Musikalische Danksagung für „klingende Brücke über Generationen hinweg“ · Förderverein vor Auflösung

Orgeldankfest in der Kilianskirche

Korbach. - Das schier Unmögliche wurde möglich - und dafür sagten am Sonntag in der Kilianskirche viele Menschen Danke.

"Vereinsziel erreicht", konstatierte Klaus Fingerhut als Vorsitzender des Orgelfördervereins bei seinem wohl letzten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion, denn mit der erfreulichen Nachricht gibt es keine weitere Existenzberechtigung mehr für den Verein, der sich am Mittwoch (14.3.) satzungsgemäß auflösen soll.

Bei Gründung erschien das Volumen von einer halben Million für die neue Orgel schon als unwahrscheinlich hohe Hürde, doch letztendlich wurden sogar die letztendlich benötigten 830000 Euro in kürzerer Zeit als veranschlagt gesammelt. Ein Grund mehr sich ebenfalls dankbar an Günther Hofeditz (†)zu erinnern, den Fingerhut als den "Wegbereiter der neuen Kiliansorgel" bezeichnete.

Auch jeder der anderen Festredner fand seine Gelegenheit sich an einen Mann zu erinnern, der unermüdlich neue Ressourcen erschloss und immer wieder Künstler von Weltgeltung für Benefizkonzerte gewinnen konnte. Beim dritten Auftritt der Wiener Sängerknaben konnte Hofeditz noch selbst verkünden, dass mit dem dritten Benefizkonzert das erforderliche Spendenaufkommen erreicht sei.

Alle machen mit

An dieses Ereignis erinnerte Dekanin Eva Brinke-Kriebel am Ende des Gangs durch die Vorgeschichte, den sie mit Pfarrer Markus Heßler gestaltete. Am Anfang stand die Erkenntnis aus einem Gutachten von 2001, dass sich die Sanierung der Euler-Orgel von 1957 nicht mehr lohne.

Ein Jahr später stand fest, dass alle Christen in Kurhessen-Waldeck die Gesamtkosten mittragen würden - unter der Auflage, dass die Hälfte des Geldes die Korbacher selbst aufbringen müssten., 2003 lag auch die Zustimmung der Gesamtkirchengemeinde Korbach vor. In seiner Ansprache scherzte Stadtkirchenverbands-Chef Werner Nagel darüber, dass er sich jetzt zehn Jahre mit der Orgel beschäftigt hätte, ohne ihr je einen Ton entlockt zu haben und forderte Klaus Friedrich dazu auf, wenigstens mal eine Taste zu drücken.

Angesichts des neuen Instruments und der Anstrengungen, die zu seiner Errichtung erforderlich waren, dachte der Korbacher Bürgermeister aber in anderen Dimensionen: Die Orgel sei das Instrument mit dem längsten Atem, beim Spenden war auch ein langer Atem nötig. "Wo die Sprache aufhört, beginnt die Musik", führte das Stadtoberhaupt den musikalischen Gedanken fort und bezeichnete die Orgel als eine Brücke über die Generationen hinweg.

Im Januar 2004 wies der im Vorjahr gegründete Orgelförderverein die ersten 10000 Euro auf. Mit Fachwissen, Begeisterung und ihrer Reihe Concertino trugen Stadtkantor Eberhard Jung, Thomas Schwill und Georg Lungwitz ebenso zum Anwachsen der Spendensumme bei wie das Café Orgelpfeife, in dem man es sich gut gehen lassen konnte, um Gutes zu tun.

Dank der CD mit einem wohlklingenden "Who is Who der Korbacher Musikszene" waren im März 2005 bereits 40000 Euro zusammengekommen. Gelegenheit für die Dekanin, den Auftritt der Chorgmeinschaft "Harmonie" anzukündigen, die sich an der Benefiz-CD beteiligt hatte. Mit der Taizée-Hymne "laudate dominum" und einem inbrünstigen Kyrie aus der orthodoxen Liturgie hatte der Chor einen eindrucksvollen Auftritt neben dem eindrucksvollen Instrument.

Abschied von alter Orgel

Die Entscheidung für die Kuhn-Orgel fiel nach dem Altstadtkulturfest 2005. Dank vieler Kollekten für die Orgel klingelten nach drei Jahren 100000 Euro in der Orgelsparbüchse. Georg Lungwitz erinnerte an diese Phase mit einem ruhigen Stück von Giacomo Puccini, ehe er Thomas Schwill bei dessen voll tönender Interpretation des "Salve Regina" vom selben Komponisten begleitete.

Mit Benefizkonzerten von Startrompeter Ludwig Güttler und weiteren kreativen Aktionen wurde im März 2009 die 200000-Euro-Marke übersprungen.

Im September stand der Abschied von der alten Euler-Orgel auf dem Programm, die nach Italien verkauft wurde. "Knapp daneben" stimmte zum Abschluss dieses Kapitels der Vorgeschichte die von Heilsgewissheit getragene Hymne "I‘ve got a feeling an" und gab mit "Zauber der Musik" der Dekanin gewissermaßen das Stichwort zum nächsten Abschnitt. "Dem Lied als einem Gebet, das durch die Seele geht", hieß es im Text der Sänger. Brinke-Kriebel dankte für viele Gebete, ohne die das Unterfangen nicht zu schaffen gewesen wäre.

Überwältigende Klangpracht

Der Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde spielte ebenfalls die passende Musik zum entsprechenden Abschnitt der Vorgeschichte und kommentierte den Einsatz der Archäologen während der Umbauarbeiten mit Klängen aus Renaissance und Barock.

Mit Zoltan Kodalys "Drei Epigramme für Orgel" erreichte die musikalische Reise die Moderne und Georg Lungwitz entlockte der dem Instrument gleichermaßen sanft getupfte Klänge wie harsche Durchgangsdissonanzen. Die überwältigende Klangpracht in mitreißendem Schwung hatte sich Eberhard Jung für den Kehraus aufgespart: Mit Andreas Wilschers zuversichtlicher Toccata und ihren gewaltigen Klangwellen ging die Veranstaltung zu Ende. Ein neuer Abschnitt beginnt, so die positive musikalische Botschaft.

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