Bauausschuss

Pergola im Korbacher Stadtpark weiter umstritten

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Wo, bitte, geht es zum Stadtpark? Die Eingangssituation an der Strother Straße ist nicht klar definiert. Die Pergola unterbricht außerdem die Sichtbeziehung zur Allee.

Korbach – Die Entwurfsplanung für den Stadtpark zeigt immer mehr Details. Eine Variante sieht nun vor, die Pergola an den nördlichen Abschluss des Parks zu versetzen. Das haben die Planer als Kompromiss vorgeschlagen. Einige Korbacher forderten zuletzt den Erhalt des Pfeilergangs.

Das Bauwerk aus den 1930er-Jahren könnte künftig den Park Richtung Fußgängerzone abschließen. Die Planer haben den nördlichen Platz im aktuellen Entwurf außerdem durch Spielgeräte, Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel ergänzt. Das hatten die Stadtverordneten in den vergangenen Sitzungen angeregt.

Die Pergola bleibt indes umstritten. Friedrich-Wilhelm Frese (CDU) fragte am Dienstag im Ausschuss für Bauen und Umwelt, ob das Bauwerk nicht doch an seiner jetzigen Stelle erhalten werden könne. Thomas Berg (Freie Wähler) forderte auf, die „alten Korbacher“ nicht zu vergessen: Zu viel Vertrautes sei in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Stadtbild verschwunden.

Erstaunt zeigte sich Jochen Rube über die Diskussion: „In der Bürgerbeteiligung hat noch keiner über die Pergola gesprochen.“ Er habe vielmehr den Eindruck, dass der schweigenden Mehrheit die Pergola egal sei. Der Stadtpark werde bisher nur überschaubar genutzt. Er hoffe, dass das neue Konzept für eine Belebung sorge.

Helmut Schmidt (SPD) bemerkte: „Egal, was wir planen, die Stimmen kommen immer, dass das Alte bleiben muss.“ Das sei auch in Ordnung, dürfe aber nicht zu Stillstand führen. Das Konzept des Stadtparks überzeuge insgesamt und sei mit der Pergola an der jetzigen Stelle nicht umsetzbar.

Grünring entlang des doppelten Stadtmauerrings

Tatsächlich sprechen die rein sachlichen Gründe gegen die Pergola am Standort Strother Straße. Zum Kern des Konzepts „Zukunft Stadtgrün“ in Korbach gehört ein zusammenhängender Grünring entlang des doppelten Stadtmauerrings. Ziel sei, den Park aufzuwerten und zu öffnen.

„Die Pergola versperrt an dieser Stelle den Blick von der Strother Straße in den Park. Man erkennt von außen nicht , dass hier ein Stadtpark ist. Es ist keine Eingangssituation ausformuliert“, erklärt Stadtbauamtsleiter Stefan Bublak. Auch die Sichtbezüge zur Allee würden durch die Pergola verbaut.

Während die obere Hälfte des Parks Richtung Stadtmitte durch den neuen Teich geprägt wird, soll die untere Hälfte Richtung Strother Straße eine große, frei bespielbare Wiese erhalten, die auch für Open-Air-Konzerte genutzt werden kann. Dafür ist Infrastruktur notwendig wie Strom- und Wasseranschlüsse und Toiletten. Außerdem muss eine Zufahrt vorhanden sein, um Veranstaltungstechnik und Bühnenelemente, die schon mal ein Gesamtgewicht von rund 3500 Kilogramm auf die Waage bringen, in den Stadtpark zu transportieren.

„Es ist ein leichtes, an der Strother Straße Infrastruktur zu schaffen“, stellte Bublak fest. Auch die Andienung sei anders als an anderen Stellen einfacher und zerstöre keine Vegetation.

Bei einer Enthaltung stimmten die Mitglieder des Ausschusses für Bauen und Umwelt am Dienstag für die Fortschreibung der Entwurfsplanung.

Korbacher Stadtpark ist Teil eines Gesamtkonzeptes

Korbach ist seit 2017 Teil des Förderprojekts „Zukunft Stadtgrün“. Mit bis zu 2,4 Millionen Euro von Bund und Land können bis 2023 mehrere Projekte am Stadtmauerring und in der Laake umgesetzt werden. In einer Lenkungsgruppe, bei einem Treffen mit Gruppen und Einrichtungen wie der Schützengilde, der Freilichtbühne oder dem Naturschutzbund und einer Bürgerversammlung sind im vergangenen Jahr über mehrere Wochen viele Ideen für mögliche Projekte entstanden. 

Nach einer Vorauswahl, bei der unter anderem das Kosten-Nutzen-Verhältnis abgewogen wurde, sind die Ziele in einem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) aufgenommen worden, das nun die verbindliche Grundlage für die weiteren Planungen bildet und Voraussetzung für die jährlich zu beantragenden Fördermittel ist. Der Stadtpark ist ein Baustein des Gesamtkonzepts, das Einheit und Vielfalt vereinen will: Sichtbezüge zur Stadtmauer, Straßenbeläge, Ausstattung und Beleuchtung sollen den einzelnen Abschnitten ein einheitliches Aussehen geben, damit sie als zusammenhängendes Ganzes wahrgenommen werden. 

Gleichzeitig hat jeder Abschnitt eigene Schwerpunkte: der Schießhagen beispielsweise als „Festpark“ mit Freilichtbühne und Veranstaltungen der Schützengilde, der Herrschaftliche Hagen als naturnah gestalteter Park. Der Stadtpark ist als Fläche für Naherholung und Veranstaltungen vorgesehen. Der Entwurf der Planer orientiert sich dabei an den Ursprüngen des Stadtparks: Historische Fotos zeigen, dass der Park in den vergangenen neun Jahrzehnten seine eigentlich klaren Strukturen verloren hat. Insbesondere die einstige Allee wurde aufgelöst, die Wegeführung weist mittlerweile willkürliche Knicke auf. Die Wegeflucht Stadtpark – Allee/Bleiche soll künftig durch Baumreihen wieder betont werden.

1927 von Stadtbaumeister Wilhelm Schleicher angelegt

Beliebtes Motiv für Familienfotos: die Pergola im Korbacher Stadtpark in den 1940er-Jahren.

Der Stadtpark an der Heerstraße wurde 1927 vom Stadtbaumeister Wilhelm Schleicher angelegt. 1933 wurde der Beschluss gefasst, den Stadtpark, in Schlageterpark umzubenennen – nach Albert Leo Schlageter, den die nationalsozialistische Propaganda zum ersten „Märtyrer ihrer Bewegung“ hochstilisiert hatte. 

1975 musste ein Teil des Parks dem Ausbau der Kreuzung Heerstraße/ Strother Straße weichen. Auch die Pergola steht nicht mehr an ihrer ursprünglichen Stelle. Sie wurde bereits in der Vergangenheit einmal versetzt.

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