Modernisierung und Erweiterung des Kirchenkreisamts · Kritiker sehen Blick auf Kilian in Gefahr

Neubau am Kilian sorgt für Kritik

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Der Neubau wird an der Gasse zum Kilian die Sicht aufs Dach des Kirchenschiffs verdecken, nicht aber auf den Turm.

Korbach - Für rund zwei Millionen Euro soll das Kirchenkreisamt am Kilian saniert und erweitert werden. Der geplante Anbau erhitzt indes die Gemüter bei etlichen Korbachern. Die Pläne sollen noch mal öffentlich präsentiert werden.

Der Platz im Altbau neben der Kilianskirche reicht hinten und vorne nicht mehr. Das Gebäude von 1897 diente ehedem als Pfarr- und Gemeindehaus für die Kiliansgemeinde, später dann samt Anbau der 60er-Jahre für die Verwaltung des Dekanats und das kirchliche Rentamt.

Doch am Stammsitz der Korbacher Kirchenverwaltung geht es längst nicht mehr nur um Stadtgemeinde und den alten Kirchenkreis des Eisenbergs. 2006 verschmolzen die Rentämter in Waldeck-Frankenberg zu einem zentralen Zweckverband Kirchenkreisamt.

Der Altbau bietet für über 40 Beschäftigte keine Chance, ist für alte Menschen und Behinderte kaum zugänglich, moderner Brandschutz ist nicht gewährleistet, Wärmedämmung und Energiesparen sind Fehlanzeige. So bleiben also zwei Möglichkeiten: Neubau auf der grünen Wiese oder Erweiterung an Ort und Stelle.

Historischer Stadtkern

Der Zweckverband entschied sich nach über zwei Jahren Diskussion für eine Lösung am Stammsitz in Korbach: Die Wege dorthin sind bekannt, Mitarbeiter und Besucher beleben die Altstadt, Kirche, Gemeindehaus, Pfarrei und Verwaltung bleiben eine Einheit.

Baulich gilt es, Raumbedarf, Verbindung zum Altbau, Parkplätze, aber auch Geschosshöhen von Alt und Neu in Einklang zu bringen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe am Hang des Kirchbergs. Noch dazu liegt hier der historische Ursprung Korbachs, das vor weit über 1200 Jahren vermutlich als Reichshof der Franken unter Karl dem Großen schon erste Formen annahm.

Plan des Zweckverbands Kirchenkreisamt als Bauherr ist, den Altbau in historischer Substanz zu renovieren, den kleinen Anbau aus den 60er-Jahren am Hang abzureißen - und dort vom Keller bis zur Mansarde auf dem Dach viereinhalb Geschosse in die Höhe neu zu bauen. Die Pläne seien mit Landeskirche, Stadt und Landesdenkmalpflege überdies abgestimmt.

Vom Kirchplatz aus fügt sich der gestufte Neubau mit neuem Eingang und gegliederter Fassade in den Proportionen ein. Vom Fuß der Altstadt aus erhebt sich der Neubau hinauf zum Kilian allerdings mächtig.

Der Bau mit Flachdächern bot am Donnerstagabend auch bei der öffentlichen Bürgerversammlung des Stadtparlaments viel Gesprächsstoff - auch wenn beim Treffen im Bürgerhaus ganz andere Themen auf der Tagesordnung standen.

Kritik im Bürgerhaus

Nach einem kritischen Leserbrief in der WLZ von Dr. Adolf Dustmann vorige Woche wetterte im Bürgerhaus vor allem Dr. Ulrich Böhme: „Warum wird die Stadtbevölkerung jetzt erst praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt?“ Auch ein Neubau der evangelischen Kirche müsse sich in die vorhandene historische Bausubstanz einfügen, betonte Böhme. Zudem verdecke der „kubische Neubau“ am Hang die Sicht auf die Kirche. Für seine Kritik erntete Böhme bei der Bürgerversammlung viel Applaus. Als gelungenes Beispiel von Alt- und Neubau nannte Böhme etwa das Museum.

Bürgermeister Klaus Friedrich regte an, das Kirchenkreisamt möge die Pläne öffentlich präsentieren und erläutern. Dies will der Zweckverband auch umsetzen, wie Bernd Merhof (Leiter Kirchenkreisamt) in Absprache mit Dekanin Eva Brinke-Kriebel gestern auf WLZ-Anfrage bestätigte. Ort und Termin würden noch bekanntgegeben.

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