WLZ-FZ-Interview mit Klaus Lage

„Noch nie ein Erbsenzähler im Publikum“

Korbach - Mit seinem Soloprogramm „21 Lieder“ tourt der Sänger und Komponist Klaus Lage durch Deutschland.

Bei seinen Konzerten präsentiert der 64-Jährige Lieder aus seiner fast 40-jährigen Musikerkarriere, unter anderem seinen wohl bekanntesten Titel „1000 und eine Nacht (Zoom!)“, wie Klaus Lage im Interview verrät.

Wahrscheinlich werden Sie in jedem Interview auf Ihren Hit „1000 und eine Nacht“ angesprochen - wie sehr nervt das?

Er gehört zu meiner Karriere, insofern ist es gar nicht so nervig, es sei denn, ich werde darauf reduziert. Ansonsten habe ich damit keine Probleme und bin weiterhin froh, dass ich dieses Lied gemacht habe. Natürlich spiele ich den Titel bei all meinen Konzerten, allerdings in unterschiedlichen Versionen. Bei meinen Solo-Konzerten stehe ich ja alleine mit meiner Gitarre auf der Bühne, deshalb klingt „1000 und eine Nacht“ anders als auf der Platte, trotzdem singt das Publikum eifrig mit.

Wie haben Sie die Titel für Ihr Programm „21 Lieder“ ausgewählt?

Das ist die schwierigste Aufgabe von allen. Ich versuchte, die Essenz herauszufiltern, um mit diesen 21 Titeln all meine Songs zu repräsentieren. Denn 21 Stücke sind etwa zehn Prozent meines gesamten Repertoires. Selbstverständlich probiere ich immer, einige bekannte Nummern bei wirklich jedem Konzert zu spielen. In den 1990ern hatte ich eine Zeitlang „1000 und eine Nacht“ gestrichen, das funktionierte auch, aber die Leute fanden es schade - und warum soll ich es ihnen vorenthalten? Neben dem einen Drittel an Bekanntem habe ich eine gewisse Manövriermasse, aus der ich die anderen zwei Drittel bestreite. Hier achte ich darauf, welche Dramaturgie ich aufbauen will, und tauche zwar in die ältere und jüngere Vergangenheit, gehe dabei jedoch nicht chronologisch vor.

Spielen Sie an dem Abend tatsächlich genau 21 Stücke - oder dürfen sich die Zuschauer auf mehr freuen?

Ein abendfüllendes Konzert setzt sich normalerweise aus 18 bis 20 Liedern zusammen, je nachdem wie lang die Stücke sind. Ich fand die Zahl 18 irgendwie doof und 20 auch, 21 klingt hingegen richtig gut. Eine 2 und eine 1 - das ist schön! Gleichzeitig steht die 21 für die zehn Prozent meines Liederrepertoires, aber ich sage nicht: „Jetzt kommt Lied Nummer 15!“ Ich kann nicht mal sagen, wie viele Lieder ich an einem Abend wirklich spiele, es sind immer 18 plus X. Bisher war glücklicherweise noch nie ein Erbsenzähler im Publikum, der sich beschwert hat, weil ich nur 19 Titel gespielt habe. Wichtig ist, dass der Abend für alle rund ist.

Wie setzt sich Ihr heutiges Pub­likum zusammen?

Es besteht aus einer guten Mischung und ist keinesfalls ein reines Seniorenprogramm. Einige Leute sind in meinem Alter, andere zehn oder mehrere Jahre jünger. In den 1980ern kamen durch den Hit mit „1000 und eine Nacht“ jede Menge Teenies, die sind heute nicht mehr da. Aber das wäre ja auch noch schöner, da müsste gesellschaftspolitisch ja viel schieflaufen, wenn zu meinen Konzerten Teenager kommen. Viele kommen, die meine Musik nicht nostalgisch sehen, sondern mitgewachsen sind. Ich empfinde mein Publikum als eine sehr schöne Mischung.

Wie entstand 2010 die Idee, als Solist auf Tour zu gehen?

Ich bin bestrebt, dass gewisse Kreise sich schließen. Als ich Ende der 1970er-Jahre noch keine Band hatte, zog ich alleine mit meiner Gitarre durch die Berliner Clubs, auch darüber möchte ich in meinem Solo-Programm erzählen. Ich erkläre den Zuschauern, wie manche Dinge sich entwickelt haben, und berichte aus meinem Leben. 2010 hatte ich gerade eine große Tour mit meiner Gruppe hinter mir und spürte, dass ich gerne mal etwas anderes machen wollte, um nicht in Routine zu erstarren. Ich brauche die Abwechslung, weshalb ich zwischendurch mal mit meinem Pianisten tourte und als Trio oder Quartett auftrat. Es hält frisch, wenn man in unterschiedlicher Besetzung auftritt und neue Arrangements ausprobiert.

Inwiefern ist es für Sie als Solist ein anderes Bühnenerlebnis?

Ich empfinde es als einfach nur schön: Ich sitze auf der Bühne, mein Lichttechniker sorgt für eine wundervolle Stimmung, die etwas intimer ist, und die Leute sitzen ebenfalls. Einige haben verständlicherweise nicht mehr die Lust, zweieinhalb Stunden in der Menge zu stehen. Dadurch kommt eine intime Atmosphäre auf, sogar wenn mehr als 800 Leute im Saal sind. Entscheidend ist, was man von der Bühne herunterschickt, und diesbezüglich gebe ich mir alle Mühe.

Was mögen Sie nach all den Jahren weiterhin daran, auf Tournee zu gehen?

Ich reise gerne herum und finde das richtig gut. Gerade erwischen Sie mich in einem Hotelzimmer, vor dem Fenster sehe ich eine schöne Parkanlage, überall ist Raureif, nach diesem Interview gehe ich erst spazieren und dann zum Sound-Check. Solange meine Stimme und die Gesundheit es mitmachen, kann mir nichts Besseres passieren. Niemand prügelt mich zu den Auftritten - ich kann mir wenig Besseres vorstellen als das. Es ist toll, dass ich in diesem hohen Alter auf die Bühne gehen kann, die Leute mein Programm mögen und mich mit Beifall belohnen. Natürlich bekomme ich auch Geld dafür, aber das ist nicht entscheidend. Die Tournee bereitet viel Spaß, belebt mich und tut gut.

Hintergrund: Das Konzert mit Klaus Lage beginnt am kommenden Freitag, 6. Februar, um 20 Uhr. Es wurde aufgrund der großen Nachfrage vom Bürgerhaus in die Stadthalle verlegt. Eintrittskarten gibt es im Bürgerbüro im Rathaus, der Buchhandlung Schreiber sowie in den Geschäftsstellen der Waldeckischen Landeszeitung. Online können Karten unter www.korbach.de, www.kulturforum-korbach.de und www.adticket.de sowie telefonisch (0180/6050400) bestellt werden. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 26,30 Euro, an der Abendkasse 28 Euro.

Von Anne Kirchberg

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