Italienischer Abend im Korbacher Stadtpark begeistert

Pizza, Picknick und Musik in lauer Sommernacht

Korbach - „So weit das Auge reicht sehe ich nur Leute, die uns noch nie in der Stadthalle gehört haben“, freute sich Dirigent Rainer Horn am Samstag schon vor Beginn des Konzerts über viele neue Gesichter unter den Zuhörern auf dem dicht besetzten Rasen des Korbacher Stadtparks.

Zum italienischen Abend hatten das Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach und das Kulturamt eingeladen und viele, viele kamen an diesem lauen Sommerabend. Die bislang unbemerkt gebliebenen Klassikfans wussten beim kostenlosen Festival unter freiem Himmel auf jeden Fall, worauf es ankommt und hatten Decken, Tische und Klappstühle mitgebracht, ganz wie das Publikum bei der populären Night of the Proms im Londoner 
 Hyde-Park. Das Vocal-Trio Stefanie Bechtold, Larissa Niederquell und Thomas Schwill eröffnete den italienischen Abend mit „Volare“ im erfrischenden Swing-Gewand, den passenden Big-Band-Sound lieferte das Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach. Das wechselte zum anschließenden Krönungsmarsch „La Corona D’Italia“ von Rossini blitzschnell Temperament und Tonart. Das Spätwerk des Meisters der Buffo erwies sich als kurzweiliger Gang durch die einzelnen Orchesterstimmen mit fulminantem Finale im Stil seiner besten Opern. Das nächste Stück auf dem Programm dürfte bei einigen Zuhörern spontan den Appetit geweckt haben. Thomas Schwill erwies sich bei „la donne é mobile“ als gut aufgelegter Verführer schlechthin, der sein Bestes gibt, um zu überspielen, wie sehr er unter den (vermeintlichen) Launen eines Mädchens leidet, das er für anders als all die anderen Frauen hielt. Die ironischen Flötentöne nach „muto d’accento e di pensier“, klangen nach sublimem Spott vor der nächsten Eroberung zum Trost. Skurriler Clown-Marsch Nino Rotas skurriler Clown-Marsch „La Passarella“ aus Fellinis „Achteinhalb“ erwies sich als nächstes Virtuosenstück für das Orchester und als wirkungsvolles Kontrastprogramm zum melodienseligen „Addio, babino caro.“ Larissa Niederquell sang die Arie der Lautretta aus Gianni Scicchi mit voller Stimme und eher fordernd, denn mit demütiger bis bettelnder Kleinmädchenattitüde. Beim anschließenden „Moment für Morricone“ gab ein langjähriger Konzertsaal-Favorit des Sinfonischen Blasorchesters Korbach/Lelbach sein überwältigendes Debüt unter freiem Himmel. Bei einbrechender Dämmerung gewann das markante Motiv aus „Zwei glorreiche Halunken“ noch an atmosphärischer Brillanz und auch die pochende Schurkenmusik aus „Spiel mir das Lied von Tod“ gewann an Bedrohlichkeit, ehe das Gute im triumphierenden Hauptthema siegte. Noch ehe der erste zarte Klarinettenton bei „E lucevan le stelle“ (Und es blitzten die Sterne) erklingt, hat der Böse (der lüsterne Baron Scarpia) in Giacomo Puccinis „Tosca“ schon gewonnen. Thomas Schwill gestaltete das Abschiedsgedicht Cavaradossis so szenisch, als stünde er auf der Opernbühne. Doch nach dem standesgemäßen Beifall trat nicht etwa Larissa Niederquell als Tosca mit guten Nachrichten aus dem Bühnenhintergrund, Stefanie Bechtold kam stattdessen mit einer erfrischend frechen Version von „O sole mio“ aus den Reihen des Publikums auf die Bühne, die so ganz und gar nichts mit den donnernden Versionen von Elvis Presley oder Mario Lanza zu tun hatte. Die großen Operndramen hatten erst einmal Pause. Beim Duett „Partiro“ (Time to say goodbye) hatte das Orchester im bolerohaften Finale seinen großen dramatischen Auftritt. Nachdem Larissa Niederquell und Thomas Schwill bei ihrem musikalischen Gang auf den Spuren von Sarah Brightman und Andrea Bocelli keine Wünsche offen gelassen hatten, folgten die volkstümlichen Hits zum Mitsingen und Mitklatschen wie „Mama“, „Azzuro“ oder „Funicoli-Funicola“ für ein Vocal-Trio. Letzteres sorgte als zweite Zugabe für ein rundweg begeistertes Publikum auf dem Rasen und eine breite Front von Mitklatschern zum endgültigen Abschluss des italienischen Abends. Zum Abschluss des offiziellen Programms ließen Stefanie Bechtold, Larissa Niederquell und Thomas Schwill beim Trinklied (Libiamo) aus La Traviata schon einmal die Korken knallen und stießen auf den großartigen Erfolg des italienischen Abends an.Ein zweites Konzert mit Swing- und Jazzklassikern schloss sich an. Mit Duke Ellingtons „Perdido“, Glenn Millers „String of Pearls“, dem mitreißenden Trompetenfanfaren von Chuck Mangiones „Children of Sanchez“ brachten die Bläser der Band „Jazz vor Fun“ ihr Publikum in Stimmung und beim „Blues-Brothers-Medley erneut in Mitklatsch-Stimmung. Und was würde besser in eine laue Sommernacht passen als George Gershwins „Summer­time“, das als zweite Zugabe erklang. Das Experiment Konzert im Park ist auf Anhieb gelungen, ob daraus eine Tradition entsteht wie beim Hyde-Park-Konzert der Londoner Night of the Proms wird sich zeigen. Von Armin Hennig

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