Nieder-Ense: Lutz Mittelstedt ist Experte für mittelalterliche Waffen

Pflugscharen zu Schwertern schmieden

Korbach-Niederense - Er macht Pflugscharen zu Schwertern: Lutz Milferstedt ist Experte für mittelalterliche Waffen und Schmied aus Leidenschaft. In Nieder-Ense belebt er ein altes Handwerk neu.

Ping-ping, ping-ping, ping-ping – der Rhythmus des Schmiedehammers hallt durchs Dorf. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre. „Man kommt hier rein und sieht eine Schmiede, wie sie in den Zwanziger- oder Dreißigerjahren hätte sein können, mit ein paar mehr Annehmlichkeiten“, sagt Lutz Milferstedt, nachdem er den Hammer beiseitegelegt hat.

Alles ist schwarz hier, das Eisen sowieso. Ein Firnis aus Ruß hat sich über die Jahrzehnte auf die Wände gelegt. Nur das Kohlefeuer in der Esse glüht rot, in der Mitte über tausend Grad heiß. Vom Rauchfang zweigt ein zwei, vielleicht drei Meter langes Blechrohr zu einem Bollerofen ab. Ein Wirrwarr aus Werkzeugen, Zangen, Hämmern, Ambossen, Bohrmaschinen. Zwei tonnenschwere elektrische Schmiedehämmer, eine Drehbank. Mit manchen der Werkzeuge haben Schmiede schon vor mehr als hundert Jahren gearbeitet. „Die handbetriebene Bohrmaschine ist aus der Zeit um 1890“, sagt Milferstedt.

Ein gutes Dutzend Schmieden hat der hauptberufliche Industriemechaniker im Umkreis abgeklappert. Doch eine in dem Zustand wie in Nieder-Ense sei sehr selten. „Im Prinzip brauchte ich nur das Feuer anzumachen“, sagt Milferstedt. 2011 übernahm er die alte Schmittmann-Schmiede, obwohl er sich schon 2008 in Meineringhausen eine eigene aufgebaut hatte. Doch für ihn war klar, diese einmalige Werkstätte musste erhalten werden. „Das kannste nicht auseinanderreißen“, sagt Milferstedt.

Die Schmittmann-Schmiede­ wurde in den Jahren 1923 bis 1924 gebaut und diente ursprünglich der Reparatur wie auch Neuanfertigung von landwirtschaftlichen Geräten. Die Wurzeln der Schmiede liegen aber tiefer. Eine Vorgängerin stand ein wenig weiter die Straße hinunter und wurde erstmals 1650 urkundlich erwähnt. Die Lage der Schmiede am Ortsrand ist aus heutiger Sicht untypisch, allerdings verlief hier früher direkt die Handelsstraße nach Bremen. „Also war die Schmiede früher eine Art ‚Tank und Rast‘“, sagt Milferstedt.

Er selbst schmiedet alles, was eine Klinge hat: Küchenmesser, Rasiermesser, Äxte, Dolche, originalgetreu nach historischem Vorbild. Für ein Museum hat er eine Replik eines römischen Fischspeers angefertigt. Milferstedt stattet auch Filmproduktionen aus: Für „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ mit Heino Ferch oder die Störtebecker-Verfilmung „Zwölf Meter ohne Kopf“ mit Matthias Schweighöfer stellte er Schreibwerkzeuge, Messer und anderes Gerät her. Für Schwerter benutzt er übrigens gerne den robusten Stahl alter Pflugschare. Auch Griffe fertigt er selbst, in der Holzwerkstatt nebenan.

„Mit 14, 15 Jahren habe ich mein erstes Schwert geschmiedet“, sagt Milferstedt, 1981 im ostfriesischen Emden geboren. Er wollte als Ritter an einem Mittelaltermarkt teilnehmen und brauchte noch die entsprechende Ausrüstung. Die Begeisterung für das alte Handwerk wuchs, nach und nach richtete er sich seine eigene Schmiede ein. Durch die Spezialisierung auf historische Waffen und Werkzeuge hat sich Milferstedt mittlerweile einen Ruf in der Mittelalterszene erworben. Um das Handwerk zu erhalten, bietet er jetzt auch Schmiedeseminare für Anfänger und Fortgeschrittene in der Nieder-Enser Werkstatt an, die er nach seiner ersten Schmiede, der Hacheschmiede bei Syke (Niedersachsen), benannt hat.

Milferstedt greift wieder zum Hammer und schlägt auf das glühende Eisen. Muskeln seien wichtig, aber eine gute Koordination zwischen beiden Händen wichtiger, sagt er. „Ein richtiger Schmied kann punktgenau da treffen, wo er hinzielen will.“ Jeder Schlag sitzt: Ping-ping, ping-ping, ping-ping.

Termine und Anmeldungen für Schmiedeseminare über www.hacheschmiede.de

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