Vöhl

Regenwasser wird getrennt berechnet

- Vöhl (resa). Die Gemeindevertreter hatten keine Wahl: Weil der Verwaltungsgerichtshof die alte Ordnung für unzulässig erklärte, müssen die hessischen Kommunen künftig Schmutzwasser- und Regenwasserentsorgung separat abrechnen.

Wenn es regnet, dann hat das Abwassersystem viel zu tun. Das kostet Geld. Bisher bezahlten Verbraucher diese Kosten mit ihrem Schmutzwasser, das am Frischwasserverbrauch gemessen wird. Ein Beispiel: Supermärkte haben keinen hohen Wasserverbrauch, zahlten also auch verhältnismäßig wenig Gebühren. Große Parkplatzflächen und Dächer aber, in denen kein Wasser versickert, machten dem Kanalsystem viel Arbeit. Dieser Faktor wurde bisher bei der Gebührenberechnung aber nicht beachtet. Alle Häuser werden erfasst Das sei nicht zulässig, erklärte der Hessische Verwaltungsgerichtshof im September vergangenen Jahres und verdonnerte die Kommunen dazu, Schmutzwasser und Regenwasser künftig getrennt abzurechnen. Das soll für mehr Gerechtigkeit sorgen, schlägt aber gleichzeitig ein großes Loch in die öffentlichen Kassen. Denn der Aufwand ist immens, das stellten die Vöhler Parlamentarier während ihrer Sitzung am Montagabend fest. Schon im Frühjahr sollen nämlich alle Flächen in der Gemeinde überflogen werden. Aus dem Flugzeug werden dreidimensionale Fotos gemacht, die bei der Feststellung versiegelter und nicht versiegelter Flächen helfen sollen. Die Kosten dafür wollen sich die Kommunen Diemelsee, Diemelstadt, Edertal, Frankenau, Lichtenfels, Waldeck, Willingen und Vöhl teilen. Dabei ist außerdem die Zusammenarbeit mit einem Dienstleistungsunternehmen geplant, das den Kommunen von Anfang die Arbeit abnehmen soll: Neben den Flugzeugfotos soll auch die Auswertung der Bilder, die Erstellung von Fragebögen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Kalkulation der Gebühren in ihre Hände gegeben werden.

Rund 70 000 Euro kostet die Aktion die Gemeinde Vöhl – trotz der Zusammenarbeit mit anderen Kommunen. „Wir kommen nicht drum herum“, betonte Bürgermeister Harald Plünnecke, „das Gesetz will es so“. Einstimmig beschloss die Versammlung dann auch das neue Prinzip, nicht ohne Schwachstellen zu benennen. So wies die FWG auf die Nachteile für die Landwirte hin, die durch große Stallflächen eher zu den Leidtragenden der Splittung gehören. Außerdem bedeute die zusätzliche Investition, ein neues Loch im Haushalt, stellte Hans-Joachim Dohl von der FWG fest. „Es wird also teurer, weil es keine billige Lösung gibt“, erklärte er. Bürgermeister Harald Plünnecke betonte aber: „Es ist keine zusätzliche Gebühr, die wir hier erfinden, sondern nur ein Splitting der bestehenden Gebühr“. Langfristig gesehen, seien dennoch die Gebührenzahler die Leidtragenden. Denn sie müssten die unwillkommene Investition am Ende mittragen. Im kommenden Jahr aber wolle die Gemeinde die Abwassergebühren noch nicht erhöhen. Künftig lohnt sich dann ein zweiter Blick auf die Gebührenabrechnung und die Überlegung, das Regenwasser in Zisternen aufzufangen.

Mehr dazu lesen Sie in der Waldeckischen Landeszeitung und der Frankenberger Zeitung von Mittwoch, 10. November 2010.

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