SPD kritisiert Bauamtsleiter für Alleingänge bei Hallenanbau in Lengefeld

„Am Parlament vorbei gebaut“

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Versetzte Baukörper, asymmetrisches Blechdach, hochwertige Fassadenverkleidung: Der Anbau an die Mehrzweckhalle Lengefeld muss sich wahrlich nicht verstecken – und setzt einen Kontrapunkt zur Halle. Für die SPD-Fraktion ist das zu viel des Guten.Foto: Kleine

Korbach - Wird der Kostenrahmen für den Anbau an der Lengefelder Mehrzweckhalle eingehalten? Wie aus einer scheinbar harmlosen Anfrage eine einstündige Grundsatzdebatte entsteht, konnten Beobachter während der Sitzung des städtischen Ausschusses für Bauen und Umwelt verfolgen.

FDP-Fraktionschef Arno Wiegand eröffnete den Schlagabtausch, sein SPD-Amtskollege Henrik Ludwig legte kräftig und spitzfindig nach: Angesichts der Ausstattung hätten böse Zungen schon von „Limburg 2“ gesprochen und Parallelen zum Prass-Bischof Tebartz-van Elst gezogen. Mosaikfliesen in den Duschen, Schattenfugen in den Decken der Toiletten, Waschbecken eines eher höherpreisigen Herstellers und ein „handgedengeltes“ Blechdach sind nach Ludwigs Ansicht Indizien dafür, dass der Kostenrahmen auf keinen Fall eingehalten wird.

Planung ohne Parlament

Es stelle sich vielmehr die Frage, ob mit dieser Bauausführung nicht bewusst Mehrausgaben produziert worden seien. Ursprünglich rechnete die Verwaltung mit 280000 Euro (inklusive Eigenleistung der Lengefelder von etwa 50000 Euro) für die Umgestaltung von rund 110 Quadratmetern Nutzfläche. Inzwischen seien Restmittel von über 100000 Euro, die beim Umbau des Kindergartens Laake übrig geblieben waren, ebenfalls dafür verwendet worden, warf Ludwig dem Bauamtsleiter Stefan Bublak vor, „ohne dass wir je eine Ausführungsplanung zu Gesicht bekommen hätten“ am Parlament vorbei gebaut zu haben. Seine Fraktion erwäge, die Einsetzung eines Akteneinsichtsausschusses zu beantragen,­ um die Frage zu klären: „Wer hat wann was angeordnet?“

Zur Klärung wollte am Dienstag zunächst auch der heftig kritisierte Bauamtsleiter beitragen. Bublak rechtfertigte die Mehrkosten mit gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzauflagen. Diese hätten sich erst im Laufe des Baufortschritts ergeben. Etwa als sich herausstellte, dass keine Fluchtwege vorhanden sind, und deshalb das Treppenhaus komplett umgebaut werden musste.

Teurer Brandschutz

„Die Aufforderung des Landkreises, den Brandschutz zu verbessern, bedarf einer schnellen Reaktion. Das ist keine Frage des Geschmacks“, ergänzte Bürgermeister Klaus Friedrich, der den Bauamtsleiter in dieser Hinsicht ausdrücklich in Schutz nahm. Ludwigs Kritik an der mangelnden Information der Stadtverordneten über das Bauvorhaben an der Wipperberghalle werde man hingegen als berechtigt annehmen müssen.

„Ist billig gleich gut und teuer gleich schlecht?“, fragte Bublak zurück und verteidigte die qualitativ höherwertige Ausstattung als langlebiger – und deshalb auf Dauer günstiger. Zumal die Mehrzweckhalle in höherem Maße als ein Dorfgemeinschaftshaus für überörtliche Zwecke wie Schul- und Vereinssport genutzt werde. Entsprechend robuster müssten etwa Türklinken und Bodenbeläge sein. Seinen Anspruch als Architekt, für eine ansprechende Gestaltung öffentlicher Bauten zu sorgen, könne er nicht völlig aufgeben, auch wenn damit der Kostenrahmen für das Projekt überschritten werde, sagte Bub­lak. Formelle Schritte nicht eingehalten zu haben räumte er ein: „Diesen Schuh muss ich mir anziehen.“

Begehrlichkeiten geweckt

„Wenn ich in einen bestehenden Bau eingreife, muss ich damit rechnen, dass Defizite im Brandschutz zutage treten“, argumentierte Ludwig, „so kann man nicht am Parlament vorbei arbeiten.“ Der SPD-Fraktionschef wies auf die entsprechenden Vorschriften der Gemeinde­ordnung hin, wonach erhebliche Ausgaben der „vorherigen Zustimmung der Gemeindevertretung“ bedürfen.

Parkplatz Kalkmauer, Fußgängerzone, Rathaus-Umbau: Vor dem Hintergrund anstehender Großprojekte müsse künftig sichergestellt sein, dass die Stadtverordneten frühzeitig über auftretende Zusatzkosten informiert werden.

„Wir sind die Sachwalter des Vermögens der Korbacher Bürger, nicht Sie“, kritisierte der Fraktionschef den Bauamtsleiter. „Wir beschließen Sparprogramme, müssen Kindergartenbeiträge und Gebühren erhöhen, über eine Parlamentsverkleinerung nachdenken und leisten uns gleichzeitig einen formschönen Hallenanbau“, spitzte Ludwig die Kritik noch einmal zu: „Das weckt Begehrlichkeiten und führt zu Unmut.“ Nicht zuletzt bei denjenigen Lengefeldern, die beim Bau mitgeholfen haben und von der im Vergleich dazu luxuriösen Ausstattung sich nun düpiert fühlten, wie Arno Wiegand berichtete.

Von Thomas Kobbe

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