Wahlen in Vöhl: Parteilose Bianca Steinkamp will Bürgermeisterin werden

„Nicht rot oder schwarz, sondern bunt“

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„Wege entstehen, indem man sie geht“: Bürgermeisterkandidatin Bianca Steinkamp nimmt sich mit Hund Camino Auszeiten.

Vöhl-Marienhagen - Sie kam für viele überraschend: Kurz vor Toresschluss reichte Bianca Steinkamp aus Marienhagen ihre Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Vöhl ein. WLZ-FZ trafen sie an ihrem Lieblingsort: am Wildtiergehege in Marienhagen. Mit dabei war Hund Camino.

Es ist einer der ersten warmen Tage in diesem Jahr. In den Bäumen im Wald in Marienhagen rauscht der Wind, zwei Rehe grasen bedächtig im Wildtiergehege und Hund Camino genießt das Bad in der Sonne. „Hier kann ich entspannen“, sagt Bianca Steinkamp, „selbst in Zeiten wie diesen.“ Eigentlich sei Wahlkampf gar nicht ihr Ding, sagt die 36-Jährige, „aber weil mich eben nicht alle kennen, muss ich was tun“.

Ein Pippilotta-Leben

Und so lässt sie Flyer drucken und eine Internetseite gestalten. „Die Menschen sagen immer: Du musst dies und du musst das“, sagt sie, „aber ich habe einen 40-Stunden-Job, einen Haushalt, einen Partner und einen Hund, da kann ich nicht jeden Tag noch unzählige Wahlkampftermine planen.“ Umso kostbarer sind jene ruhigen Momente geworden, in denen sie mit Malamut Camino in den Wald spaziert, der gleich neben der Haustür beginnt. Warum der große, eigenwillige Hund seinen Namen trägt? „Camino ist spanisch und heißt Weg“, sagt Bianca Steinkamp. Er erinnere sie daran, dass Wege erst entstünden, indem man sie gehe. Und so sieht Bianca Steinkamp auch ihre Kandidatur. „Ich glaube, gemeinsam können wir etwas ändern“, sagt sie, „und diesen Weg möchte ich mit den Menschen in der Großgemeinde gehen.“

Dahinter steckt eine große Portion Idealismus und Pragmatismus und auch Liebe zur Heimat. „Ich bin zwar in Dortmund geboren, meine Mutter kommt aber aus Ober-Werbe“, erzählt sie, „und dort habe ich gelebt, seit ich sechs Jahre alt bin.“ Eine freie Kindheit habe sie verbracht, in der Natur und mit Tieren. „Das war ein Pippilotta-Leben“, sagt sie, „das hat mich geprägt.“ Ein paar Kühe, ein paar Schweine, Pferde und vor allem immer ein Hund. „Camino ist sehr dickköpfig“, sagt sie und blickt liebevoll zu dem Malamut. „Ein bisschen wie ich selbst“, ergänzt sie dann lachend. Manchmal wolle sie eben mit dem Kopf durch die Wand. Sturheit würde ihr Freund das wohl nennen, ergänzt sie lachend. „Ich muss Dinge so lange hinterfragen, bis ich sie logisch finde“, erklärt sie dann.

Neue Heimat gefunden

Heute lebt sie mit ihrem Freund in Marienhagen. „Und hier habe ich ein richtiges Zuhause gefunden“, sagt sie. Es seien Orte wie das Wildgehege, von dem aus sie abends zuweilen das Röhren des Hirschs höre, oder die Kneipe im Dorf, wo sie sich mit ihren Freunden treffe, die dieses Dorf zur Heimat machen.

Ursprünglich war sie den Pferden nachgereist: Denn schon als Kind fühlte sie sich im Sattel wohl. Und als sie nach der Ausbildung in Marienhagen eine Stallgemeinschaft fand, zog sie um. Beim Reiterball lernte sie ihren Freund kennen und heute will sie sich nicht mehr wegdenken aus dem Ort. „Es ist schön, dass es wieder eine Kneipe bei uns im Dorf gibt, denn wir brauchen solche Orte, die Menschen zueinander bringen“, sagt sie.

Seit drei Jahren arbeitet Bianca Steinkamp gleich in der Nachbarschaft. Nach ihrer Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten bildete sie sich weiter zur pharmazeutisch-technischen Angestellten. Sie arbeitete erst in Sachsenhausen und schließlich in Vöhl. „Jetzt kommen manchmal Menschen in die Apotheke und wenn sie mich sehen, sehen sie nicht mehr die Frau aus der Apotheke, sondern die Kandidatin“, sagt Bianca Steinkamp.

Nachdenklich geht sie den Waldweg an der Seite ihres Hundes. Nicht alle Menschen hätten positiv auf ihre Kandidatur reagiert, sagt sie dann. „Manche meinten, ich würde eine teure Stichwahl verursachen“, erzählt sie. Sie habe dann geantwortet: „Wenn es eine Stichwahl gibt, dann lösen die Wähler sie aus und dann hat das einen Grund.“

Raum zum Weiterdenken

Dass sie die einzige Kandidatin ist, die keine politische Partei im Rücken stehen hat, verunsichert sie nicht. „Ich bin weder schwarz noch rot, weder grün noch gelb“, sagt sie, „mein Leben war schon immer bunt.“ Jeder Mensch solle seine eigene Meinung haben, appelliert sie. Und den Raum dafür, diese Meinung zu sagen. Dann ergänzt sie: „Und mein Gewinn ist es, dass die Meinung des anderen mich zum Weiterdenken anregt.“

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