Kommunaler Serviceverbund Eisenberg startet Projekt, um zukunftsfähige Konzepte zu erarbeiten

Netzwerken für ärztliche Versorgung

+
Annette Maraun-Brüggemann, Leiterin des Fachdienstes Gesundheit, Katharina Kappelhoff, Koordinatorin des Projekts „Gesundheit schafft Zukunft“, Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf und die Bürgermeister Thomas Trachte, Uwe Steuber, Matthias Stappert, Klaus Friedrich, Jörg Feldmann und Volker Becker (v. l.) ziehen für die ärztliche Versorgung an einem Strang. Foto: Dämmer

Korbach - Die ärztliche Versorgung in Waldeck-Frankenberg soll sichergestellt werden. Wie das auf Dauer in allen Kommunen funktionieren kann, soll über ein neues Projekt erforscht werden.

„Wenn in den kommenden Jahren weitere Ärzte in Waldeck-Frankenberg den Ruhestand gehen, stellt sich die Frage, wie im Landkreis die Versorgung mit Hausärzten sichergestellt werden kann“, fasste Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf am Montagmorgen im Korbacher Fachdienst Gesundheit die Ausgangslage zusammen. Da nicht sicher sei, ob genügend neue Ärzte angeworben werden könnten, sei es wichtig, rechtzeitig Konzepte zu erarbeiten, die auch in der Bevölkerung Akzeptanz fänden, erklärte er - und da kommt der „Kommunale Service Verbund Eisenberg“ (KSVE) ins Spiel.

Im KSVE arbeiten Diemelsee, Korbach, Lichtenfels, Medebach, Vöhl, Waldeck und Willingen auf verschiedenen Ebenen bereits eng zusammen, und als Verbund wollen die Kommunen nun auch die ärztliche Versorgung angehen. Denn: „Wir haben im Zusammenschluss die Möglichkeit, über Fördermittel des Landes dieses Thema anzupacken“, berichtete der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich.

Innerhalb des Projektes „Gesundheit schafft Zukunft“ würden die Kreisverwaltung und das Krankenhaus Frankenberg bereits gemeinsam an einer zukunftsfähigen ärztlichen Versorgung im Landkreis arbeiten. Als Baustein in dem Gesamtkonzept solle sich nun auch zwischen Städten und Gemeinden eine Zusammenarbeit entwickeln, um auf regionaler Ebene Lösungen zu finden, formulierte Katharina Kappelhoff, die das Projekt koordiniert, die Zielvorgabe.

Akteure zusammenbringen

„Klar ist: Landkreis und Kommunen können nicht die ärztliche Versorgung übernehmen. Doch sie können alle Akteure zusammenbringen, um im Sinne der Bürger tragfähige Konzepte zu finden“, betonte Jens Deutschendorf.

„Ziel ist herauszufinden, wie die vorhandenen Ressourcen besser genutzt werden können - da geht es etwa um die Frage, ob ärztliche Arbeiten an andere Berufsgruppen delegiert werden können, ob Zweitpraxen eingerichtet oder Versorgungsassistenten - ein neuer Name für Gemeindeschwestern - eingesetzt werden können“, beschrieb Anette Maraun-Brüggemann, Leiterin des Fachdienstes Gesundheit in Waldeck-Frankenberg, die Lage. Sobald ein Konzept für die Mitgliedskommunen des KSVE stehe und erfolgreich wirke, solle es auf die anderen Städte und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg ausgedehnt werden.

„Ich erwarte durch diese Initiative, dass die Freiheit bei der Wahl der Ärzte und der Facharztstandard bestehen bleibt“, erklärte Bürgermeister Jörg Feldmann aus Waldeck.

Versorgung in der Fläche

Netzwerkbildung sei auch für die ärztliche Versorgung in den Kommunen zukunftsweisend - fehlten Ärzte, würden bald auch die Apotheken verschwinden und die Gemeinden damit an Attraktivität verlieren, sagten Thomas Trachte (Willingen) und Volker Becker (Diemelsee). Beide könnten sich für ihre Gemeinden zum Beispiel eine Zusammenarbeit auf kurärztlicher Ebene vorstellen. „Wichtig ist, dass wir es schaffen, auch die Versorgung in der Fläche sicherzustellen“, betonte Matthias Stapper (Vöhl). Die südlichen Orte auf Lichtenfelser Stadtgebiet würden bereits von zwei Hausärzten aus Frankenberg mitbetreut, gab Uwe Steuber ein Beispiel, wie eine Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg funktionieren kann.

Stimmen auch die Gemeindevertretungen und Stadtparlamente dem Projekt zu, wird der Förderantrag an das Land Hessen gestellt. Sobald Geld geflossen ist, sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre Modellkonzepte erarbeitet werden.

Von Marianne Dämmer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare