Neben der „Holunderflosse“ soll ein weiteres Wohngebiet entstehen

Neuland für Häuslebauer in Korbach

Korbach - Die Hansestadt will ein neues Baugebiet erschließen. Auf dem Acker jenseits der Kreisberufsschulhalle sollen Grundstücke für Eigenheime entstehen.

Auf der „Holunderflosse“ jenseits der Pestalozzistraße im Korbacher Osten haben die Handwerker noch reichlich zu tun. Dachdecker, Zimmerleute, Schreiner und Maurer sind am Werk, um schmucke Eigenheime zu bauen. Doch die Grundstücke im Neubauviertel gehen zur Neige. Die Stadt Korbach will deshalb gleich nebenan ein weiteres Wohngebiet erschließen: „Am Holzhäuser Weg“. Zwischen Fröbelstraße, „Holunderflosse“ und Hartmanns Bäumchen liegt das Areal, für das die Hansestadt das Baurecht schaffen möchte: Der Flächennutzungsplan soll entsprechend geändert werden. Das rund acht Hektar umfassende Terrain ist weitgehend im Besitz der Stadt und wird derzeit als Acker landwirtschaftlich genutzt. Am Rand liegt überdies der Bolzplatz bei Hartmanns Bäumchen. Ein rund 30 Meter breiter Streifen, rund 7000 Quadratmeter, an der Fröbelstraße jenseits der Kreisberufsschulhalle gehört noch dem Landkreis. Die Fläche war als Reserve für weitere Parkplätze am Schulzentrum vorgesehen. Diese Grundstücksfrage muss die Stadt mit dem Kreis noch klären, möchte aber möglichst keine Zeit verlieren, die Bauleitplanung fürs Neubaugebiet in Gang zu setzen. Über den „Aufstellungsbeschluss“ muss das Stadtparlament nächste Woche entscheiden. Der Ausschuss für Bauen und Umwelt gab am Dienstagabend aber bereits einhellige Zustimmung. SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig verwies auf den Vorstoß der Sozialdemokraten, die schon bei der Haushaltsplanung Ende 2013 ein zusätzliches Budget für neue Wohnbauflächen gefordert hatten. Diese Vorlage griff derweil auch CDU-Sprecher Andreas Ruppert dankbar auf. Denn mit den Conti-Planungen für ein neues Technologiezentrum hatte auch die Union gemahnt, weitere Baugrundstücke parat zu haben. Zumal Korbachs größter Arbeitgeber zusätzliche hochwertige Jobs schafft, die sicher auch Neubürger in die Hansestadt ziehen werden. Neubausiedlungen bleiben aber aus Sicht der Stadtentwicklung ein zwiespältiges Thema – besonders im ländlichen Raum. Stichwort ist der „demografische Wandel“. Während etliche Großstädte in Deutschland weiter wachsen, gehen die Bevölkerungszahlen auf dem Lande teils drastisch zurück. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist die Einwohnerzahl nach Höchstständen von über 170 000 Menschen in den vergangenen Jahren auf deutlich unter 160 000 gefallen. Auch die Kreisstadt Korbach hat mit derzeit rund 23 400 Einwohnern in den vergangenen zehn Jahren über 1000 Bewohner eingebüßt. Leitlinie für die Stadtentwicklung im ländlichen Raum ist deshalb, einer Zersiedlung vorzubeugen: nicht ständig neue Wohngebiete auf der grünen Wiese schaffen, während im Zentrum Häuser leerstehen. Somit laufen manche Mittelzentren Gefahr, günstige Grundstücke für Baugebiete zu schaffen – und zugleich den Immobilienwert der bestehenden Häuser zu senken. So war in der Kernstadt Korbach seit den Spitzenzeiten Mitte der 1990er-Jahre ein deutlicher Preisverfall auf dem Wohnungsmarkt zu verzeichnen. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage aber wieder belebter – ob Wohnungen oder Eigenheime. Und auch Neubaugrundstücke sind weiterhin begehrt in der Hansestadt. In dieser Zwickmühle will die Kreisstadt Korbach offenbar einen Mittelweg beschreiten: weiterhin „Bodenvorrat“ für neue Eigenheime, aber behutsam entwickeln.Erster Schritt „Am Holzhäuser Weg“ ist eine Änderung des übergeordneten Flächennutzungsplans. Parallel sollen die Grundstücksfragen geklärt werden. Danach folgt die Aufstellung des konkreten Bebauungsplans. Frühestens 2016/2017 wird das Gelände für Häuslebauer dann bereit sein. (Jörg Kleine)

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