Erntedankfest in Rhena: Kreisbauernverband Waldeck macht Mut für heimische Höfe

Plädoyer für bäuerliche Werte

+
Karsten Schmal (l.), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Waldeck, und Geschäftsführer Dr. Christof Nüsse (r.) dankten Festredner Anselm Richard mit einem Präsentkorb.

Korbach-Rhena - Das Erntedankfest in Rhena bescherte dem Kreisbauernverband Waldeck volles Haus. Mit Gottesdienst, Auszeichnungen, Musik, Tanz und einem pointierten Festvortrag feierte die Landwirtschaft den Abschluss des wahrlich turbulenten Erntejahres 2012.

Wenig Schnee im Winter, Kahlfrost im Februar, Trockenheit zu Beginn des Frühlings, dafür Regenfluten und Eishagel in Mai und Juni - das Jahr 2012 schlug den Bauern wahrlich aufs Gemüt. Mancher Landwirt hat viel verloren, insgesamt lag der Ertrag niedriger als im Vorjahr.

Trotzdem zog Karsten Schmal zum Kreiserntedankfest noch ein versöhnliches Resümee: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Waldeck am Sonntagmorgen in Rhena. Durch ein gutes Umfeld bei der Ernte in Juli und August, aber auch gestiegene Abnahmepreise wendete sich die Lage für die Bauern noch zum Besseren.

Was vielen Landwirten weiter in den Knochen steckt, sind politische Debatten - und ein mitunter schlechtgeredetes Image der Branche bei den Verbrauchern. Völlig unverdient, meint nicht nur Schmal. Denn durch immer schonendere Produktion und moderne Verfahren sei die Ernährung der Menschen in Deutschland so gut wie nie zuvor. „Eine Leistung, auf die wir auch ein wenig stolz sein können“, betonte Schmal.

Vor großem Publikum in der Rhenaer Goddelsberghalle erntete der Chef des Kreisbauernverbandes Waldeck erwartungsgemäß viel Applaus. Und auch Schmals Kollege Heinrich Heidel (Vöhl), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Frankenberg, FDP-Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des hessischen Bauernverbandes, sekundierte: „Landwirte sind nicht diejenigen, die ihr Geld an der Börse verspekulieren oder auf Mallorca verprassen.“

Was Landwirte auf den Höfen erwirtschaften, werde in den Betrieben auch investiert. Worum Bauern kämpfen müssten, seien deshalb faire Preise für Lebensmittel, verdeutlichte Heidel: Mittel zum Leben für die Verbraucher, deren Erlös aber auch den Landwirten ein auskömmliches Leben ermöglichen müsse.

Dabei genieße der Bauer als Einzelner durchaus hohes Ansehen in der Gesellschaft, untermauerte Festredner Anselm Richard. Aber die Branche insgesamt werde allzu oft in ein schlechtes Licht gerückt, verdeutlichte der Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblatts Westfalen-Lippe einen Widerspruch: Verbraucher wollen zwar niedrige Preise, aber erwarten zugleich, „dass die landwirtschaftliche Produktion, bitte schön, so bleibt, wie wir es aus der Generation der Großväter kennen. Das ist ja so niedlich, ist so schön“.

Landwirtschaftliche Nutztiere würden vielfach verwechselt mit „verhätschelten Heimtieren“ - ob Hunde, Katzen oder Kanarienvögel. Und wenn Landwirte mit dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen den politischen Forderungen zur Energiewende nachkämen, dann werde ihnen Profitgier vorgeworfen.

Richards Fazit: „Zwischen Landwirten und Verbrauchern klafft eine Informationslücke.“ Seine Empfehlung: „Holen Sie die Menschen auf Ihren Hof.“ Dabei machte Richard den Landwirten Mut, „für die bäuerlichen Werte zu stehen und sich nicht unterkriegen zu lassen“. Er appellierte aber zugleich auch an Fairness der Bauern untereinander, wenn es um Flächen und Existenz geht: „Ich bin dagegen, dass bei den Bauern jetzt der Manchester-Kapitalismus einzieht.“

Gerade das Erntedankfest sei eine Zeit der Besinnung - und dabei Gelegenheit, auch über Nächstenliebe zu sprechen.

(von Jörg Kleine)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare