Korbacher Jurist von seiner Schweigepflicht entbunden

Prozess gegen Wohnmobilhändler: Anwalt soll als Zeuge aussagen

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Kassel/Korbach. Im Betrugsverfahren vor dem Kasseler Landgericht gegen einen ehemaligen Wohnmobil-Händler aus Korbach hat der Angeklagte seinen ehemaligen Rechtsanwalt von seiner anwaltlichen Schweigepflicht entbunden. 

Richter Gert Rinninsland kündigte an, den Anwalt, der in der Korbacher Kommunalpolitik bis vor neun Jahren in verschiedenen Funktionen aktiv war, zum nächsten Verhandlungstag am 4. Mai als Zeugen laden zu wollen.

Der Jurist hatte den Angeklagten zwischen 2008 und 2012 bei Insolvenzen seiner Wohnmobil-Unternehmen vertreten. Dieser hatte ihm im Verlauf des seit Mitte Januar laufenden Verfahrens mehrfach Lügen und „massives Fehlverhalten“ vorgeworfen. Bisher hatte er es aber immer abgelehnt, seinen früheren Anwalt vor Gericht aussagen zu lassen.

Unter anderem fühlte sich der Angeklagte beim Verkauf des Firmengeländes am Korbacher Hauptbahnhof an die Stadt über den Tisch gezogen. Auf der Fläche steht heute ein Einkaufszentrum. Sein Anwalt habe ihm „einen Maulkorb umgebunden“, damit die Einkaufsgemeinschaft Korbach nichts vom geplanten Verkauf des Grundstücks an die Stadt mitbekommt, hatte der Angeklagte an einem früheren Verhandlungstag ausgesagt. Die Korbacher Einzelhändler seien damals gegen das neue Kaufhaus gewesen. 100 000 Euro seien ihm im zweiten Halbjahr 2008 geboten worden, wenn er das Grundstück bis 2009 räume, sagte der 58-Jährige. Das Geld habe er aber nie erhalten.

Kunden beim Wohnmobilhandel betrogen

Rund drei Stunden verlas der Angeklagte gestern vor der 11. Strafkammer des Landgerichts seine rund 90 Seiten umfassende Aussage zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Laut Anklage soll er 34 Kunden seines Wohnmobilhandels um insgesamt 475 000 Euro betrogen haben.

Das bestritt der 58-Jährige am Dienstag erneut, der allein auf der Anklagebank sitzt. Das Verfahren gegen seine Ehefrau war gegen Zahlung von 7000 Euro eingestellt worden.

Die Vorwürfe von Staatsanwalt Dr. Poppe bezeichnete er als „zum Teil frei erfunden“. Seine Firmen seien auch nicht insolvent gewesen. Die Zahlungsunfähigkeit sei durch Banken, Anwälte und Staatsanwaltschaft verursacht worden, die seine gesamte Buchführung acht Jahre beschlagnahmt habe. Zwischen 2008 und 2012 habe er rund 320 Wohnmobile für über sieben Millionen Euro verkauft. Aus dem Erlös hätte er die Verbindlichkeiten leicht bedienen können, die ohnehin nur halb so hoch seien, wie angeklagt. Auch Geschäftsführer sei er nicht gewesen, bei den Wohnmobil-Geschäften sei er höchstens beratend beteiligt gewesen.

Richter Rinninsland zeigte sich von den ermüdenden Einlassungen des Angeklagten wenig beeindruckt. Er will am 4. Mai den Anwalt als Zeugen hören. Dann soll plädiert und auch noch geurteilt werden, kündigte er an. Die Kammer stellt sich also auf einen langen Gerichtstag ein, der um 9 Uhr (Saal E 218) beginnt.

Von Thomas Stier

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