Stadt und Kreis informieren in Fürstenberg über geplante Unterkunft für Asylbewerber

Raum für Flüchtlinge schaffen

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Wenn es nach dem Landkreis geht, könnten im Mai Asylbewerber in die neue Unterkunft im Fürstenberger Hof einziehen.

Lichtenfels-Fürstenberg. - Die Wellen schlugen hoch beim Informationsabend am Mittwoch: Bürgermeister Uwe Steuber und Marion Bayan vom zuständigen Fachdienst beim Landkreis hatten die Bürger eingeladen, um über die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Fürstenberg zu informieren.

Händeringend sucht der Landkreis nach Wohnraum für Asylbewerber. Etwa 30 Menschen auf der Flucht erreichen jeden Monat den Landkreis. Dankbar war Marion Bayan, Leiterin des Fachdienstes für Soziale Angelegenheiten, als ihr die Bewerbung eines Hoteliers aus Fürstenberg in die Hände fiel. Er bot an, den Fürstenberger Hof als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber zu betreiben.

Die Mühlen der Behörden begannen zu mahlen: Brandschutzauflagen wurden geprüft, Pläne zum Umbau geschmiedet, und der Magistrat wurde um eine Einschätzung gebeten. Mitten im Verfahren luden Bürgermeister Uwe Steuber und Marion Bayan nun zum Infoabend ein.

Die Stimmung war angespannt, der Ton wurde laut am Mittwoch in der Igelstadthalle, denn rund 50 Fürstenberger wollten mitreden. Dabei ging es vor allem um einen Punkt: Wie viele Asylbewerber sollen in der Gemeinschaftsunterkunft leben? „Sie bietet Platz für 54 Menschen“, erklärte Marion Bayan und erntete lauten Widerspruch.

Magistrat und Ortsbeirat liegt allerdings bereits die Zustimmung des Landkreises vor, nicht mehr als zehn Prozent der Bevölkerungszahl Fürstenbergs in dem alten Hotel unterzubringen - also nicht mehr als 35 Personen. „Wir wollen eine sozialverträgliche Entscheidung treffen“, befand der Bürgermeister.

„Soziale Verantwortung“

Darüber, was das bedeutet allerdings, stritten die Fürstenberger: Nicht die geplanten 35, sondern 15 Asylbewerber seien ohne Probleme in das Städtchen integrierbar, befand ein Fürstenberger.

Kritik wurde laut, dass bei der Berechnung der Belegungszahl die wirtschaftlichen Interessen des Betreibers zu stark berücksichtigt würden - die Sozialverträglichkeit werde gar nicht wirklich diskutiert. Der Bürgermeister widersprach: „In den vergangenen Jahren haben bereits mehr Asylbewerber in Fürstenberg gelebt, ohne dass es zu Problemen gekommen ist.“ Aktuell leben 18 Asylbewerber in der Stadt - allerdings im Pensionsstatus, nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Selbstversorgung.

Und damit kamen die Fürstenberger zu ihrer zweiten Frage: „Wie soll der Alltag von Asylbewerbern mitten auf dem Land eigentlich aussehen?“ Es gebe keine Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, Busse führen nur selten, und Freizeitmöglichkeiten seien rar gesät. Das seien keine guten Voraussetzungen für Asylbewerber. Sorgen machten sich die Besucher auch um das Problempotenzial im Haus, wenn verschiedene Kulturen aufeinanderträfen, und um die Betreuung und Kontrolle durch den Fachdienst. „Es geht auch um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“, befand ein Fürstenberger. „Dunkle Gestalten“ würden für ein „schlechtes Feeling“ sorgen.

Bürgermeister Steuber appellierte schließlich: „Wir haben eine soziale Verantwortung, und die müssen wir wahrnehmen.“ Asylbewerber dürften nicht so negativ bewertet werden. Fürstenberg sei auch deswegen vom Magistrat als geeignete Stadt gewählt worden, weil sie bereits Erfahrung mit Fremden im Ort habe. Schließlich kämen seit jeher viele Holländer in die Stadt.

Der Protest folgte auf den Fuß: „Nur weil ein Ort Probleme mit einer Gemeinschaftsunterkunft hat, darf er nicht als rassistisch abgestempelt werden“, hieß es. Aber Touristen aus Holland seien nicht dasselbe wie Asylbewerber. Schnell hakten andere ein: Der Ort habe kein Problem mit einer Gemeinschaftsunterkunft, nur viele Fragen.

Fahrräder sammeln

Eine von ihnen drehte sich um die Zeitschiene: „Ich hoffe, dass wir schon im Mai Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft unterbringen können“, erklärte Marion Bayan.

Über die Frage nach der Anzahl der Flüchtlinge schlossen Bürgermeister und Fürstenberger am Ende einen Kompromiss. Schließlich dürfe der „demokratisch gewählte Bürgermeister nicht gegen den Willen des Ortes eine höhere Anzahl durchpauken“, befand ein aufgebrachter Zuhörer. 25 Asylbewerber sollen nun im Fürstenberger Hof unterkommen - diese Korrektur soll dem Landkreis als Empfehlung des Magistrats übermittelt werden. Um ihnen bei der Integration zu helfen, wollen die Fürstenberger Fahrräder sammeln.

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