Diemelsee / Willingen / Korbach

Naturpark Diemelsee soll aufblühen

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- Diemelsee / Willingen / Korbach (nv). Damit Landschaft und Tourismus im Naturpark Diemelsee im Einklang miteinander aufblühen, sollen verschiedene Projekte angestoßen werden. Voraussetzung ist, dass sich Geldgeber finden.

„Naturschutz und Tourismus sind keine Gegner“, betont Prof. Dr. Eckhard Jedicke (Bad Arolsen) bei der Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes am Donnerstagnachmittag im Willinger Besucherzentrum. Der Geograf hat den Auftrag zu prüfen, wie sich der Naturpark durch Naturschutzprojekte profilieren kann. Ziel dabei ist, die biologische Vielfalt zu verbessern und den Naturschutz zugleich als Motor für die Regionalentwicklung zu nutzen. Jedicke ist überzeugt, dass der Naturpark Diemelsee für ein Naturschutzgroßprojekt des Bundes geeignet ist. Die Kellerwald-Region profitiert bereits von diesem millionenschweren Förderprogramm. „Das ist ein Naturschutz, der die Menschen mitnimmt und die Region, in der der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist, voranbringt“, betont der Experte.

Erste Pläne für den „Biotopverbund Diemel“ hatte er den Naturpark-Vertretern bereits im Juli präsentiert (wir berichteten). Ein Biotopverbundsystem auf- und auszubauen soll dazu dienen, dass Pflanzen und Tiere sich durch Ortswechsel an den Klimawandel anpassen können. Details hat Jedicke inzwischen in einer umfangreichen Analyse unter dem Titel „Naturschutzprojekte im Naturpark Diemelsee“ aufgeführt. „Vieles ist schon einmal gedacht“, verweist er bei der Verbandsversammlung zum Beispiel auf Pläne von Naturschutzbünden und -behörden. „Unsere Aufgabe ist, daraus Förderanträge zu machen und Maßnahmen umzusetzen.“ Dass die Beantragung eines Naturschutzgroßprojekts vier bis fünf Jahre dauern könne, davon solle sich niemand abschrecken lassen, ruft der Professor auf. „Die Königsklasse des Naturschutzes sollte unser Ziel sein.“

Bei Bewilligung des Großprojekts fließen über maximal zwölf Jahre zwischen fünf und 15 Millionen Euro in den Naturpark. Der Bund fördert das Projekt mit 65 bis 75 Prozent, das Land mit 15 bis 25 Prozent. Zehn Prozent muss der Träger aufbringen. Als Projektgebiet schlägt Jedicke das rund 29 000 Hektar große Quellgebiet der Diemel und ihrer großen Nebenbäche vor.

„Damit wir die Landwirte nicht in Aufruhr versetzen, muss gesagt sein, dass Naturschutzmaßnahmen nur auf etwa zehn Prozent der Fläche zu erwarten sind“, erklärt Gebhard Leifels, Vorsitzender der Verbandsversammlung. Knackpunkt ist die Finanzierung des Eigenanteils: Die Verbandsversammlung spricht sich aus diesem Grund dafür aus, dass Jedicke alle Schritte einleiten soll, die zur Antragsvorbereitung notwendig sind. Voraussetzung ist jedoch, dass für den Zweckverband keine Kosten entstehen, sondern Mittel Dritter akquiriert werden. Thomas Trachte, Vorstandsvorsitzender des Zweckverbandes, schlägt vor, zum Beispiel den Verkauf von Biotopwertpunkten an die Industrie zu prüfen.

Die Akquise von Fördermitteln ist auch Voraussetzung für ein weiteres Naturparkprojekt, die Sanierung des Jugendzeltplatzes am Diemelsee: Mit rund 4000 Übernachtungen pro Jahr ist der 1971 eingerichtete Platz zwischen Heringhausen und Giebringhausen laut Trachte beliebt, aber nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben wesentliche Mängel festgestellt.“ Rund 270 000 Euro sollen investiert werden.

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