Sicherheitsmann nach Angriff zu Jugendarrest verurteilt

„Nötige Beherrschung fehlt“

Korbach/Willingen - Vor einem Jahr hat ein nun 19-jähriger Sicherheitsmann in einem Willinger Lokal einen Gast schwer verletzt. Weil er überfordert und für seine Arbeit nicht reif gewesen sei, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Drei Wochen Jugendarrest, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining: So lautet das Urteil gegen einen mittlerweile 19-jährigen Security-Mitarbeiter aus dem Kreis Höxter, der einem 23-Jährigen aus Burgholzhausen durch einen Kniestoß einen Harnblasenriss zufügte. Der Angriff geschah am 26. Oktober vergangenen Jahres in einem Willinger Lokal.

Freunde des Opfers sagten aus, in eine „nicht besonders ernsthafte Rangelei“ geraten zu sein. Als die beiden Sicherheitsleute des Lokals eintrafen, hätten sie diese nicht als solche erkannt, durch ein Missverständnis sei es zu einer weiteren Auseinandersetzung gekommen: Eine als Versöhnungsgeste und Einladung zu einem Bier gedachte Umarmung hätten die Sicherheitsleute als Angriff interpretiert. Beim anschließenden Streit stürzte das spätere Opfer wahrscheinlich. Der Sicherheitsmann führte den 23-Jährigen getrennt von seinen Freunden nach draußen.

Mögliche Provokation für Kniestoß unbekannt

Nachdem die Situation beruhigt und einige Minuten vergangen waren, kehrte der Verurteilte zum Opfer zurück und stieß ihm mit dem Knie in den Unterleib. Ob dem ein Streitgespräch vorausging, blieb unklar: Während der Sicherheitsmann alle Vorwürfe bestritt, konnte sich der 23-Jährige wegen starken Alkoholkonsums nicht an Einzelheiten ihres Gesprächs erinnern. Er sei aufgebracht gewesen und habe seine Freunde gesucht, aber nicht versucht, sich wieder Einlass zu verschaffen.

Eine 49-jährige Zeugin aus Coesfeld sah den Kniestoß. Dass der Burgholzhäuser sich die Verletzung anderswo zuzog, schloss das Gericht auch aus anderen Gründen aus: Als der Sicherheitsmann ihn mit Kniestößen in den hinteren Beckenbereich „hinaus bugsierte“, klagte er noch nicht über Schmerzen. Auch könnten diese leichten Tritte nicht die Ursache des Blasenrisses sein, erklärte der Arzt, der den jungen Mann behandelt hatte. „Ein frontaler Knietritt wäre wohl das effektivste“, erklärte der Sachverständige.

Der 23-Jährige wurde im Briloner Krankenhaus einer Not-Operation unterzogen, da ein Harnblasenriss mit austretenden Blut und Urin im schlimmsten Fall zum Verbluten führen kann. Dem Opfer bleibt eine Narbe vom Solarplexus bis zum Schambein.

„Die einzigen Nüchternen haben Verantwortung“

Das Urteil gegen den bei der Tat 18-Jährigen fiel nach dem Jugendstrafrecht: Er habe aus „jugendlicher Selbstüberschätzung“ gehandelt und mit dem Stress seiner Arbeit nicht umgehen können. Der noch immer bei einer Security-Firma tätige junge Mann sei für seinen Job nicht geeignet gewesen: „Sie zeigten nicht die Beherrschung von jemandem, der sich anmaßt, im Sicherheitsdienst tätig zu sein“, mahnte Richter Henrik Ludwig. Als Nüchterne unter Betrunkenen hätten Menschen in diesem Beruf eine besondere Verantwortung. Besondere Schwere der Schuld sah er aber nicht: Die Folgen seiner Tat habe der 19-Jährige nicht beabsichtigt.

Während der Jugendarrest nötige Zeit zum Nachdenken gebe und die gemeinnützige Arbeit den Schaden wiedergutmachen soll, betonte Ludwig das Anti-Aggressionstraining als besonders wichtig: Dort könne der junge Mann „etwas fürs Leben lernen“ und Einfühlungsvermögen entwickeln - angesichts seines Berufswunsches „Bundeswehrsoldat“ habe er dies nötig. Zeugen hatten ihm vorgeworfen, grinsend neben dem am Boden liegenden Opfer gestanden zu haben. Auch die Staatsanwältin warf ihm mangelndes Mitgefühl vor, nachdem er sich weder von der Narbe noch von der Schilderung der Not-OP beeindruckt zeigte.

Von Wilhelm Figge

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