Korbach

Pfarrerin Gallenkamp wechselt nach Kassel

- Korbach (lb). Von der „heilen Welt“ in den sozialen Brennpunkt: Barbara Gallenkamp tritt im Februar je eine halbe Stelle in der Kirchengemeinde und in der Offenen Schule im Kasseler Stadtteil Waldau an.

Die Entscheidung fiel in den Sommerferien: „Da ist uns klar geworden, wenn wechseln, dann jetzt“, sagt Nils Gallenkamp: Tochter Charlotte (21) hat das Abitur schon hinter sich, Sohn Maximilian (16) wechselt demnächst in die Oberstufe, Laura (13) und Greta (10) müssen ohnehin noch ein paar Jahre die Schulbank drücken. Und in Kassel-Waldau fand Barbara Gallenkamp schließlich ein Angebot, das sie reizte: Dort wird die evangelische Pfarrerin am 1. Februar eine halbe Stelle in der Kirchengemeinde und eine halbe Stelle an der Offenen Schule Waldau antreten. An der integrierten Gesamtschule wird sie für Bildungsarbeit, Lebensbegleitung, Seelsorge und Projektarbeit zuständig sein. Gallenkamps verlassen also ihre kleine Insel am Waldecker Berg mit Kirche, Gemeindezentrum, Kindergarten und Pfarrhaus. „Korbach ist in den letzten zwölf Jahren zu unserer Heimat geworden. Wir verlassen es nur ungern“, sagt Barbara Gallenkamp. Was sie in Waldau erwartet, ist völlig anders als in Korbach: Der Kasseler Stadtteil ist ein Problemviertel, eine Plattenbausiedlung mit vielen Sozialfällen unter den Bewohnern und fünfzig Prozent Migranten. 80 Prozent der Menschen leben im sozialen Wohnungsbau. „Die Schule spielt hier eine wichtige Rolle. Sie ist für viele Kinder Lebensmittelpunkt“, sagt die Pfarrerin. Rund 1400 Menschen gehören zu ihrer Gemeinde, knapp 900 Kinder und Jugendliche besuchen die Offene Schule, die mit ihrem besonderen Konzept bundesweit bekannt geworden ist: Jeweils zwölf Lehrer unterrichten eine Jahrgangsstufe mit etwa 150 Kindern von Klasse fünf bis Klasse zehn – ohne Unterbrechung. Das sorgt für Kontinuität bei Schülern und Lehrern. Als Ganztagsschule ist sie von 7.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. „Wir kommen aus einer kleinstädtischen Atmosphäre­ und gehen jetzt in eine unüberschaubare Welt“, sagt Gallenkamp, die die neue Aufgabe aber als Herausforderung sieht: „Ich lasse mich darauf ein, was es mit mir macht, weiß ich noch nicht“, sagt sie. Zurück lässt sie eine „sehr offene und selbstständige Gemeinde und Menschen, die große Bereitschaft zeigen, Verantwortung zu übernehmen“, so die Pfarrerin. „In Korbach ist Kirche noch ein Teil der Stadt, der Kultur. Das habe ich sehr genossen. Wir haben hier viele gute Erfahrungen gemacht und nehmen viel davon mit nach Waldau“, sagt Gallenkamp. Zwar flossen auch viele Tränen, als Gallenkamps der Markusgemeinde ihren Abschied verkündeten, aber alle hätten Verständnis gezeigt, betont Barbara Gallenkamp: „Die Gemeinde hat akzeptiert, dass es eine Lebensentscheidung ist.“ Am 24. Januar um 16 Uhr verabschiedet die Markusgemeinde ihre Pfarrerin. Am 28. Februar wird Barbara Gallenkamp in ihrer neuen Gemeinde in Waldau eingeführt.

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