Hallenbad: Neue Betriebsgesellschaft soll Tempo zur Wiedereröffnung bringen

Der neue Rettungsring

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Für rund zehn Millionen Euro saniert, aber seit über zweieinhalb Jahren weiter geschlossen – das Korbacher Hallenbad. Eine neue Betriebsgesellschaft unter Regie der Stadt soll eine Wiedereröffnung beschleunigen.Foto: Kleine

Korbach - Mit einer neuen Betriebsgesellschaft für die Bäder will die Stadt Korbach mehr Tempo aufnehmen, um das Hallenbad zu eröffnen. Im Zweifel auch mit Kompromisslösungen.

Kurzfristig möchte die Hansestadt eine Stellenausschreibung auf den Weg bringen, um einen Geschäftsführer für die neue Bäder-GmbH zu finden. Am 19. Dezember soll darüber das Parlament entscheiden, aber der Finanzausschuss hat mehrheitlich bereits die Empfehlung ausgesprochen.

„Wir müssen alles unternehmen, um das Schwimmbad schnellstmöglich wieder zu eröffnen“, warb Bürgermeister Klaus Friedrich diese Woche für eine neue Betriebsgesellschaft. Damit verbleibe das Hallenbad zwar weiter im Eigentum von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), aber der Betrieb laufe künftig unter Regie der Stadt. Die Trennung von „Eigentümerhaftung“ und „Betreiberhaftung“ erlaube „höhere zeitliche Flexibilität“.

Im Klartext: Die Betreibergesellschaft muss mit der Eröffnung des Hallenbads nicht warten, bis alle Mängel bis ins Kleinste behoben sind. Beispiel von SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig: Warum soll über eine nicht optimal sitzende Tür gestritten werden, wenn es doch im Bad vor allem darum geht, die Verkeimung zu beseitigen?

Gefährliche Keime im Duschwasser hatten im April 2012 dazu geführt, das frisch sanierte Hallenbad nach nur vier Wochen wieder zu schließen. Erst danach präsentierte EWF eine lange Liste an Baumängeln.

So sah auch Henrik Ludwig deutliche Vorteile, durch eine künftige Betriebsgesellschaft unter Regie der Stadt. Denn EWF als Betreiber werde wohl in jedem Fall ein langwieriges rechtliches Verfahren um das Hallenbad bis zum Ende durchführen. Und „ob (bei EWF) das Verfahren optimal betrieben wurde, muss mittlerweile bezweifelt werden“, fügte Ludwig an.

Vor allem bei den Grünen und der Fraktion „Pro Korbach“ herrschte aber im Finanzausschuss deutliche Skepsis. „Wirtschaftliche Vorteile sind für mich nicht zu erkennen“, betonte Beate Mehrhoff (Pro Korbach). Die Stadt verspreche sich mit der Betreiber-GmbH mehr Nähe. Aber diese Nähe habe es bereits in der Bauphase gegeben - sowohl der bauleitende Architekt als auch der Projektleiter seien aus Korbach. „Näher geht‘s gar nicht“ - aber ohne Erfolg, bilanzierte Mehrhoff.

Werner Welsch und Fraktionschef Dr. Peter Koswig (Grüne) forderten, mit der Einstellung eines Bäder-Geschäftsführers abzuwarten. Zunächst müssten zumindest die Gutachten zur Beweissicherung vor Gericht abgewartet werden, unterstrich Koswig - ob unter Regie von EWF oder einer Betriebsgesellschaft der Stadt.

Das bewertete FDP-Fraktionschef Arno Wiegand völlig anders. „Ich will das Kind mal beim Namen nennen: Wir brauchen jemanden, der das Hallenbad auch betreiben will.“ Bei EWF sei das Interesse offensichtlich nicht mehr da.

„Wir halten es für zwingend erforderlich, dass die Stadt jetzt selbstbewusst vorgeht“, appellierte deshalb auch FWG-Fraktionschef Kai Schumacher, den Weg für eine Betriebsgesellschaft schnell freizugeben.

Bei der Abstimmung zur Gründung der Betriebs-GmbH zogen im Finanzausschuss am Ende auch die Grünen mit. Eine kurzfristige Stellenausschreibung für einen Geschäftsführer lehnten sie indes ab. Beate Mehrhoff (Pro Korbach) wies eine neue Betriebsgesellschaft samt Geschäftsführer grundsätzlich zurück.

Von Jörg Kleine

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