Gesundheitsversorgung: Korbach mischt mit bei einem regionalen Modellprojekt

Neue Ärzte braucht das Land

+
Das Stethoskop ist für viele Menschen Sinnbild der Hausärzte. Doch die medizinische Versorgung wird besonders im ländlichen Raum in Deutschland immer schwieriger, Haus- und Fachärzte werden auf dem Lande rar.Foto: dpa

Korbach - Die Hansestadt steigt mit ins Boot bei einem Modellprojekt für ein regionales Gesundheitsnetz. Ein wichtiges Ziel ist, die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu sichern.

2200 Ärzte in Deutschland gehen jährlich in Rente, rund 80 Prozent von ihnen sind Hausärzte, rechnete Dr. Hartmut Wecker (SPD) in der jüngsten Korbacher Stadtverordnetensitzung vor. Fazit: „Deutschland verliert jährlich rund 800 Ärzte.“

Der Aderlass bei den Medizinern geht vor allem zulasten des ländlichen Raums. Großstädte sind für Medizinstudenten weiterhin attraktiv, auf dem Lande dagegen finden viele Arztpraxen keinen Nachfolger – ob Allgemeinmediziner oder Fachärzte.

Aderlass an Arztpraxen

In Waldeck-Frankenberg gibt es laut Hartmut Wecker, beruflich Pressesprecher des Landkreises, aktuell noch 114 Hausärzte – von denen 75 in den nächsten zehn Jahren aber aus Altersgründen ausscheiden werden. „Wir brauchen deshalb eine zweigleisige Strategie“, machte Wecker im Parlament deutlich: Bund und Länder müssen in Bildungspolitik und Studium bei Ärzten aktiver werden, und in den Regionen braucht es Zukunftspläne für die Gesundheitsversorgung.

Im Sommer 2012 begründete der Landkreis das Projekt „Gesundheit schafft Zukunft“. Ergebnisse sind bislang etwa eine neue Struktur im ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Angebote zur Weiterbildung angehender Hausärzte.

Weiterer Ansatzpunkt ist ein staatlich anerkanntes – und gefördertes – regionales Gesundheitsnetz. Verwirklicht werden soll dies im Landkreis als Modellprojekt rund um Korbach. Denn die Hansestadt hat mit dem „Kommunalen Service-Verbund Eisenberg“ bereits ein überörtliches Bündnis geschmiedet – etwa in Verwaltungsfragen oder Kooperation der Feuerwehren.

Zum Verbund gehören außer Korbach die Städte und Gemeinden Willingen, Lichtenfels, Vöhl, Waldeck, Diemelsee im Waldecker Land. Hinzu kommt die Stadt Medebach als westfälischer Partner. Über die Landesgrenzen hinaus lässt sich derzeit aber kein Gesundheitsnetzwerk knüpfen. Daher ist Medebach als Partner für das neue Modellprojekt nicht im Boot.

Für den Aufbau des Projekts sollen von der Landesregierung möglichst 100000 Euro an Fördermitteln fließen. Die Regie soll dabei der Landkreis übernehmen.

Ansatzpunkte:

medizinische Versorgung sicherstellen;

Zusammenarbeit der Kommunen in Gesundheitsfragen verstärken;

neue Gesundheitszentren oder „Delegation ärztlicher Leistungen“ erproben;

aber auch Wege aufzeigen für bessere Gesundheitsförderung der Menschen in der Region.

Einem entsprechenden Vertrag mit den anderen Gemeinden für das geplante „regionale Gesundheitsnetz Waldeck-Frankenberg“ stimmte das Korbacher Parlament in der jüngsten Sitzung einhellig zu.

Investitionen, Bürokratie

„Wir müssen dringend Konzepte erstellen. Neue Ärzte zu gewinnen ist und bleibt schwierig“, erklärte FWG-Sprecher Thomas Berg. Für die CDU unterstrich Manfred Figge die zentrale Bedeutung einer regionalen Gesundheitspolitik: „Voraussetzung ist, dass ein junger Mediziner überhaupt bereit ist, aufs Land zu gehen“, beschrieb Figge wachsende Schwierigkeiten in den Arztpraxen – ob teure Investitionen oder überbordende Bürokratie. Arno Wiegand (FDP) bedauerte, dass die Stadt Medebach (Nordrhein-Westfalen) nicht auch beim Gesundheitsprojekt einbezogen werden kann: „Die Probleme sind doch überall die gleichen.“

Von Jörg Kleine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare