Kaufleute im E-Commerce

Neuer Ausbildungsberuf startet im August: Experte für Onlinehandel

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Ein Arbeitsplatz für künftige E-Commerce-Kaufleute: Benedikt Fischer arbeitet in der Marketing-Abteilung bei Horizont.

Korbach. Horizont ist eines der ersten Unternehmen in Waldeck-Frankenberg, die den neuen Ausbildungsberuf zum „Kaufmann beziehungsweise Kauffrau im E-Commerce“ anbieten wollen.

Manche Dinge brauchen etwas mehr Zeit: Schon Mitte der 1990er Jahre begannen die ersten Unternehmen damit, Waren über das Internet zu verkaufen. Erst jetzt gibt es auch den passenden Ausbildungsberuf dazu: Im Dezember ist die entsprechende „Verordnung über die Berufsausbildung“ in Kraft getreten. Im August sollen die ersten Azubis loslegen. „Höchste Zeit“, sagt Holger Fissmann, Marketing-Leiter bei Horizont.

Das Korbacher Unternehmen hat lange darauf gewartet: „Bislang gab es keine Ausbildung, die auf die Anforderungen im E-Commerce vorbereitet hat, wir mussten das Wissen selbst aufbauen“, sagt Fissmann. Für den Gerätebauer, Weidezaun- und Verkehrsleittechnik-Hersteller geht es vor allem darum, bei Suchmaschinen wie Google für potenzielle Kunden im internationalen Markt auffindbar zu sein: „Die Kunden informieren sich im Internet, wollen aber offline kaufen“, fasst Fissmann den aktuellen Trend in der Branche zusammen. Darüber hinaus sind der Hersteller und seine Partner aber auch auf E-Commerce-Plattformen vertreten, wo die Produkte online gekauft werden können.

Erste Bewerbungen für den Ausbildungsplatz habe er schon erhalten, sagt der Marketing-Leiter. Die künftigen E-Commerce-Kaufleute werden in die Online-Marketing-Abteilung eingebunden und sollen Aufgaben in verschiedenen Projekten erledigen, um Praxiserfahrung zu sammeln.

Sie präsentieren beispielsweise ansprechend Produkte mit Bildern und Texten auf der Internetseite und kommunizieren mit den Kunden auf allen Kanälen. „Das Ausbildungsspektrum ist wirklich umfangreich und gut aufgestellt“, sagt Fissmann. 

Hessenweit haben nach Angaben der Industrie und Handelskammer (IHK) Kassel und Marburg bislang 70 Unternehmen Interesse an der neuen Ausbildung zum „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ bekundet, davon zehn Unternehmen in Nordhessen mit insgesamt 16 potenziellen Ausbildungsplätzen. Sieben weitere Firmen haben beim Einzelhandelsverband Nordhessen angefragt. 

Die neue Ausbildung dauert drei Jahre und findet sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule statt. Unklar ist noch, an welchem Standort die hessischen Auszubildenden beschult werden. Sowohl Kassel als auch Frankfurt sind derzeit im Gespräch. 

Jobs finden die künftigen E-Commerce-Kaufleute vor allem im Einzel-, Groß- und Außenhandel. Zugleich kommt er aber auch für andere Branchen infrage, zum Beispiel für touristische Unternehmen wie Portalbetreiber, Dienstleistungsanbieter oder Hersteller, die ihre Angebote online vertreiben. 

Digitaler Vertrieb Auf dem Ausbildungsplan steht klassisches kaufmännisches Handwerk wie Produktbeschaffung, Kaufverträge, Kosten- und Leistungsrechnung oder externes Rechnungswesen. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem digitalen Vertrieb und Marketing. Die Azubis lernen zum Beispiel, Nutzerverhalten auszuwerten, Produkte im Internet zu präsentieren oder Bezahlsysteme auszuwählen. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Kundenkommunikation über verschiedene Kanäle und Online-Marketing. 

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