Hallenbad: Spannung vor interner Sondersitzung des Parlaments · Millionenschwere Folgekosten

Rechtsstreit wird noch Jahre dauern

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Moderner und attraktiver präsentierte sich das Hallenbad im Frühjahr 2012, doch das Bad liegt noch immer still.

Korbach - Die Debatte ums Hallenbad elektrisiert weiter Politik und Bürger in Korbach. Hinter den Kulissen ist von millionenschweren Zusatzkosten für das sanierte Bad die Rede. Offene Frage: Wer bezahlt?

Vier Millionen Euro, fünf Millionen - wer bietet mehr? In politischen Zirkeln der Hansestadt mutet die Hallenbad-Debatte an wie die Versteigerung in einem Auktionshaus. Und mancher meint, das frisch sanierte und seit April 2012 leer stehende Bad müsste am besten noch mal neu gebaut werden.

Dies ist wohl weder wirtschaftlich noch politisch vertretbar. Zumal die Hansestadt den Gürtel derzeit noch enger schnallt, um Löcher im Etat zu reduzieren. So herrscht vor der internen Sondersitzung des Parlaments am 26. November zum Hallenbad große Spannung,

Statt der ursprünglich geplanten rund acht Millionen Euro wird die im Frühjahr 2012 abgeschlossene Sanierung längst auf rund zehn Millionen Euro taxiert. Auch wenn eine Schlussrechnung bislang noch nicht öffentlich auf den Tisch kam.

Sicher scheint auch, dass Nachbesserungen, Beseitigung von Fehlern und Schäden millionenschwere Folgekosten nach sich ziehen. Rostender Edelstahl in den Becken, Einbau von Blitzschutz an der Riesenrutsche, Austausch von Fliesen und fehlende Wasserabläufe in den Umkleiden sind dabei wohl die geringsten Schwierigkeiten.

Deutlich dickere Brocken sind Bädertechnik und Hygiene, die Professor Hans-Martin Seipp (Gießen) von der Technischen Hochschule Mittelhessen unter die Lupe genommen hatte. Der Experte war im Auftrag des Badbetreibers Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) aktiv - und bescheinigte bei einer öffentlichen Sondersitzung des Parlaments im März 2013 ein technisches Fiasko bei der Sanierung des Hallenbads.

Fehler bei der Installation sind laut Seipp auch Ursache für die Keimbelastung (Pseudomonas aeruginosa), die im April 2012 zur abrupten Schließung des frisch sanierten Hallenbads führte.

Ob Fliesen, Edelstahl, Mängel bei der Beckenbeleuchtung oder Bädertechnik: Auf unterschiedlichsten Feldern hat EWF gerichtliche „Beweissicherungsverfahren“ angestrengt. Die sollen vor allem den beauftragten Generalplaner aus Gotha in die Pflicht nehmen, für Fehler und Schäden aufzukommen. Im Widerstreit muss das Landgericht Kassel dabei erneut Gutachter bestellen, deren Ergebnisse dann Grundlage im weiteren Verfahren werden: Wer trägt die Schuld fürs Fiasko - und wer die Kosten?

Nach WLZ-Informationen gibt es derzeit beispielsweise noch juristisches Tauziehen um eine Begutachtung aus Sicht der Berufsgenossenschaft. EWF hatte schlechte Arbeitsbedingungen beklagt, etwa durch hohe Temperaturen am Arbeitsplatz und erschwerte Badeaufsicht. Dies verlange mehr Personal.

Das bislang vorliegende Gutachten dazu wertet dies aber offenbar milder. Zwist gibt es darüber hinaus um einen gerichtlich zu bestellenden Hauptgutachter zu Bädertechnik und Hygiene.

Aber erst wenn dieser Gutachter bestellt ist und seine Untersuchung abgeschlossen hat, kann die Sanierung der Sanierung im Hallenbad wirklich umgesetzt werden. Dies wird sich nach letzten Schätzungen bis ins Jahr 2015 hinziehen.

Völlig offen bleibt dann noch, wer am Ende für Schäden und Beseitigung aufkommt. Dieser Streit könnte Jahre dauern. Bis zu einem Urteil wird EWF als Auftraggeber und Betreiber des Bades wohl die Kosten vorstrecken, der Stadt jährlich in Rechnung stellen - und die wird versuchen, den Generalplaner in Regress zu nehmen.

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