Branche schildert in offenem Brief dramatische Lage

Reisebüros: Kein Neugeschäft, Provisionen entfallen rückwirkend 

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Hofft auf Hilfe von Land und Bund: Britta Wolf, Inhaberin des Tui Reisecenters in Korbach, leidet wie andere Reisebüro-Inhaber unter der derzeitigen Situation. 

In einem offenen Brief an die Bundesregierung machen Reisebüro-Organisationen auf ihre derzeitige Lage aufmerksam: Sie dürfen zwar öffnen, haben aber nichts zu verkaufen, außerdem müssten sie unzählige Reisen kostenlos stornieren, schreiben sie.

Für die Inhaber bedeutet das: keine neuen Buchungen, und Provisionen aus früheren Buchungen entfallen rückwirkend.

„Wir arbeiten Vorgänge derzeit rückwärts ab“, sagt Britta Wolf, Inhaberin des Tui Reisecenters in Korbach. „Und wir verdienen dabei kein Geld.“ In den vergangenen beiden Monaten, so schätzt sie, habe sie einen Verlust von rund 25 000 Euro gemacht. Sie allein schaffe die gesamten Stornierungen nicht, deshalb würden auch Kolleginnen mit daran arbeiten. Personalkosten hat sie also weiterhin. Derzeit zahle sie alles selbst.

"Erlöse und Gewinne rückwirkend vernichtet"

Die Situation für stationäre Reisebüros sei „besonders dramatisch“, denn man bekomme die Pandemie „deutlich stärker, länger und auf unterschiedlichen Ebenen zu spüren“, schreiben die Absender im offenen Brief, der an die Bundesregierung verschickt wurde. Denn: Nicht nur das Neugeschäft fehle komplett, auch die bereits vor „Monaten erarbeiteten Erlöse und Gewinne werden gerade rückwirkend vernichtet“. 

Durch die derzeit laufenden Beratungen, beispielsweise über Gutscheine und zu Stornierungen würden „umfangreiche Serviceleistungen“ erbracht, die nicht vergütet würden. „Im Gegenteil: Für die notwendige Manpower werden genau die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebraucht, die eigentlich in Kurzarbeit sind“, steht es im Brief.

Noch drastischer wird sich die Situation durch die Verlängerung der Reisewarnung ins Ausland bis mindestens Mitte Juni entwickeln, wie sie am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossen wurde.

"Den Menschen ein bisschen Hoffnung geben"

Britta Wolf unterstützt den offenen Brief. Sie betont: Um dem Anliegen weiteren, auch öffentlichen, Nachdruck zu verleihen, soll es weitere Demonstrationen geben. Am Flughafen Paderborn hat sie bereits protestiert.

Denn während es in anderen Branchen langsam wieder möglich sei zu arbeiten, werde das bei der Reisebranche sehr lange dauern, so die Vermutung. Denn auch wenn die Entwicklung in Deutschland positiv sei, bedeute das nicht, dass dies auch für beliebte Reiseländer gelte. Dabei, so sagt Britta Wolf, würden die Fallzahlen doch sinken, man solle „den Menschen ein bisschen Hoffnung geben“. Alles in allem treffe die Corona-Krise „den stationären Reisevertrieb deutlich existenzbedrohender als andere Branchen“, schreiben die Branchenvertreter an die deutsche Politik.

Reisebüros bieten Sicherheit

Müssten die Reisebüros schließen, habe das auch Auswirkungen auf die Kunden, sagt Britta Wolf. Denn die Büros würden auch viele Sicherheiten bieten, und das vor, während und sogar noch nach den Urlauben, sagt sie. Vielen Kunden sei nicht bewusst, dass sich Vieles, was online gebucht werde, in einem rechtsfreien Raum abspiele. „Wir kümmern uns dagegen um fast alles.“

Die Branche hofft nun auf „staatlich abgesicherte Gutscheine als Lösung zur vorübergehenden Liquiditätshilfe“ und einen staatlichen Hilfsfonds. „Die Zeit drängt,“ mahnen die Verfasser.

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