Willingen

„Offen für neue Ideen, aber Realisten“

+

- Willingen (nv). Olympische Winterspiele im Sauerland: Wie viele Wintersportfreunde diesen Traum träumen, zeigt die Initiative „Olympia 2022 in Willingen“ auf der Internetseite des sozialen Netzwerks „Facebook“. Knapp 800 Personen unterstützten bis Montagnachmittag die Idee.

Freilich, nach der Niederlage Münchens im Rennen um die Winterspiele 2018 gegen das südkoreanische Pyeongchang könnte eine deutsche Kandidatur 2022 Erfolg haben – zumal die letzten olympischen Wettbewerbe auf deutschem Boden im Sommer 1974 in München ausgetragen wurden. Wintersportler rangen gar 1936 in Garmisch-Patenkirchen das erste und letzte Mal um olympisches Edelmetall.

Die Internet-Initiative von Dennis Majewski (Bromskirchen) und Michael Langendörfer (Frankenberg / Berlin) ist somit keine dumme Idee. Dass sie jedoch nicht allzu ernst zu nehmen ist, darauf deuten bereits die Informationen hin, die beide unter http://www.facebook.com/willingen2022 selbst streuen: Ob der Willinger Ortsteil Schwalefeld als Austragungsort für die alpinen Skirennen, die geplanten Snowboard-Wettbewerbe in Bromskirchen oder der Bau der „Upland Olympic Ice Arena“ für die Eisschnelllauf-Disziplinen – die beiden Waldeck-Frankenberger werben mit einem Augenzwinkern für ihre Heimat. Das schnell kreierte Logo spricht ebenfalls für sich: das Münchner „M“ wurde als „W“ für Willingen einfach auf den Kopf gestellt.

Egal wie ernst den Autoren die Initiative ist, ihnen ist zugute zu halten, dass sie den Facebook-Nutzern zugleich die Vorzüge der Region vor Augen führen: „Immerhin liegt Willingen ebenso wie Pyeongchang etwa 700 Meter über dem Meeresspiegel und bietet zusammen mit dem benachbarten Winterberg bereits eine große Wintersport-Infrastruktur“, heißt es im Internet. Das Interesse an der Tourismusregion ist geweckt.

Inzwischen lädt der Willinger Detlef Rummel auf einer weiteren Internetseite für den 4. Februar 2022 zur Eröffnungsfeier an die Mühlenkopfschanze ein. Zusammen mit Langendörfer hat er ein Plakat erstellt. Auch er hat bereits mehr als 200 Zusagen eingeholt. Darüber hinaus hat das große Interesse an „Olympia 2022 in Willingen“ während des „Sommerlochs“ in den Medien für ein erstaunliches Echo gesorgt: Eine Meldung des Sport-Informations-Dienstes veröffentlichten beispielsweise die Online-Ausgaben der Zeit und des Handelsblatts. Eine weitere Meldung der Deutschen Presse-Agentur übernahm Bild.de am Montag.

„Wir sind dafür bekannt, für alle neuen Ideen offen zu sein, aber wir sind auch Realisten“, betont Willingens Bürgermeister Thomas Trachte auf WLZ-FZ-Anfrage. „Eine Olympia-Bewerbung ist vollkommen unrealistisch, denn die Voraussetzungen sind überhaupt nicht gegeben“, verweist er auf die fehlende Infrastruktur, zum Beispiel in den Bereichen Verkehr und alpine Wettbewerbe. Die Werbung für die Region freut den Rathauschef, „aber ich bin auch erstaunt, wie die moderne Technik dazu beitragen kann, unrealistische Dinge ins Gespräche zu bringen“.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Dienstag, 12. Juli

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare