Investitionen, neue Technik und neue Produkte am Conti-Standort Korbach

Neues aus der Autostadt

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Produkte aus Korbach fest im Griff: (v.l.) Petra Beckmann, Ulrich Spitzer (beide Geschäftsführer der ContiTech Schlauch GmbH) und Werksleiter Lothar Salokat.Foto: Kleine

Korbach - Für Conti in Korbach geht eines der aufregendsten Jahre in der Werksgeschichte zu Ende. Der Ausblick in die Zukunft zeigt: Nicht Masse, sondern ausgeklügelte Technik und Verfahren sind in Korbach mehr denn je gefragt, um international erfolgreich zu sein.

Über zehn Millionen Pkw-Reifen, rund 50000 Kilometer technische Schläuche – die Produktionsziele kletterten für den Conti-Standort Korbach in den vergangenen Jahren immer weiter in die Höhe.

Die Bilanz für 2014 ist in der Summe weiterhin beeindruckend: rund neun Millionen Reifen, dazu Schläuche, die an einem Band aufgereiht immer noch um den ganzen Globus reichen.

Doch am technologisch starken Standort Korbach sind inzwischen ganz andere Faktoren maßgeblich für Herstellung und Produkte. „Wir haben 2014 fast 300 neue Artikel eingeführt“, bilanziert Werksleiter Lothar Salokat etwa für die Fertigung von Pkw-Reifen.

Wachsende Modellvielfalt, Sicherheit, immer größere Räder und spezielle Anforderungen der Autoproduzenten stellen neue Aufgaben an das Korbacher Reifenwerk. Der Anteil von mächtigen Reifen mit Dimensionen von 17, 18 und 19 Zoll ist um rund 40 Prozent gewachsen, erklärt Salokat. Zugleich werden die „Losgrößen“, also die Stückzahlen pro Reifentyp, kleiner.

So gilt es für das Reifenwerk, schnell und flexibel in der Produktion zu reagieren. Völlig neue Perspektiven eröffnet dabei das Technologiezentrum, das 2014 am Standort Korbach im Blickpunkt stand.

Korbacher Werk weltweitim Blickpunkt

Im September war Spatenstich für die kleine Hightech-Fabrik, die im Mai 2015 stehen soll – und ab Sommer 2016 breite Schlappen für „Ultra Ultra High Performance“ (U-UHP) liefert – also das Beste vom Besten, was der Reifenmarkt zu bieten hat. Damit setzt das Werk in Korbach weltweit Akzente für den gesamten Continental-Konzern.

Kleiner als das Pkw-Reifenwerk, aber nicht weniger fein ist die Fabrik für Zweiradreifen (Fahrrad und Motorrad). In der Hansestadt steht nicht nur das einzige verbliebene Fahrradreifenwerk Deutschlands: Korbach ist als Sitz der „Business Unit“ von Conti zugleich Nabel der Welt für Forschung, Entwicklung, Marketing und Vertrieb von Zweiradreifen.

Dabei zeigte sich die Fertigung von Motorradreifen 2014 im Vergleich zum Vorjahr stabil, bei Fahrradreifen verbucht Conti in Korbach weiter ein Wachstum von rund zehn Prozent, resümiert Salokat. Auch 2015 stehen die Zeichen bei Zweiradreifen wieder auf Wachstum in Korbach.

Drittes Segment im Bunde ist die Produktion von Industriereifen, etwa für Gabelstapler. Mit dem „Closed-Shouder-Reifen“ hat das Werk einen neuen Typ entwickelt. Das Profil sitzt nur im Mittelteil des Reifens, reicht also nicht bis an den Rand. Dieser Reifen verheißt eine deutlich längere Laufleistung.

Neue Verfahren, neues Material, veränderte Nachfrage am Markt, das gilt am Standort Korbach gleichermaßen für die ContiTech Schlauch GmbH. „Wir sind wie ein Tausendfüßler“, attestierte Geschäftsführer Ulrich Spitzer für Europas größtes Schlauchwerk schon vor Jahren. Will heißen: Die Fabrik hat viele Standbeine, und wenn ein Bein schwächer wird, dann werden andere umso kräftiger.

Drastische Veränderungen gibt es derzeit etwa bei Servolenkungen in der Autobranche, schildert Spitzers Geschäftsführer-Kollegin Petra Beckmann. Statt Hydraulikschläuchen werden immer mehr Elektromotoren für die Lenkhilfen in modernen Autos eingebaut – beispielsweise für die Einpark-Automatik. Damit verliert ein über viele Jahre wichtiger Produktbereich im Korbacher Schlauchwerk erheblich an Bedeutung.

Auf anderen Feldern will ContiTech hingegen reichere Ernte einfahren: Industrieschläuche sowie Leitungen für Kraftstoff und Abgasreinigung in Automobilen. Zu den neuen Entwicklungen gehören etwa Kraftstoffschläuche mit einer elektrisch leitfähigen Innenfolie. Dies wirkt quasi wie ein „Blitzableiter“ im Schlauch und soll Gefahren durch statische Aufladung beim Tanken ausschließen.

Meilensteine auf dem Weg in die Zukunft bleiben für Conti dabei kräftige Investitionen: Das Technologiezentrum für 45 Millionen Euro wächst, ebenso die gigantische Reifen-Logistikhalle für 25 Millionen Euro im Gewerbegebiet Raiffeisenstraße.

Derweil hat ContiTech eine „automatisierte Schlauchablieferung“ in Betrieb genommen, erklärt Spitzer mit leuchtenden Augen. „Autostadt“ wurde das runde, mehrstöckige Wunderwerk getauft, das mit Robotern wie von Geisterhand Schläuche am Stück schneidet, bis zu 120 Meter aufwickelt, zwischenlagert – und lieferfertig aufs Förderband serviert. Diese Anlage gibt es bislang nur in Korbach.

So bleibt der Ausblick auf 2015 am Standort optimistisch. Großes Lob für ein herausforderndes Jahr 2014 richtet Werksleiter Lothar Salokat an alle Beschäftigten – ob im Reifenwerk oder bei ContiTech.

Zahlen & Fakten

Am Standort Korbach arbeiten zum Jahresende 3350 Mitarbeiter für Continental. Davon sind rund 2150 im Reifenwerk beschäftigt – ob Pkw-, Zweirad- oder Industriereifen. Rund 1200 Mitarbeiter zählt derzeit ContiTech in der Hansestadt. Das Schlauchwerk hat damit im Vergleich zum Vorjahr Personal reduziert, zugleich ist die Belegschaft in der Reifenproduktion aber gewachsen. Damit blieb die Beschäftigtenzahl bei Conti in Korbach insgesamt stabil. Von den 3350 Beschäftigten sind etwa 240 Leiharbeiter. Wie im Vorjahr hat Conti zahlreiche Leiharbeiter fest übernommen. Zur ContiTech Schlauch GmbH mit Hauptsitz in Korbach gehört zudem ein Zweigwerk in Northeim mit weiteren rund 450 Mitarbeitern.

Von Jörg Kleine

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