Tagungsband zum Kolloquium am 3. November 2018 in Korbach ist erschienen:

Neues Buch beschreibt den Korbacher Franziskanermaler und sein Werk

Bei der Vorstellung des Tagungsbandes über den Korbacher Franziskanermaler: Vorm Altar in der Kilianskirche stehen – von links – Heinz Merl, Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Dr. Peter Witzel, Pfarrerin Manuela Wolske, Sabine Neuhaus, Walter Hellwig und Britta Hein.

Korbach – Dem Korbacher Franziskanermaler, seinem Werk und seiner Zeit widmet sich ein neues Buch: Es vereint die Vorträge eines Kolloquiums über den Künstler, der vor rund 500 Jahren gewirkt hat. Die Beiträge nähern sich dem Malermönch aus verschiedenen Perspektiven.

1518 vollendete der Korbacher Franziskanermaler sein erstes bekanntes Werk: den Marienaltar in der Nikolaikirche. 500 Jahre später stand der Künstler im Mittelpunkt einer Jubiläumsreihe. Ein Höhepunkt war das gut besuchte Kolloquium am 3. November 2018 im Bürgerhaus der Hansestadt. 

Die sieben dort gehaltenen Vorträge fanden großen Anklang beim Publikum. Sie sind ab sofort nachzulesen: Bei einem Treffen des Arbeitskreises "Franziskanermaler" stellte der Leiter des Wolfgang Bonhage-Museums, Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, am Dienstag den 160 Seiten dicken, reich bebilderten Tagungsband vor, den er und Dr. Esther Meier herausgeben haben. 

Der Marienaltar in der Korbacher Nikolaikirche, der Korbacher Franziskanermaler hat ihn 1518 vollendet.

"Das Werk ist vollbracht", sagte er. "Wir können zufrieden sein mit der Zeit." Die Referenten hätten ihre Beiträge rasch geliefert, die Druckerei Sprenger habe sie gut layoutet. Auch die Bilder der Vorträge fanden Eingang ins Buch. Dann ging Dr. Völcker-Janssen knapp auf die einzelnen Beiträge ein.

  • Die Einführung beschreibe die Altarbilder als „kulturhistorisches Erbe“, sagte Völcker-Janssen. 
  • Dr. Gerhard Neumann aus Marburg stellt die Gesellschaft und das religiöse Leben in Korbach um 1500 dar, auch den Ablasshandel, die Ängste vorm Fegefeuer und  die ekstatischen Ausbrüche bei der Suche nach Erlösung und Sündenvergebung. Abschließend geht er auf die Bedeutung von Bildern ein. 
  • Dr. Roland Pieper stellt das Korbacher Franziskanerkloster vor, in dem der Künstler gelebt und vermutlich auch gearbeitet hat. Pieper widmet sich auch der Klosterkirche und vergleicht sie mit anderen westfälischen Ordenskirchen der Franziskaner. Er biete viel Neues, was bis dahin nicht bekannt gewesen sei, bemerkte Völcker-Janssen, der selbst über das Kloster geforscht hat. 
  • Dr. Esther Meier beschreibt, wie sich durch den Wandel der Theologie in katholischer und protestantischer Zeit auch die Betrachtung, die Bedeutung und die Rolle der Altarbilder ändert. Die Kunsthistorikerin und Mitherausgeberin hatte das Kolloquium auch moderiert.
  • Dr. Tobias Kunz vergleicht das Hochaltarretabel der Münchener Franziskanerkirche von Jan Polack mit dem Werk des Franziskaners. Bildsprache und Bildaufbau seien gleich, auch, dass jeweils der Landesherr die Werke für München und die Korbacher Kilianskirche in Auftrag gegeben hätten.
  • Georg F.R. Pracher berichtet über die Restaurierungen und den Erhaltungszustand der beiden Korbacher Altäre. Dazu bringt er viele Detailaufnahmen.
  • Dr. Ulrich Hussong greift das „erwachende Interesse an historischen Altertümern im Fürstentum Waldeck“ auf. Die frühen Historiographen des Landes hätten auch Nachrichten über den Franziskanermaler zusammengetragen.
  • Propst Helmut Wöllenstein aus Marburg nehme die Leser in seinem sehr persönlichen Beitrag mit auf eine „Reise in die Bilderwelt“ des Malers, sagte Dr. Völcker-Janssen. Dabei entstehe eine große Empathie. „Man kann sich keinen besseren Abschluss des Bandes vorstellen.“ 

Fotos aller Altarbilder

Im Mittelteil sind die von Sascha Pfannstiel 2018 neu aufgenommenen Altarbilder des Malers abgedruckt. Er hat für die große Ausstellung im Museum jede einzelne Tafel in den beiden gotischen Kirchen in Korbach sowie in Nieder-Waroldern fotografiert, auch die in der Kölner Kirche "Sankt Pantaleon" hängende Haupttafel  eines vierten Altarbildes.  

"Das war eine großartige, spannende Zeit", bemerkte er. Zwei Bilder stellte das Landesmuseum in Münster zur Verfügung.

