Korbach

Nolens volens in die Profi-Liga?

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- Korbach (jk). „Wir leben eigentlich noch auf einer Insel der Glücklichen“, sagt Werner Bitzer, Geschäftsführer des TSV Korbach. Doch selbst Nordhessens zweitgrößter Sportverein muss sich für die Zukunft stärker mit professionellen Strukturen befassen.

Vereine sind ein Spiegelbild der deutschen Seele. Nirgendwo auf der Welt ist das Vereinsleben so ausgeprägt – und vor allem in ländlichen Regionen wie Waldeck-Frankenberg bräche ohne Vereine und Ehrenamt wohl die Welt zusammen. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Denken wir nur an Feuerwehren, kulturelles Leben, soziale Hilfe – und den Sport.

In Vereinen gedeiht Leistung, die quasi zum Aldi-Spartarif eine milliardenschwere Kraft entfaltet – würden wir den Taschenrechner zücken und den volkswirtschaftlichen Nutzen errechnen. Neben Fitness vermittelt Sport scheinbar nebenbei noch wichtige gesellschaftliche Grundwerte: Teamfähigkeit, Disziplin, Verlässlichkeit, Freude über Erfolg, aber auch Lernen aus Niederlagen. Und selbst mancher Personalchef in Unternehmen guckt gerne mal in den Lebenslauf, ob der neue Bewerber auch ein guter Teamspieler ist.

Trotzdem verzeichnen Vereine vielfach Mitgliederschwund. Das liegt nicht nur am vielzitierten demographischen Wandel mit Bevölkerungsrückgang. Gerade die Generation der 35- bis 50-Jährigen koppelt sich häufiger aus dem Vereinsleben aus – obwohl sie ehedem selbst mit dem Verein großgeworden sind. „Viele Eltern sagen, sie hätten keine Zeit mehr, die Kinder zum Training zu bringen“, resümiert Werner Bitzer, Geschäftsführer des TSV 1850/09 Korbach.

Offensichtlich wächst auch die Scheu, sich in Vereinen ohne klingende Münze zum Wohle vieler zu engagieren. Zu spüren bekommt dies selbst ein traditionsreicher Großverein wie der TSV Korbach. 2925 Mitglieder, 16 Abteilungen, rund 150 Übungsleiter listet Bitzer auf. Jugendfußballer, Leichtathleten, Badminton-Spieler oder Tanzgruppen: Sie alle zeugen von erfolgreicher Arbeit – ob in der Breite oder mit ihren . So bietet der TSV Korbach ein enormes Spektrum, das für jeden Sportbegeisterten attraktiv ist. Riesenlob zollt Bitzer dabei den engagierten Übungsleitern. Doch hat der TSV allein im letzten Jahr rund 100 Mitglieder verloren. Und just beim begehrten Tanzen und Kinderturnen „haben wir Wartelisten, weil uns Betreuer und Übungsleiter fehlen“, bilanziert der TSV-Geschäftsführer.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 14. Mai.

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