Flechtdorf: Durchlass der Aar stürzt ein · Sanierung und Renaturierung 2014 geplant

Plötzlich fehlt ein Stück Hof

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„Wir machen aus der Not eine Tugend“: Zaunbauer Lothar Backhaus (l.) und sein Mitarbeiter Stanislaw Tschaprasow nutzen das von allen Seiten abgesicherte Loch im Hof am Montag, um die Schneemassen in der Aar zu versenken.

Diemelsee-Flechtdorf - Eine feuchte, aber keineswegs fröhliche Überraschung erlebte der Flechtdorfer Lothar Backhaus jüngst. Ein Teil seines Hofs stürzte in die Aar.

Zwischen der Niederen Straße, in der Backhaus’ Betrieb für Zimmerei und Zaunbau liegt, und der Klosterstraße ist das größtenteils betonierte Bachbett überbaut. Auf die Einsturzgefahr an einigen Stellen hatte Boris Perplies vom Berndorfer Ingenieurbüro Gröticke die Gemeindevertreter bereits im Dezember 2011 hingewiesen. Er riet dringend zur Sanierung.

Diese beschlossen die Parlamentarier im November 2012. Sie soll zusammen mit dem Ausbau der Aartalstraße und der Renaturierung der Aar 2014 erfolgen (siehe Hintergrund). „Die Sanierung allein wäre nicht förderfähig“, begründet Bürgermeister Volker Becker die Entscheidung.

Für Backhaus und Becker ist der weggebrochene Beton der beste Beweis dafür, wie wichtig die Investition ist. „Gut, dass wir nicht mit einem unserer Fahrzeuge dort eingebrochen sind“, betont der Unternehmer. Bis auf den Hof kam bei dem Einsturz nichts zu schaden. Mithilfe der Gemeinde sicherte Backhaus das Loch mit Warnbaken und Holzkisten ab. Becker: „Sobald die Witterung es zulässt, wird es mit einer Betonplatte geschlossen.“

Bis es so weit ist, machen die Flechtdorfer aus der Not eine Tugend: Sie freuen sich, dass sie nun weniger Fläche vom Schnee befreien müssen und „entsorgen“ die weiße Pracht kurzerhand im Bachlauf.

Hintergrund

Das betonierte Bachbett der Aar in Flechtdorf ist keine Augenweide. Schlimmer als der optische ist aber der bauliche Zustand: Eine Untersuchung des Berndorfer Ingenieurbüros Gröticke zeigt starke Schäden an den Ufermauern und vor allem am Durchlass zwischen der Niederen Straße und der Klosterstraße.

Geschätzte Sanierungskosten: 545?000 Euro. Alternative ist laut Ingenieur Boris Perplies die förderfähige Renaturierung der Aar, also die „teilweise Öffnung und naturnahe Ausbildung des Gewässers“, im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).

Technisch ist es aus Sicht des Experten möglich, sich vom bis zu 60 Zentimeter starken Beton zu trennen, ohne die Statik zu gefährden. Die Renaturierung soll 2014 erfolgen, wenn die Aartalstraße voll ausgebaut und gesperrt wird (wir berichteten). Die Gemeinde kann für das WRRL-Projekt mit einem Zuschuss von bis zu 85 Prozent rechnen. Die Kosten beziffert Perplies auf rund 1,8 Millionen Euro – inklusive der Renaturierung außerhalb des Ortes in Richtung Adorf. Genehmigt hat das Parlament bislang nur die innerörtliche Variante.(nv)

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