Wenn Paare oder Nachbarn im Streit liegen, kann Mediation helfen · DRK-Angebot

„Potenziale aus den Menschen locken“

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Wie können sich Menschen vernünftig trennen oder miteinander leben? Das Deutsche Rote Kreuz bietet im Landkreis ab Oktober Mediation an.

Korbach - Streit in der Ehe, Ärger im Verein oder Zwist in der Nachbarschaft: Wo Menschen aufeinandertreffen, kann es Ärger geben. Aber nicht immer müssen (und sollen) sich Gerichte mit den streitenden Parteien auseinandersetzen.

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Korbach-Bad Arolsen startet in der kommenden Woche für genau diese Zielgruppen ein neues Angebot, das kostenlos ist: die Mediation. Statt vor Gericht zu landen, Prozesskosten zu verursachen oder gar bis zum Ende aller Tage zu keiner Lösung zu kommen, kann künftig ein Mediator eingeschaltet werden.

Günther Birkenstock lässt sich zurzeit ausbilden, bietet aber ab Anfang Oktober bereits seine Dienst an. „Die Menschen, die kommen, müssen die Lösung ihrer Probleme selbst finden. Ich bin dabei der Moderator, stelle Fragen und leite das Treffen. Für den Inhalt sind die Medianden selbst verantwortlich“, beschreibt der 63-Jährige seine neue Aufgabe. Zwei Gruppen sieht er, denen das neue Angebot, das der DRK-Vorstand am Mittwoch abgenickt hat, helfen kann: Solche, denen beim Auseinandergehen faire Regeln an die Hand gegeben werden (Beispiel: Scheidung). Oder solche, bei denen das Miteinander harmonisch gestaltet werden soll (Beispiel: Nachbarn).

Seine ersten beiden Beratungen hat Diplompsychologe Birkenstock bereits erfolgreich bewältigt. Drei und fünf Stunden dauerten die Beratungen für zwei Paare, die sich nicht mehr grün waren. „Das schlaucht schon. Aber man muss die Spannungen, die zwischen den beiden Parteien herrschen, dann aushalten, nicht nach der schnellen Lösung suchen, sondern dem Kern des Problems auf die Schliche kommen“, hat Birkenstock bemerkt.

„Unabhängigkeit und Neutralität“ sind für ihn bei allem oberstes Gebot. Die Menschen sollen sich auf Augenhöhe begegnen, miteinander statt übereinander reden und am Ende zu einem Ergebnis kommen, das in einer verbindlichen Vereinbarung festgehalten wird.

Die Mediation ist freiwillig. „Macht eine Partei nicht mit, können wir schon aufhören“, macht Birkenstock klar. Ein erster Kontakt ist auch mit einer Partei möglich, dann setzt sich Birkenstock mit dem anderen Betroffenen in Verbindung.

Keine Richtersprüche

Er setzt voll und ganz darauf, dass die Streithähne anschließend gemeinsam zu einer Lösung kommen: „Ich will die Lösungspotenziale aus den Menschen locken.“ Richtersprüche gibt es in der Schlichtung nicht, alle Vorschläge müssen gemeinsam erarbeitet - und dann auch umgesetzt - werden. Der Korbacher hat bereits die Erfahrung gemacht, dass am Ende des Prozesses ganz andere, viel wesentlichere Reibungspunkte zutage treten können als zuvor gedacht.

Bis der angehende Mediator seine Weiterbildung abgeschlossen hat, ist das Angebot für jedermann kostenlos. Ob und welche Kosten im Anschluss erhoben werden, steht laut DRK noch nicht fest.

Kontakt: Günther Birkenstock, Telefon: 05631/959922 oder E-Mail: guenther.birkenstock@drk-korbach.de

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