Mehr Beachtung für den Franziskanermaler 

Dr. Peter Witzel erinnerte an die Gründung des Arbeitskreises im Sommer 2015, um das Jubiläum vorzubereiten. Die Leitung übernahm Dr. Völcker-Janssen, mit ihm sei auch die Stadt gleich mit eingebunden  gewesen. Auch der Bürgerverein "Sankt Kilian", der Waldeckische Geschichtsverein, die evangelische Stadtkirchengemeinde, der Förderverein der Nikolaikirche, der pensionierte Pfarrer Walter Hellwig und Dr. Witzel wirkten mit. 

Ziel sei gewesen, dem Franziskanermaler „ein bisschen mehr Beachtung im Kunsthistorischen angedeihen zu lassen", sagte Dr. Witzel. "Das ist uns unschwer gelungen.“ 

Werke der Nachwelt erhalten

Die Altarbilder hätten 500 Jahre überdauert. Dr. Witzel mahnte, dieses Erbe der Nachwelt zu bewahren. "Wir alle sind in der Pflicht, den Fortbestand zu sichern." 

Doch die Kirchen unterlägen einem starken Wandel, er befürchtet, dass die "alte Kunst" künftig weniger Beachtung und Aufmerksamkeit finde, dafür zögen "moderne Programme" ein, auch "weltliche Veranstaltungen". Beispiel: die Klang- und Farbinstallation zum Hessentag 2018 in der Kilianskirche. Dies ändere den Charakter der Kirchen. Er befürchte, dadurch werde die Beachtung der alten Kunstschätze leiden.

„Kirche ist kein Museum“, entgegnete Pfarrerin Manuela Wolske, sie sei ein „Ort der Gemeinschaft“, dies „bedeutet auch Veränderung“. Im Mittelalter habe eine "Bilderkargheit" geherrscht, "heute leben wir in der Welt einer Bilderflut." Insofern wirkten die Bilder ganz anders auf die Menschen.

"Die Bilder müssen sich einer neuen Betrachtungsweise stellen", urteilte Dr. Völcker-Janssen. Das sei Aufgabe der Kirche. Es gelte zu schauen, wie sich die Altarbilder den Betrachtern nahe bringen ließen. 

Problem dabei: Der religiöse Zusammenhang, der Symbolgehalt der Darstellungen  ist vielen heute gar nicht mehr bewusst, weil früher selbstverständliches Wissen über das Christentum fehlt. Außerdem fehlt vielen im Zeitalter der schnell aufgenommenen Handy-Bilder die Fähigkeit zum genauen Hinschauen. 

Das habe er bemerkt, als er die Tafeln aufgenommen habe, berichtete Pfannstiel: Touristen seien in die Kirche gekommen, hätten schnell Bilder gemacht und seien wieder gegangen. "Es ist erschreckend zu sehen, was diesen Leuten entgeht. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen."

Signatur im goldenen Rahmen: Der Korbacher Franziskanermaler verewigte sich auf dreien seiner Altarbilder mit Selbstportraits, das ist einzigartig in der Kunstgeschichte.

Um das genaue Hinsehen besser zu ermöglichen, brachte Völcker-Janssen die Idee wieder auf, die Tafeln der Ausstellung in der Kilianskirche dauerhaft aufzustellen. Dies begrüßte auch Heinz Merl vom Bürgerverein. 

Dr. Witzel rief die Kunsthistoriker auf, die außergewöhnliche "Signatur" des Malers in Form eines Selbstportraits als kniender Mönch stärker beachten, außerdem sollten sie sich dem Rätsel der Schlüssel an den Franziskaner-Kutten der Altarbilder widmen.

Weitere Werke über den Künstler

Er verwies darauf, die die Altarbilder des Malers auch Aufnahme gefunden hätten in die Bände einer 2014/15 gegründeten wissenschaftlichen Arbeitsgruppe, die alle hessischen Altarbilder erforscht. Auch die Werke in Korbach und Nieder-Waroldern seien erfasst und untersucht worden.

 Im Spätsommer soll auch das 1988 erschienene Museumsheft über den Franziskanermaler in einer überarbeiteten und deutlich erweiterten Fassung neu herauskommen. Aufgenommen werden auch die Beiträge der WLZ-Beilage "Mein Waldeck", Berichte über den Geschichtswettbewerb des Geschichtsvereins, die Kunstaktion des Fördervereins der Nikolaikirche und das Jubiläumskonzert sowie die gut besuchten "Audienzen beim Franziskanermaler", zu denen Walter Hellwig eingeladen hatte.

Das Buch:

Beiträge des Kolloquiums "1518-2018: 500 Jahre Korbacher Franziskanermaler". Das bei Sprenger in Korbach gedruckte Buch ist Band 5 der Reihe „Beiträge aus Archiv und Museum“ der Stadt Korbach und des Archivs der Alten Landesschule. ISBN: 978-3-9813425-8-1. Es ist für 15 Euro im Wolfgang-Bonhage-Museum und im Stadtarchiv zu haben, nach Pfingsten auch in den Korbacher Buchhandlungen Thalia und Colibri.

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