Kolpingsfamilie eröffnet Session mit bunter Karnevalssitzung in Korbach

Mit Narrenkapp in der Bütt

Korbach - Ob Geistlicher oder Politiker: Beim Karneval der Kolpingsfamilie wurde keiner verschont. Die Redner hielten allen den Spiegel vor – sehr zur Freude des Publikums. Das feierte bis spät in die Nacht die Eröffnung der Session.

„Eröffnen wir die Narrenschau mit einem dreifach donnernden Helau“: Um 20.11 Uhr am Samstagabend gibt Karl-Franz Niemann den Startschuss. Die Sitzung ist eröffnet, in Sankt Marien darf geschunkelt, gelacht und gesungen werden – und in der Bütt ist einen Abend lang (fast) alles erlaubt. Die Gunst der Stunde nutzen nicht nur Karl-Franz Niemann und Helmut Schattel selbst, die an diesem Abend die Regie übernommen haben, sondern auch Gäste aus Kirche, Politik und Vereinen. Schattel stimmt die Närrinnen und Narrhalesen bereits traditionell als „Doofe Nuss“ auf das vierstündige Programm ein. Er erzählt von seiner „Zimmerlinde“, die wohl eigentlich seine Frau ist, von Freund Vincenz und von seiner Vermutung, dass die Heiratsurkunde eher bei den Garantiekarten liegt als bei den persönlichen Papieren. Und zuweilen übernimmt das Publikum dann selbst die Pointe – auch zur Überraschung des Redners. Der erzählt: „Neulich war ich beim Günther in der Kneipe. Voll.“ Da klingt es fröhlich aus dem Publikum: „Der Günther?“ Den Punkt muss Schattel abgeben, setzt aber gut gelaunt zum nächsten an. Auch Heinz Merl, der an diesem Abend in seiner Lieblingsrolle des Hansekaufmanns in die Bütt geht, sammelt fleißig Punkte: „Man sagte mir, es gibt ein Problem: Man kann wohl nicht richtig baden gehen“, reimt er fröhlich, und das Publikum klatscht. Aber weil zu viel Wasser ja auch schrumpelig mache und zu viel Chlor ungesund sei, rät er: „Nehmt es nicht zu schwer.“ Kreisverkehre und Bausünden nimmt er als Kaufmann gleich mit aufs Korn. Karl-Franz Niemann wagt sich dann als „Till Eulenspiegel“ an die großen Themen der Gegenwart, witzelt mit scharfem Unterton über die Energiewende und den Islam, über Pegida und die Maut. Er wirbt um Toleranz – für den Islam, nicht für die Maut. Die werde wohl auch noch mobile Dixiehäuschen und Kinderwagen in den Fokus nehmen, befürchtet er und schließt mit einem Blick nach Berlin: „Die Leute gehören ungelogen, schleunig aus dem Verkehr gezogen.“ Apropos Verkehr: Burkhard Speicher kommentiert als Sportreporter ein großes Autorennen rund um Sankt Marien – samt italienischer Übersetzung für Radio Vatikan und sauerländischem Platt, damit auch Gisbert Wisse in seiner neuen Heimat mithören kann. Der gerade in den Ruhestand verabschiedete Domkapitular fehlt schmerzlich im Kolpingkarneval. Freilich übernimmt Speicher seine Büttenrede mit Bravour: Während er Vikar Peter Capito aus Eppe einen mit Weihwasser gefüllten Motor aus der Serie Ecclesia andichtet, lässt er Dechant Bernd Conze fröhlich auf der Gisbert-Wisse-Allee kreisen. Und auch Vikar Uwe Kolkmann, der gerade die Gemeinde verlassen hat, bekommt noch sein Fett weg: „Kolkmann rief nach Paderborn: Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“ Ein Insider folgt auf den nächsten: Das Publikum johlt. Damit ist das Pflaster für de Rheinische Jong bereitet: Manfred Rummel gehört mit kölschem Blut und schönem Dialekt traditionell zu den Glanzpunkten des Kolpingkarnevals. Und auch in diesem Jahr enttäuscht er nicht. Kleine Kostprobe: „Wir hatten einen in der Klasse, der ist Wissenschaftler. Spezialgebiet Flöhe. Der hat ’nen Floh aufs Metermaß gesetzt und gerufen: ‚Spring!‘. Der Floh sprang. Dann hat er ihm alle Beine ausgerissen. Wieder gerufen: ‚Spring!‘. Der Floh sprang nicht mehr. Der Biologe notiert: Wenn man dem Floh alle Beine ausreißt, kann er nicht mehr hören.“ Tusch, Rakete und Jubel. Nur ungern lässt das Publikum de Rheinische Jong gehen.Viele zeigen an diesem Abend Einsatz – von den Kolpinggirls über Kunigunde Kegel bis Helga Eirund. Am Ende steht dann wie immer das Männerballett der Kolpingherren auf der Bühne – dieses Mal allerdings bauchfrei. (resa)

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