Vöhl soll sich finanziell am Bau der Bahnhofs-Parkplätze beteiligen · Kritik am Landkreis

Reaktivierung birgt Zündstoff

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Am Bahnhof in Herzhausen werden die Züge in Zukunft wieder häufiger halten. Ob sich die Gemeinde an der Finanzierung der Parkplätze beteiligt, steht derweil noch nicht fest.

Vöhl - Die Bahnstrecke zwischen Korbach und Frankenberg wird reaktiviert, das steht fest. Im Vöhler Parlament wurde nun diskutiert, ob sich die Gemeinde finanziell am Bau der geplanten Park-and-Ride-Plätze beteiligen soll. Die Entscheidung wurde vertagt.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Korbach und Frankenberg hat bereits in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt - und die Entscheidung für die Wiederinbetriebnahme birgt auch weiter Zündstoff.

Sparen und investieren

Die Vöhler Gemeindevertreter wollten in ihrer Sitzung am Montagabend darüber entscheiden, ob sich die Gemeinde finanziell an der Errichtung der geplanten Park-and-Ride-Plätze (P+R) für Autos sowie Bike-and-Ride-Plätze (B+R) für Fahrräder an vier Haltestellen beteiligen soll. Einem Schreiben des Landkreises zufolge sind demnach für Vöhl geplant:

l Haltepunkt Herzhausen: 20 P+R-Plätze, zehn B+R-Plätze, eine Bushaltestelle und eine Fahrgastwartehalle;

l Haltepunkt Schmittlotheim: 20 P+R-Plätze, zehn B+R-Plätze, eine Bushaltestelle und eine Fahrgastwartehalle;

l Haltepunkt Ederbringhausen: 20 P+R-Plätze, zehn B+R-Plätze;

l Haltepunkt Thalitter: 20 P+R-Plätze, zehn B+R-Plätze.

Die Gesamtkosten werden auf 753 000 Euro geschätzt, nach Abzug der Zuwendungen bliebe für die Gemeinde Vöhl ein Eigenanteil von etwa 96 000 Euro. Der Landkreis bittet darum, die Errichtung oder Modernisierung der Anlagen im nächsten Jahr umzusetzen. Im Raum steht auch, dass der Kreis die Hälfte des Eigenanteils der Gemeinde übernimmt, Vöhl müsste dann etwa 48 000 Euro beisteuern.

Dass die Gemeinde überhaupt finanziell miteinbezogen werden soll, dafür fehlt vielen Abgeordneten das Verständnis. „Wer die Musik bestellt, bezahlt. Das gilt auch für den Landkreis“, brachte Hermann Kubat (CDU) seine Meinung zum Ausdruck. Seit 40 Jahren vermisse keiner die Strecke, die sich selbst auf das Abstellgleis fahren werde.

Die Kritik vieler Parlamentarier bezieht sich vor allem auf Aussagen aus dem Kreistag, wonach die betroffenen Gemeinden im Zuge der Reaktivierung der Bahnstrecke nicht zusätzlich belastet werden sollten. Nun solle Vöhl einerseits für die Haltepunkte Geld ausgeben, werde aber andererseits vom Landkreis zum Sparen und zu Steuererhöhungen aufgefordert.

Deshalb betrachtet Dr. Sven Bökenschmidt (SPD) die Angelegenheit mit gemischten Gefühlen. Die Forderung des Landkreises schmecke ihm nicht, doch es gehe jetzt darum, eine gute Infrastruktur zu schaffen, um in Zukunft von der Bahnstrecke profitieren zu können.

Zu viele offene Fragen

Dass in Zukunft wieder Züge zwischen Korbach und Frankenberg fahren werden, bezeichnete Gerhard Henkel (Grüne Liste) als Glücksfall, dass es in Vöhl vier Haltepunkte geben werde, gar als „Oberglück“. Dies sei ein Vorteil gegenüber anderen Gemeinden. Doch auch er sehe das Dilemma, in welchem sich die Gemeinde befinde. Die Grüne-Liste-Fraktion forderte daher in einem Antrag neue Berechnungen vom Ingenieurbüro. Denn - und da waren sich die Parlamentarier weitestgehend einig - in Herzhausen gebe es bereits einen Parkplatz für Autos und in den drei weiteren Orten würde auch die Hälfte der anvisierten P+R-Plätze genügen. FWG, CDU und FPD hatten gemeinsam den Antrag gestellt, sich nicht an den Investitionen zu beteiligen.

Nach einer Sitzungsunterbrechung einigten sich dann alle Abgeordneten auf eine Verschiebung der Entscheidung. Zu viele Dinge seien noch ungeklärt, so Heinrich Heidel (FDP) stellvertretend. Angestrebt wird ein Gespräch mit dem Landkreis, der Kurhessenbahn, dem Nordhessischen Verkehrsverbund und EWF. Ist auch eine abgespeckte Form denkbar? Was wird aus dem Bus- und AST-Verkehr? Und vor allem: Wo genau hat die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen? Denn viele der Abgeordneten befürchten, dass der Vöhler Bauhof den Winterdienst auf den geplanten Parkflächen zusätzlich nicht gestemmt kriegt.

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