Detlef Schmidt stellt Diemelseer Gemeindevertretern die aktuellen Windvorrangflächen vor

Regionalplaner bekommen Gegenwind

Diemelsee - Die Planungen für neue Windräder in Hessen und Westfalen sorgten am Freitag für Diskussionen im Diemelseer Parlament.

Weihnachtlicher Friede wollte sich vorerst nicht einstellen bei der letzten Sitzung der Gemeindevertreter in diesem Jahr. Die etwa 50 Zuschauer in der Walmehalle verfolgten eine lebhafte Debatte um neue Standorte für Windräder. Der Planer Detlef Schmidt vom Büro für Freiraum- und Landschaftsplanung aus Grebenstein stellte die Diemelseer Windvorrangflächen vor, wie sie die nordhessische Regionalversammlung im zweiten Entwurf des Teilregionalplanes Energie“ beschlossen hat – die WLZ berichtete mehrfach. Einzelheiten würden erst bekannt, wenn der Plan ab Februar 2015 öffentlich ausgelegt werde, betonte er. Zwar ist eine Fläche bei Rhenegge aus dem Plan herausgefallen, eine weitere zwischen Adorf und Vasbeck wird verkleinert, wodurch einige bestehende Räder nicht erneuert werden dürfen. Doch dafür sind 287 Hektar am „Hohen Rade“ dazugekommen, weil das Wetterradar bei Flechtdorf verlegt werden soll. Außerdem planten die Arnsberger Bezirksregierung und die Stadt Marsberg die Ausweisung von Flächen, sagte Schmidt. Für den Mengeringhäuser Stadtwald und Marsberger Gebiete im Roten Land seien schon Bauanträge für Windräder gestellt. Auf Wunsch des Gemeindevorstands führte Schmidt die aktuellen hessischen und westfälischen Planungen auf einer Karte zusammen, sie verdeutlicht die Gesamtbelastung. Gerade um Vasbeck gibt es eine Ballung von Standorten. Dies sei „mittelerweile unzumutbar“, rief Jutta Franke von der SPD, sie warnte vor einer drohenden „Umzingelung“ ihres Dorfes. Zwar hat die Regionalversammlung als Kriterium einen Maximal-Radius festgelegt, fraglich sei aber, ob länderübergreifende Planungen dabei berücksichtigt würden. Der Marsberger Rat habe die Arnsberger Planungen in seiner Stellungnahme am Donnnerstag abgelehnt, berichtete Franke. „Es ist zwingend notwendig, sich mit Marsberg zusammenzuschließen.“ Sie habe eine Einladung der SPD-Fraktion erhalten, sie rief ihre Kollegen auf, ebenfalls den Kontakt zu den Rats-Fraktionen zu suchen. Die Marsberger hätten betont: „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Auch die Gemeinde Diemelsee habe eine negative Stellungnahme abgegeben, berichtete Bürgermeister Volker Becker. Er monierte, dass die Regionalplaner „die Grenze im Kopf“ hätten, zwischen Kassel und Arnsberg sei „die Abstimmung schlecht“. Auch der Naturpark Diemelsee mit seinen fünf Kommunen wolle gemeinsame Stellungnahmen zu den Planungen in beiden Ländern abgeben. Robert Erlemann von der FWG sieht die Planungen skeptisch: „Wir haben ein rechtsstaatliches Verfahren, aber wer mit Geld kommt...“ Im Abstand von 1000 Metern sollen um Siedlungen keine Windräder gebaut werden. Erlemann fragte, ab wo dies gemessen werde. Die Vorrangflächen würden im Regionalplan nur grob dargestellt, berichtete Schmidt. Viele Detailfragen sollten erst im Baugenehmigungsverfahren für einzelne Standorte geklärt werden – auch naturschutzrechtliche wie das Vorkommen seltener Vogelarten. Am „Hohen Rade“ verzeichne der Teilregionalplan schon einen Schwarzstorch-Horst. Weitere Vogel-Gutachten stünden aber noch aus. „Schade, dass Sie es so negativ darstellen“, sagte FDP-Fraktionschef Reinhold Kahlhöfer-Köchling zu Schmidt. Es gebe in der Gemeinde auch Befürworter der Windkraft. Schmidt erinnerte an den ablehnenden Mehrheitsbeschluss der Gemeindevertreter zum ersten Plan.Becker kündigte für Anfang 2015 Informationen für die Ortsbeiräte an. Er rief alle auf, sich frühzeitig Gedanken um die im Frühjahr anstehende neue Stellungnahme der Gemeinde zu machen. Falls erforderlich, werde sie dazu auch eine Sondersitzung einberufen, sagte Parlamentschefin Hannelore Behle. Von Dr. Karl Schilling

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