In Dalwigksthal gründet sich eine Genossenschaft, die das Dorfgemeinschaftshaus in Eigenregie führt

Pilotprojekt „Schule“: Selbst ist das Dorf

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Dalwigksthaler organisieren sich genossenschaftlich, um aus ihrer ehemaligen Schule ein Dorftreff mit Kneipe für Lichtenfelser und Touristen zu machen – ein Novum.

Lichtenfels-Dalwigksthal - Das Projekt ist spannend und verspricht Zukunft: Die Dorfgemeinschaft von Dalwigksthal tut sich zusammen, um aus ihrem Dorfgemeinschaftshaus in Eigenregie einen Dorftreff zu machen. Mit pfiffigen Ideen gehen die Bewohner ans Werk.

Als die Dorfkneipe in Dalwigksthal vor einigen Jahren schloss, hatte das Auswirkungen auf das dörfliche Leben: Es gab keinen Treffpunkt mehr, an dem die Leute aus dem Dorf und den umliegenden Ortschaften mal ungezwungen zusammen kommen konnten. 2010 öffnete ein neuer Betreiber die Kneipe für einige Monate wieder - und es gab einen unerwarteten Gästeansturm. „Der neue Treffpunkt wurde nicht nur von den Dalwigksthalern, sondern auch von vielen Leuten der Nachbardörfern besucht“, erinnert sich Bernd Wecker, der zusammen mit Ortsvorsteher Harald Wagener, Frauke Frank, Christiane Tripp und Manfred Mütze dem Ortsbeirat angehört: „Auf einmal kamen sie wieder zusammen, Alte und Junge, es fand mehr Austausch untereinander statt“.

Von dieser positiven Erfahrung ließen sich die Mitglieder des Ortsbeirates leiten, als die Kneipe nach einigen Monaten unerwartet wieder schloss und sich keine erneute Öffnung abzeichnete. „Wir dachten, daraus muss sich für unser Dorf doch etwas für die Zukunft bauen lassen und suchten verstärkt nach Möglichkeiten, einen ähnlich gearteten Treffpunkt zu schaffen,“ beschreibt Wecker die Geburt einer Idee.

Und die sieht so aus: Es wird eine „Bürgergenossenschaft Lichtenfels-Dalwigksthal“ gegründet, die das Dorfgemeinschaftshaus übernimmt, es zu einem multifunktionalen Dorftreff mit Kneipe und Biergarten ausbaut und dauerhaft betreibt. „Nach unseren Recherchen ist das einmalig in ganz Hessen“, sagt Wecker.

„Die Stadt Lichtenfels gibt das Dorfgemeinschaftshaus über einen Mietvertrag an die Dorfgemeinschaft zurück“, erklärt Bürgermeister Uwe Steuber das geplante Prozedere, dem der Magistrat der Stadt bereits zugestimmt hat. „Der monatliche Mietpreis ist auf einen Euro festgesetzt. Die Stadt hält zunächst auch schützend die Hand über das Projekt, beteiligt sich an nötigen Instandsetzungsarbeiten“, sagt Steuber weiter, alle laufenden Kosten aber trägt die Genossenschaft.

„Angesichts des demografischen Wandels und leerer Kassen müssen wir als Kommune neue Wege gehen und selbst aktiv werden, bevor uns die Kommunalaufsicht womöglich Dorfgemeinschaftshäuser schließt“, betont Steuber. „Dass die Dalwigksthaler jetzt diesen Weg gehen, ist für den ganzen Ort, ja für die ganze Stadt eine sehr spannende Sache, das hat Pilotcharakter“, betont der Rathauschef durchaus mit Stolz in der Stimme.

Bei einer Bürgerversammlung stieß die Idee bei den meisten Dalwigksthalern auf Zustimmung. „Manche äußern auch Bedenken und Kritik, doch die große Mehrheit ist dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber aufgetreten: Es gibt bereits Zusagen für 58 Anteile, auch Fortgezogene und Leute aus Nachbardörfern haben gezeichnet“, sagt Wecker auf Nachfrage der WLZ-FZ. 500 Euro kostet ein Anteil - und das Geld wird investiert in kleinere Umbauarbeiten, die nötig sind, damit aus dem DGH werden kann, was es werden soll: Ein Bürgertreff mit Dorfkneipe.

Die soll nicht nur von den Lichtenfelsern besucht werden, sondern auch den Tourismus der Stadt stützen: Zu den Hauptzielgruppen gehören Wanderer, die jedes Wochenende ins idyllische Orketal ziehen; angebunden ist der rund 170 Einwohner zählende Ort auch an den Kellerwaldsteig und den Panoramaweg. „Wir sind dabei, Pauschalangebote für Wanderer zu entwickeln, denn sie sind für uns touristisch sehr wichtig“, betont Wecker. Neben Getränken sollen einfache, aber hochwertige Speisen vornehmlich aus der Region angeboten werden, auch Themen-Gerichte wie „Frisch aus Orke, Nuhne und Eder“ seien vorgesehen. Es ist geplant, den Treffpunkt in der Woche abends zu öffnen, sonntags von 10 bis 20 Uhr; drei Minijobs sollen im Dorftreff entstehen.

Regelmäßig sollen außerdem kleine kulturelle Veranstaltungen angeboten werden - für jedes Alter und jeden Geschmack, zeichnet Bernd Wecker ein Bild, das schon bald Realität sein soll. Doch noch muss die „Bürgergenossenschaft in Gründung“ auf Formalien Rücksicht nehmen: Die Satzung liegt beim Genossenschaftsverband zur Prüfung. Erst, wenn der grünes Licht gibt, kann eine Gründungsversammlung einberufen werden. Die Dalwigksthaler hoffen, dass die Genehmigung bald kommt, damit sie sich ins Sommergeschäft stürzen können; Förderanträge sind auch schon gestellt.

Weil der Dorftreff in der ehemaligen Schule entsteht, soll er „Schule“ heißen; es wird auch sein Image daran ausgerichtet - und vielleicht macht das Pilotprojekt ja auch Schule in andern Dörfern.

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