Korbach

Probleme aus eigener Erfahrung kennen

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- Korbach (lb). Mit ihren eigenen Erfahrungen des Ankommens und Fremdseins sollen sie Kindern aus Migrantenfamilien helfen: Drei angehende Erzieher vom Fröbel-Seminar in Korbach werden von der Hertie-Stiftung gefördert.

Andreas Enes und Elena Schnarr sind beide in Kasachstan geboren, Alexandra Pielka kommt aus Polen. Mit dem „Horizonte“-Stipendienprogramm möchte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung sie gezielt für den Beruf des Erziehers gewinnen und auf dem Weg in die Berufspraxis begleiten, denn rund 40 Prozent der Kinder in Deutschland unter sechs Jahren haben einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig sind nur etwa sechs Prozent der Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten ausländischer Herkunft.

Über 60 junge Menschen hatten sich für einen „Horizonte“-Stipendienplatz bewor-ben. Insgesamt zehn junge Hessen sind die Ersten, die in das Programm für Erzieher aufgenommen wurden, darunter die drei Studenten des Verbundstudiengangs „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ am Fröbel-Seminar in Korbach. Andreas Enes zog im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie von Kasachstan nach Deutschland. Er kennt die Schwierigkeiten und Probleme von Migrantenkindern aus eigener Erfahrung: „Ich bin in Deutschland gleich in den Kindergarten gekommen. Weil ich die Sprache nicht konnte, war die Eingewöhnung für mich sehr schwierig“, sagt Andreas.

„Wenn man den Kindern ‚ich kenn das‘ sagen kann, fühlen sie sich gleich mit einem viel mehr verbunden“, sagt Alexandra Pielka. Sie wurde in Polen geboren und lebt seit 1988 in Deutschland. Einen Teil ihrer Praxisphase möchte sie gern an einer polnischen Einrichtung in Krakau durchführen, um ihre Ausbildung durch interkulturelle Erfahrungen zu bereichern. Elena kam im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder aus Kasachstan nach Deutschland. „Ich bin mit meiner Mutter von Amt zu Amt gezogen und habe Dinge übersetzt, von denen ich keine Ahnung hatte“, sagt sie.

Elena sieht einen großen Vorteil darin, wenn Erzieher die Muttersprache der Kinder und Eltern beherrschen. Es ermögliche ihnen, schneller eine Vertrauensbasis herzustellen und Missverständnisse zu vermeiden. „Wir möchten außerdem dazu beitragen, dass alle Kinder von Anfang an lernen, dass es verschiedene Kulturen gibt.“ Für die nächsten drei Jahre erhalten die Stipendiaten eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 550 Euro pro Halbjahr für Bücher und Fortbildungen sowie einmalig 750 Euro für eine PC-Ausstattung. Daneben ist die ideelle Förderung genauso wichtig: In zwei Lernwerkstätten pro Jahr bilden sich die angehenden Erzieher fort zu Themen wie Entwicklungspsychologie, Sprache und Kommunikation.

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