Hunderte Gäste auf Festmeile zum 700-jährigen Bestehen

Nieder-Schleidern feiert Jubiläum

Korbach-Niederschleidern - Hunderte Gäste machten sich gestern Nachmittag auf den Weg nach Nieder-Schleidern. Eine Reise in die Vergangenheit, allerlei kulinarische Genüsse und große Gastlichkeit bot die Dorfgemeinschaft ihren Gästen zum 700. Geburtstag des kleinen Ortes.

Gertrud Schlichtherle ist in Feststimmung. Gut gelaunt stimmt sie ein Lied ein, nimmt ein weißes Wäschestück und schrubbt es über das Waschbrett. „Zeig her deine Füße, zeigt her deine Schuh“: Die andern Damen in blauen Schürzen und mit schmucken Hauben stimmen fröhlich ein. Schließlich haben sie Publikum und das freut sich über die musikalischen Damen, die wie nebenbei aus alten Zeiten erzählen. „Wir wollen heute für Nieder-Schleidern werben und für das Leben auf dem Land“, saht Kerstin Lippmann vom Festausschuss und dann blickt sie sich strahlend um: „Und ich glaube, wir haben das geschafft“.Die Waschfrauen sind dabei eine von vielen Gruppen, die sich an der langen Festmeile beteiligen. Die Schleiderner haben ihre Türen geöffnet, ihre Gartentore und Kirchenpforten und es scheint, als sei in jedem Winkel des Dorfes ein weiterer Programmpunkt zu finden. Immer mal wieder blicken die Gastgeber skeptisch zum dunklen Himmel, doch als sich das wechselhafte Wetter bis mittags wenigstens trocken zeigt, nimmt der Besucherstrom zu. Die ersten Gäste waren bereits beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen dabei, am Mittag kommen dann die Hungrigen, die sich über Wildschwein, Fisch und Kartoffeln freuen, über Gulaschsuppe, Gegrilltes und Ofenkuchen. Die Auswahl ist groß, die Unterstützung der Freunde aus der Nachbarschaft auch.

„Wir hatten uns so gewünscht, dass die Menschen über die Grenzen der Dörfer noch enger zusammenwachsen“, sagt Kerstin Lippmann, „und das hat geklappt.“ Nicht umsonst feiern die Schleiderner gemeinsam mit ihrem eigenen Jubiläum auch den Jahrestag der Teilung der Freigrafschaft Düdinghausen vor 350 Jahren. Freunde aus Welleringhausen sind gekommen und zeigen den Besuchern, wie aus Sahne Butter wird – den Erlös von Kartoffel- und Buttermilchverkauf spenden sie der Dorfgemeinschaft Nieder-Schleidern. Auch die Nachbarn aus Oberschledorn sind gekommen. Sie sind feiererprobt, schließlich waren sie vor zwei Jahren beim eigenen Jubiläum selbst Gastgeber. Mit Pferden und in Gewändern sind sie angereist und haben am Ende der Festmeile Quartier bezogen – gleich neben dem Zollhaus, das augenzwinkernd an die alten Handelswege erinnert. Diese Grenze mussten auch die Gäste aus Düdinghausen überqueren, die morgens mit altem Drechselhandwerk ins Jubiläumsdorf gekommen waren.

Am Nachmittag dann sind die Straßen voll, Regen und Sonne wechseln sich ab und die Besucher schlendern durchs Dorf. Sie machen Station an der liebevoll eingerichteten Lesestube, bestaunen den Schwarzgebrannten und Kuchen im Glas und spannende Spuren der Vergangenheit. So zeigt die Feuerwehr aus Eppe alte Fahrzeuge und Pumpen, Karin Schlichtherle stellt alte Gewänder aus und im alten Gefrierhaus können sich Besucher auf die Reise durch 350 Jahre Freigrafschaft machen. Auch die Kirchen machen mit und laden zum Zuhören, Basteln und Spielen ein. An allen Ecken und in vielen Gassen erklingt unterdessen Musik – mal von Jagdhornbläsern, dann von holländischen Urlaubern, die dem Ort ein Ständchen bringen. Die Funkengarde aus Nieder-Schleidern freut sich über das Heimspiel vor vollem Haus und die Musik der Diemelhörner klingt über die Dächer. Applaus gibt es dabei nicht nur von den großen Gästen, sondern auch von den Jüngsten.Die freuen sich vor allem über den witzigen Auftritt von „Herrn Müller und seiner Gitarre“ und lachen, tanzen und singen vor der Festbühne fröhlich mit.

Wer eine Pause vom geschäftigen Treiben auf der Festmeile braucht, folgt dem Wegweiser zum Ruheweg. Auf dem schmalen Waldweg erwarten den Besucher nicht nur Bänke, sondern auch Verse. Einen Ort zum Ausruhen bietet auch Familie Briel, die auf dem Hof und im Garten das feine Kaffeegeschirr gedeckt hat. Manch ein Gast lässt hier die Idylle und die Gastfreundschaft der Schleiderner auf sich wirken. (resa)

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