Korbacher versteigern mit Erfolg

Nur wenige Stücke werden in Waldeck-Frankenberger Fundbüros abgeholt

Verwahren verlorene Dinge: Jutta Dietrich und Carsten Vahland mit Stücken aus dem Korbacher Fundbüro.
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Verwahren verlorene Dinge: Jutta Dietrich und Carsten Vahland mit Stücken aus dem Korbacher Fundbüro.

Korbach. Ein Zeichen für schnelllebige Zeiten? Im Korbacher Fundbüro wird nicht mal jedes dritte Stück abgeholt. Doch selbst das verlorene Gebiss kommt noch unter.

Ein Brett voller Schlüssel. Mit Taschen, Brillen und Jacken gefüllte Schubladen. Und eine Sammlung von Fahrrädern im Keller: Viele Dutzend Fundsachen warten im Korbacher Rathaus auf ihre Eigentümer. Und wahrscheinlich werden diese sie nie abholen: Für maximal 30 Prozent der Fundsachen melde sich jemand, erklärt Ralf Buchloh von der Stadt Korbach. Die Lage ist damit wie überall in Hessen: Nur jedes dritte Fundstück wird laut eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur abgeholt.

„Daran ist die Schnelllebigkeit der Gesellschaft zu sehen“, sagt Carsten Vahland, Leiter des Korbacher Ordnungsamts: „Wer was verliert, kauft einfach was neues.“ Im Schnitt 130 Fundsachen gibt es jährlich in der Hansestadt. Dazu kommen rund 70 Schlüssel. Während des Hessentages fielen gut 100 zusätzliche Stücke an. Schmuck, Schirme und Handys gehören zum Standard, auch Bargeld wird abgegeben.

Das Gebiss im Fundbüro

Die kurioseren Fundsachen in Korbach waren ein Sparstrumpf voller Geld, Reisekoffer und sogar dritte Zähne. Auch Diebesgut, das keinem Eigentümer zugeordnet werden kann, landet im Fundbüro – einmal etwa ein Satz Alu-Felgen, berichtet Buchloh.

Mindestens sechs Monate werden sie laut Gesetz aufbewahrt. „Bei Portemonnaies schreiben wir die Leute an“, erklärt Jutta Dietrich, Leiterin des Bürgerbüros, dem das Fundbüro angegliedert ist. Wenn jemand ein Handy abholen möchte, muss er es gut beschreiben, aufladen und die PIN eingegeben. Und Schlüssel gibt es nur, wenn ein Gegenstück präsentiert werden kann, fügt Carsten Vahland hinzu.

Wenn es aber nicht um persönliche Daten oder die Sicherheit geht, kommen Fundbürobesucher einfacher an ihre Stücke heran – bei sieben Euro Verwaltungsgebühr einen Schirm abzuholen, der einem nicht gehört, „wird man sich gut überlegen“, sagt Vahland. Manches kriegen auch die Finder zurück. Letztlich bleiben vieler der Gegenständen übrig – doch die Korbacher machen das beste draus.

Fundsachenauktion lockt Zuschauer

Einmal im Jahr laden sie nämlich beim Altstadtkulturfest zur Fundsachenversteigerung für einen guten Zweck ein. Traditionell arbeiten sie dabei mit dem Korbacher Amtsgericht zusammen: Dieses stellt einen Auktionator, der unterhaltsam durch die Versteigerung führt.

Zieht Publikum: Die Korbacher Fundsachenauktion, hier mit Henrik Ludwig beim Hessentag, unterhält selbst Gäste ohne Kaufabsicht.

„Das finden dann Zuschauer interessant, die gar nichts kaufen wollen“, sagt Jutta Dietrich. Und bei den anderen macht der „Wettkampf“ um das Fundstück den Reiz aus, mitzubieten – selbst wenn der Preis am Ende gar nicht viel niedriger liege als im Laden.

„Wenig bis nichts“ müsse danach weggeschmissen werden, erklärt Carsten Vahland. Der Trick der Hansestädter: „Die Ladenhüter versteigern wir zusammen mit interessanten Gegenständen. Da muss man zum tollen Werkzeug etwa die Basecap mit ersteigern – oder im Zweifel auch das Gebiss.“

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