Bürgerinitiative für den Erhalt des Naturparks Diemelsee macht gegen weitere Windräder mobil

„Nordteil des Kreises zu stark belastet“

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Windräder im Licht der untergehenden Sonne bei Vasbeck. Gegen weitere Anlagen macht die Bürgerinitiative für den Erhalt des Naturparks Diemelsee mobil. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Diemelsee - Die Bürgerinitiative fordert einen „Überlastungsschutz“ für Mensch und Natur und lehnt zusätzliche Windvorrangflächen ab.

Gegen die im neuen Regionalplan für Nordhessen vorgesehene 287 Hektar große Windvorrangfläche am „Hohen Rade“ zwischen Flechtdorf, Benkhausen, Rhena und Lelbach und eine „übermäßige“ Belastung der Gemeinde mit Windrädern spricht sich die Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt des Naturparks Diemelsee aus.

Gegen Parlamentswillen

Der vorige Woche gefasste Beschluss der Regionalversammlung zum „Teilregionalplan Energie“ stehe im Gegensatz zum erklärten Willen der Gemeinde, argumentiert die Initiative. Die Gemeindevertreter hätten sich mit Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Windvorrangflächen im Naturpark ausgesprochen - auch wegen der bereits bestehenden Belastungen: In der Gemeinde stünden bereits 71 Windräder, das seien etwa zehn Prozent aller Anlagen in Hessen, 23 Prozent aller Anlagen im Regierungsbezirk und mehr als 50 Prozent aller Anlagen im Kreis.

Rund 1500 Bürger hätten sich bei einer Unterschriftenaktion gegen weitere Windkraftanlagen im Naturpark ausgesprochen. Der Vorschlag der Regionalplanung sei zudem „ein schwerer Schlag für die Ferienregion“.

Und die Bezirksregierung im westfälischen Arnsberg plane mehrere Hundert neue Windräder an der Grenze zu Hessen, teilweise gegen den Willen der betroffenen Kommunen - über die Proteste in Marsberg berichtete die WLZ am Montag.

Vasbeck drohe eine „vollständige, unzumutbare Umzingelung“ mit Windrädern, die Regelungen für Hessen sollten wohl nicht angewendet werden. „Wir fordern Überlastungsschutz für die Menschen, die hier leben, unsere heimischen Tiere und unsere schützenswerte Landschaft“, sagt BI-Sprecher Heinrich Hain aus Rhenegge. „Wir brauchen jetzt Unterstützung durch die politisch Verantwortlichen auf Kreis- und Landesebene.“ Die Kommune habe die Problematik längst erkannt.

Die Regionalplanung kalkuliert mit ein, dass das Wetterradar bei Flechtdorf verlegt werden könnte - ein entsprechender Bauantrag sei im Schwalm-Eder-Kreis bereits gestellt worden, sagt die BI. Dadurch würden zahlreiche Höhenbegrenzungen im Umfeld entfallen, neue Flächen wie am „Hohen Rade“ könnten neu in den Plan aufgenommen werden. Auf Diemelseer Seite wären Flechtdorf, Benkhausen und Schweinsbühl betroffen, auf Korbacher Seite Rhena und Lelbach. Und das Korbacher Gebiet „Welches Lied“ solle um 85 Hektar in Richtung Norden vergrößert werden. Außerdem halte die Regionalplanung entgegen den klaren Beschlüssen der Gemeindevertreter an den Gebieten östlich Adorfs und bei Büninghausen fest, wenn auch in veränderter Form. Und ein neues Gebiet werde zwischen Frederinghausen und Gembeck ausgewiesen - die auch in der WLZ abgedruckte Karte mit der Ausweisung der Flächen hat die BI auf ihre Internetseite www.diemelsee.jimdo.com gestellt.

Der am 17. November beschlossene Teilplan wird wie berichtet im nächsten Frühjahr erneut öffentlich ausgelegt. Bürger, Kommunen und Träger öffentlicher Belange können neue Stellungnahmen vorlegen.

Wenn die Regionalplanung die Windvorrangflächen gegen den Willen des Gemeindeparlaments ausweise und Diemelsee die meisten Windräder in Hessen zu ertragen habe, greife dies „in unverhältnismäßiger Weise in die Planungshoheit der Gemeinde ein und verletzt damit deren Selbstverwaltungsrecht“, urteilt BI-Sprecher Hain. Die kommunale Planungshoheit sei Teil der Selbstverwaltungsgarantie der Verfassung und solle orts- und bürgernahe Entscheidungen sicherstellen.

Mehr als 100 Windräder

Doch die Belastung für die gesamte Region scheine bei der Regionalplanung „kein Kriterium“ zu sein: Um die Gemeinde Diemelsee herum seien in Bad Arolsen, Diemelstadt, Marsberg und Brilon mehr als hundert Anlagen entstanden oder in Planung. Es zeichne sich ab, dass der gesamte Nordteil des Kreises unverhältnismäßig stark belastet werden solle - mit mehr als sechs Prozent der Fläche.

„So schafft man die nötige Akzeptanz für die Energiewende sicher nicht“, findet Hain.(r)

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