Erfolgreiche Bilanz für Verein: 4200 Hektar Wiesen gesichert

Rehkitze in Waldeck-Frankenberg vor dem Mähtod bewahrt

Rehkitze flüchten nicht vor den Mähwerken, sondern ducken sich noch mehr ins Gras, dadurch können sie oft nicht wahrgenommen werden. Die Kitzretter wollen das verhindern.
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Rehkitze flüchten nicht vor den Mähwerken, sondern ducken sich noch mehr ins Gras, dadurch können sie oft nicht wahrgenommen werden. Die Kitzretter wollen das verhindern.

Ein grausamer Anblick: Immer wieder werden Rehkitze bei der Mahd getötet. Der Verein Kitzretter will das verhindern – und verleiht seit einigen Jahren sogenannte Vergrämer an die Landwirte in Waldeck-Frankenberg.

Korbach – Wegen der Corona-Pandemie war die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in diesem Jahr besonders schwierig: „Die Mahd ist mitten in die Kontaktbeschränkungen gerückt“, sagt Constanze Schöttler, Vorsitzende der Kitzretter. Die Wiesen mit mehreren Helfern abzusuchen, war diesmal nicht möglich.

Doch der Verein hat noch andere Maßnahmen in petto. Das wichtigste Werkzeug der Kitzretter ist der Vergrämer: Im Schnitt werden für eine Fläche bis zu 15 Geräte gebraucht. Durch akustische und optische Signale, in willkürlichen Zeitabständen und mit unterschiedlicher Signaldauer, hält der Vergrämer Wild von den Flächen fern. Die Rehmutter wird dadurch aufmerksam und holt ihr abgelegtes Kitz von der Wiese.

„Wir haben in diesem Jahr sehr viele neue Geräte angeschafft“, sagt Schöttler. Mittlerweile hat der Verein insgesamt 280 Vergrämer auf zehn Standorte im Landkreis verteilt. Dort können sich Landwirte die Geräte abholen und auf ihren Wiesen aufstellen. Zusätzlich haben Landwirte und Jäger eigene Vergrämer gekauft. „So sind mindestens 50 weitere im Einsatz“, schätzt Schöttler.

Zusätzlich verfügen die Kitzretter über drei Wärmebildkameras: „Damit sieht man Wärmequellen bis zu einen Kilometer ins Feld hinein.“ Die im hohen Gras abgelegten Kitze lassen sich so schnell orten. Schließlich besitzt der Verein auch eine Drohne mit einer Wärmebildkamera. „Die war dieses Jahr aber nicht im Einsatz“, sagt Schöttler.

Wieder seien einige Landwirte neu hinzugekommnen, berichtet die Vorsitzende: „Wir haben uns die Flächen angeschaut und ausgemessen und den Landwirten gezeigt, wie sie die Vergrämer aufstellen müssen.“ Die Kitzretter planen außerdem ein Lehrvideo für Landwirte und Jäger. Die Zusammenarbeit laufe gut, die Arbeit des Vereins werde geschätzt: „Uns war es von Anfang an wichtig, einen guten Kontakt zur Jägerschaft und den Landwirten zu pflegen. Sie kennen ihre Reviere, ihre Flächen und häufig sogar den Wild-Bestand – dies ist für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert“, so die Vorsitzende.

Die Bilanz der Saison 2020: Nur zehn Mähunfälle auf 4200 Hektar. „Das ist weniger als im Vorjahr, obwohl die Fläche diesmal größer war“, sagt Schöttler. 2019 waren es 18 verletzte Tiere auf 4000 Hektar. Ein weiterer Erfolg für den Verein. Dennoch: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.“

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