Lichtenfels stellte Herbert Knipp gestern nach 15 Jahren als Stadtbrandinspektor sein Amt zur Verfügung. Nicht, weil es ihm keinen Spaß mehr gemacht hätte oder weil er verärgert war. „Es war einfach die Vielzahl an Verpflichtungen, die irgendwann zu viel wurden“, sagt Knipp. Kein Wunder, ist der Hobbyjäger und Mitarbeiter des Bauhofs ganz nebenbei auch noch Ortsvorsteher von Fürstenberg. Mit seinen bald 56 Jahren hätte er zudem in der nächsten Amtsperiode eine Dienstzeitverlängerung beantragen müssen. „Und niemand wird jünger“, fügt Knipp an.

So ganz von der Bildfläche verschwindet der 55-Jährige nicht. Der bisherige Stellvertreter Klaus Debus ist neuer Chef der Feuerwehren in Lichtenfels. Debus war von Beginn an an Knipps Seite. Stellvertreter ist nun Steffen Saßmannshausen. Herbert Knipp ist der zweite Stellvertreter. Er ist der einzige des Trios, der in Lichtenfels arbeitet - und somit auch tagsüber immer einsatzbereit ist.

Feuerwehrmann zu werden, das war ein einfacher Entschluss für Herbert Knipp. „Mein Vater war einer, und auf dem Land muss die Feuerwehr unterstützt werden.“ Dabei habe er nie Ambitionen gehabt, Stadtbrandinspektor zu werden. „Ich schlage den Nagel lieber in die Wand, ich zeichne nicht den Plan dafür“, sagt Knipp über sich. Zunächst war er stellvertretender Wehrführer in Fürstenberg. Der damalige Stadtbrandinspektor Walter Eichhorn wollte ihn dann als Nachfolger. „Es war aber mehr Arbeit als mir mein Vorgänger gesagt hatte“, schmunzelt Knipp.

Wenn der Fürstenberger über die vergangenen Jahre redet, dann spricht er immer wieder von der guten Teamarbeit. Zum Beispiel mit Karl Debus und Steffen Saßmannshausen: „Das war wie in einer guten Ehe, ab und zu haben wir uns aber auch gebissen“. Oder mit den Wehrführern und Feuerwehrkameraden in Lichtenfels : „Wenn ich an einen Einsatzort kam, dann reichten drei bis vier Sätze zur Verständigung und jeder wusste, was zu tun ist.“ Sätze wie „Als Häuptling brauche ich gute Indianer“ oder „Feuerwehr funktioniert nur als Team, hier gibt es keine Einzelkämpfer“, sind bei Knipp nicht dahin gesagt, er meint das auch so.

„Neukirchen war heftig“

Knipp ist 1,90 Meter groß, pragmatisch und er sagt was er denkt. Es mache ihn heute noch sauer, dass der Landkreis vor einigen Jahren deutliche Abstriche bei der finanziellen Unterstützung der Feuerwehren gemacht habe. Und umso glücklicher macht es ihn, wenn zum Beispiel die Kameraden in Münden einen Lichtmasten zum Teil aus der eigenen Kasse bezahlen. Da ist es wieder - das funktionierende Team Feuerwehr.

Knipp spricht auch ohne Umschweife über das, was ihm persönlich nahegeht - wie der Brand in Neukirchen im vergangenen Jahr, bei dem vier Personen ums Leben kamen. „Das war schon heftig.“ Ihm habe es dann geholfen, mit seiner Frau und auch Kollegen zu reden. „Jeder hat seine Art mit so etwas umzugehen, aber es einfach runterzuschlucken ist wohl nicht so gut.“

Ob er der Zeit als Stadtbrandinspektor nachtrauern werde, hat ihn ein Kollege vom Bauamt gefragt. Ein klares Nein hat Knipp als Antwort gegeben. Es seien viele schöne Jahre gewesen, doch oft musste er eben den Plan für den Nagel in der Wand zeichnen - und ihn nicht einschlagen.

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