39-Jähriger ist seit Jahren in der Szene aktiv

Razzia gegen Rechte: Thorsten K. wollte 2010 die Korbacher Moschee anzünden

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Mit einem Bransatz wollte 2010 der damals 30 Jahre alte Thorsten K. das Gebäude des türkisch-islamischen Kulturvereins in Korbach beschädigen.

Waldeck-Frankenberg – Die Bundesstaatsanwaltschaft hat am Dienstag Wohnungen in Meineringhausen, Berndorf und im Alten Felde in Korbach durchsuchen lassen. Offenbar waren die Polizisten auf der Suche nach Thorsten K. (39).

Bereits 2010 geriet der Korbacher wegen eines Anschlagversuchs auf die Moschee des türkisch-islamischen Kulturvereins in Korbach in der Gabelsberger Straße ins Visier der Justiz. Der damals erheblich angetrunkene, aber laut Zeugen und ärztlicher Untersuchung keineswegs stark betrunkene, und von der Trennung von seiner Freundin gefrustete Mann hatte vor der Tür der Moschee eine Spiritusflasche in Brand gesetzt. Das Feuerchen brannte folgenlos aus, bezifferbarer Schaden entstand nicht. 

Asche liegt vor der Tür der Moschee: Der von der Trennung von seiner Freundin gefrustete Mann hatte eine Spiritusflasche in Brand gesetzt.

Tatsächlich aber löste die Aktion des in seinem weiteren Umfeld als fremdenfeindlich bekannten Mannes Schaden dadurch aus, dass Unruhe und Ängste in der türkisch-islamischen Gemeinde vor weitergehenden Taten geschürt wurden. Das war offenbar auch die Absicht des damals 30-Jährigen. Das Gericht ging damals jedenfalls davon aus, dass Thorsten K. nicht das Ziel gehabt habe, die Moschee tatsächlich in Brand zu setzen. 

Durch seine kurz vorher geknüpften Kontakte zur Kasseler Neo-Nazi-Vereinigung „Sturm 18“ galt er als ein Mitläufer der rechten Szene, wenn auch nicht als treibende Kraft. Möglicherweise wollte er durch den geplanten Anschlag seinen dortigen Gesinnungsgenossen imponieren. In einem internen Forum der Vereinigung hatte Thorsten K. kurz zuvor seine Tat angekündigt: „Wie viele Moscheen stehen in eurer Stadt?“ fragte ihn ein Mitglied. „Ich wohne direkt neben einer – aber nicht mehr lange“, antwortete er. 

Gefährliche Körperverletzung, Hitlergruß gezeigt

Wegen Störung des öffentlichen Friedens wurde der Korbacher später zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau folgten mehrere weitere Strafverfahren, unter anderem wegen Zeigens des Hitlergrußes, aber auch wegen gefährlicher Körperverletzung. Aber auch zuvor hatte der gelernte Fleischer schon öfter Bekanntschaft mit Justiz und Polizei gemacht: Jugendstrafvollzug, eine frühere Verurteilung und Widerstand gegen die Polizei gingen der Verurteilung im November 2010 voraus.

Direkt vor dem versuchten Anschlag auf die Moschee hatte Thorsten K. Kontakt zur für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigten Kasseler Neonazi-Organisation „Sturm 18“ aufgenommen und in einem Internetforum seine Tat angekündigt. Bis deren Anführer Bernd Tödter 2015 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, sei „Sturm 18“ immer wieder durch teilweise brutale Straftaten aufgefallen, begangen zumeist unter erheblichem Alkoholeinfluss, berichtet die Frankfurter Rundschau. Tödter wurde kürzlich aus dem Gefängnis entlassen.

Rechtsextreme Symbole bei Facebook

Die aktuellen Ermittlungen richten sich gegen sechs Personen, die die „Sturmbrigade“ im vergangenen Jahr als bewaffneten Arm der rechtsextremen „Wolfsbrigade 44“ geschaffen haben sollen – mit dem Ziel, auch gewaltsam für das „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes“ nach dem „germanischen Sittengesetz“ zu kämpfen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Thorsten K. postete schon am 13. Mai 2017 das an NS-Symbole erinnernde Logo der „Sturmbrigade 44“ auf seinem Facebook-Profil. Dort veröffentlichte er auch Symbole der Wolfsbrigade und ein Foto, das einen Skinhead mit Baseballschläger zeigt und die Aufschrift trägt: „Es wird Zeit, dass ihr Ratten uns Deutsche wieder fürchtet!“

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