Pächter des Woolworth-Gebäudes in Korbach haben offenbar den Geldhahn abgedreht

Monopoly-Spiele auf der Einkaufsmeile

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Woolworth-Gebäude in Korbach: Geflecht internationaler Finanzinvestoren und Immobilienvermarkter. (Foto: Jörg Kleine)

Korbach. Gähnende Leere in 1A-Lage: Das Tauziehen um die frühere Woolworth-Immobilie im Zentrum der Hansestadt wächst sich hinter den Kulissen zu einem Wirtschaftskrimi aus.

Für die Korbacher Eigentümer von Gebäudeteilen, Grund und Boden fließt seit Oktober keine Miete mehr, weil internationale Finanzinvestoren just in der Korbacher Fußgängerzone offenbar die Machtprobe üben. Das mächtige Bauwerk wird zum Fall für die Gerichte. Die Vorgeschichte: Woolworth kam vor vor über 40 Jahren nach Korbach und baute den Standort in der Bahnhofstraße zu einem Vorzeigekaufhaus der früheren US-amerikanischen Kette in Deutschland aus.

Nach finanziellen Schwierigkeiten übertrug Woolworth 2007 seinen Gebäudebestand an die internationale Cerberus-Gruppe. Woolworth blieb am Standort erhalten, wurde aber zum Mieter. Verschachtelt wie der Korbacher Gebäudekomplex aus Geschäften, Arztpraxen, Wohnungen, Disco und Restaurant sind die Eigentums- und Mietverhältnisse: Der ursprüngliche Woolworth-Gebäudetrakt rechts samt Keller-Restaurant wurde von Korbacher Geschäftsleuten gebaut. Das „Dauernutzungsrecht“ besitzt die Cerberus-Gruppe – genauer gesagt eine Tochterfirma nach niederländischem Handelsrecht (BV). Erbbaurecht und Mieten Der später errichtete linke Bau mit dem früheren Textilladen „Greko“ gehört der Cerberus-Gruppe, der Grund und Boden aber weiterhin Korbacher Eigentümern. Für die Nutzung steht ihnen ein Erbbauzins zu.

Die unterschiedlichen Nutzungsverträge wurden damals auf 50 Jahre bis 2022 geschlossen. Seit Jahren aber stehen Disco, Restaurant, Praxen, Wohnungen im Gebäudekomplex leer, seit 2011 auch der frühere Greko-Laden. Woolworth blieb derweil als Mieter erhalten. Das Warenhaus zahlt seine Miete jedoch nicht an die Korbacher Eigentümer, sondern an die nutzungsberechtigte Gesellschaft – also die Tochterfirma der Cerberus-Gruppe. Bislang firmierte die Geselschaft unter „Promontoria XXVII B.V.“ und umfasste neben Gebäuden in Korbach weitere Standorte in Deutschland. Die Vermarktung der ehemaligen Woolworth-Immobilien übertrug die Cerberus-Gruppe wiederum an die Berliner „Acrest Property Group“. Acrest signalisierte, Millionensummen in Korbach investieren zu wollen, um zugkräftige Mieter zu holen. Von H&M oder New Yorker war in den vergangenen Jahren etwa die Rede. Doch den Berlinern waren die monatlichen Kosten für Erbbauzins und Dauernutzung zu hoch. Die Verhandlungen zwischen Immobilienvermarktern und Korbacher Eigentümern steckten fest. Anfang 2014 signalisierte eine Acrest-Managerin leichte Entspannung. Zumindest der frühere Greko-Laden sollte wieder vermietet werden. Doch seit Oktober 2015 fließt offenbar kein Geld mehr an die Korbacher Grundbesitzer – obwohl Woolworth weiterhin Miete zahlt. Verschleppte Insolvenz? Die nutzungsberechtigte Firma wurde zwischenzeitlich in „Korbach Bahnhofstraße B.V.“ umgetauft, alle anderen Immobilien wurden herausgelöst. „Zahlungsunfähig und insolvent“, so bewertet der Korbacher Rechtsanwalt Peter Trautmann die Situation: Die Firma stelle aus seiner Sicht „in strafbarer Weise keinen Insolvenzantrag“. Im Auftrag eines der Korbacher Eigentümer hat Trautmann beim Landgericht nunmehr Klage auf Zahlung erhoben. Die juristische Auseinandersetzung birgt Zündstoff. Nachspiel: Wenn zwei Jahre lang kein Erbbauzins fließt, dann fällt die Immobilie an die Eigentümer zurück. Die aufgelaufenen Zahlungsverpflichtungen blieben aber erhalten, erklärt Trautmann. Die Acrest-Gruppe aus Berlin wollte sich auf Anfrage nicht äußern. (Jörg Kleine)

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