Deutsche Haus- und Grundinvest aus Lippstadt ist einziger Bieter

Noch kein Zuschlag für Belgische Kaserne

Korbach - Ein Unternehmen aus Lippstadt hat bei der Zwangsversteigerung am Freitag 74  900 Euro für die Belgische Kaserne geboten. Ob es den Zuschlag bekommt, entscheidet sich aber erst in einer Woche.

Die Plätze im großen Verhandlungssaal des Korbacher Amtsgerichts sind fast alle besetzt. Viele Mieter der ehemaligen Kasernengebäude sind dabei; sie wollen wissen, wie es mit dem Gelände weitergeht. Rechtspflegerin Iris Degenhardt-Meister erläutert das Verfahren und gibt einige Informationen zum Grundstück und den Gebäuden. Die eigentliche Versteigerung beginnt um 11.37 Uhr. Eine halbe Stunde haben die Bieter Zeit, um ihr Gebot abzugeben. Doch erst einmal tut sich minutenlang nichts. Dann gibt Detlef Gründer, Geschäftsführer der Deutschen Haus- und Grundinvest in Lippstadt, sein Gebot ab: 74 900 Euro. Gründer bleibt ohne Konkurrenz, keiner will mitbieten. Nach 30 Minuten ruft die Rechtspflegerin dreimal das letzte Gebot auf, um 12.09 Uhr endet die Bietzeit. Doch Degenhardt-Meister verkündet den Zuschlag noch nicht, das Verfahren wird auf Freitag in einer Woche vertagt. Das gibt der Kreissparkasse Verden (Niedersachsen) als Gläubiger Zeit, um mit Gründer zu verhandeln. Möglicherweise bessert der Geschäftsführer sein Gebot noch nach. Denn Gutachter haben den Verkehrswert des 67 000-Quadratmeter-Grundstücks auf 150 000 Euro festgesetzt. Mindestens die Hälfte davon (plus den Wert der bestehend bleibenden Rechte) muss das Gebot betragen, damit das Gericht den Zuschlag erteilen darf. Genau diese Summe hat Gründer geboten. Weil sein Gebot aber immer noch weniger als 70 Prozent des Verkehrswertes beträgt, hat die Kreissparkasse Verden das Recht, einen Antrag auf Zuschlagsversagung zu stellen, dem das Amtsgericht dann stattgeben muss. Die Zwangsversteigerung würde in die zweite Runde gehen. Derzeitiger Eigentümer des ehemaligen Kasernengeländes am Ortsausgang in Richtung Flechtdorf ist die Firma AWD mit Sitz in Korbach. Die in den Jahren 1965 bis 1967 gebauten Gebäude sind stark sanierungsbedürftig, die Lage im Wasserschutzgebiet schränkt allerdings eine mögliche Nutzung stark ein. Viele Jahre war dort die Beschäftigungsgesellschaft des Landkreises (BWF) untergebracht. Seit 2013 ist die Oberschledorner Spedition TST Transport & Logistik Generalpächter des Geländes, die einen großen Teil untervermietet hat – unter anderem an eine Fahrschule und die „Hundefreunde Korbach“. Doch die Spedition ist insolvent, der Insolvenzverwalter hat die Mietverträge zum 30. September gekündigt.Was Detlef Gründer mit dem Grundstück vorhat – sollte er den Zuschlag bekommen –, lässt er selbst weitgehend im Unklaren. Gegenüber der WLZ-FZ deutet der Geschäftsführer lediglich an, sich etwas Ähnliches wie im sogenannten „Lippischen Bruch“ vorstellen zu können: Auf dem ehemaligen Kasernengelände am Rande Lippstadts entsteht derzeit ein neues Wohngebiet. Von Lutz Benseler

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