Seit 50 Jahren Hausmusik an der Alten Landesschule · Instrumentalisten bestimmen vielfältiges Progra

Reizvolle Kontraste erfrischen die Ohren

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Eigenständige Interpretation von Adeles „Someone like you“: Rhiannon Peel begleitete Hanna Graß am Piano.

Korbach - Von zarten Bemühungen bis zum reifen Ausklang auf höchstem Niveau reichte das Spektrum beim Hausmusikabend der Alten Landesschule.

Vor 50 Jahren hatte Hans Hermann Thiele die Hausmusikabende an der Alten Landesschule ins Leben gerufen, zum Jubiläum saß der Gründervater der seitdem zur Institution gewordenen Konzerte im Publikum.

In seiner Ansprache verwies Direktor Robert Gassner darauf, dass der ganzheitliche Anspruch, für die Konzerte stehen, nach wie vor wirksam ist. Die Schüler sollen nicht nur fachliche Kenntnisse erwerben, sondern über den Umgang mit den Instrumenten und das Spielen vor Publikum auch menschlich reifen, um im weiteren Lauf ihres Lebens als Interpreten wie als Zuhörer zum Erhalt der musikalischen Kultur beitragen zu können.

Das Programm des Jubiläumskonzerts war ein wenig aufgelockerter als in früheren Jahren. Der Pianoblock fiel aus, stattdessen erfreute ein bunter Wechsel zwischen Klavierkompositionen und Werken für Akkordeon, Gitarre, Violine oder Waldhorn das Publikum und erfrischte die Ohren mit reizvollen Kontrasten und aufeinanderfolgenden Höhepunkten aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen.

Lara Brand (6a) eröffnete den Reigen an den Tasten mit „Unchained Melody“ von Alex North, Laura Alin Fissler (5e) folgte auf sechs Saiten mit einer schwermütigen „Spanischen Romanze“, die Mitte der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts mal als „Le Reve“ mit dem Gitarristen Ricky King in den Charts gewesen war.

Mit Joseph Haydns munterem „Scherzo“ für Klavier sprang Rahel Kor (5e) zurück in die Klassik. Mit einer überaus gelungenen Klavierfassung von Michael Kamens „I do it for you“ erfreute Naomi Hartmann (6a) die Zuhörer, zumal sie bei ihrer Interpretation die Variationen des Themas des Robin-Hood-Films abwechslungsreich und mit Sinn für Dynamik gestaltete.

Pia Göbel (6e) bewältigte Ludwig van Beethovens anspruchsvolle „Sonatine G-Dur“ mit viel Nervenstärke. Etwas Melancholie mit viel tänzerischem Verve zeichnete Antonia Emdes (7c) Akkordeon-Version des russischen Volkslieds „Tumbalalayka“ aus. Isabella Kuhn (7b) entführte das Publikum mit Edvard Griegs stimmungsvollem „Notturno (Op. 54/4)“ in den hohen Norden und erwies sich bis zum letzten Triller als feinsinnige Interpretin des großen Romantikers.

Muntere Waldhornklänge von Matthis Holzkamp (7a) entführten Eltern, Schüler und Lehrer in eine vollkommen andere musikalische Welt. Richtig rockig und rau an den richtigen Stellen klang Lina Benndorfs (9a) Piano-Fassung des Nickelback-Hits „How you remind me“ im Arrangement von Robert Francis.

Das „Siciliano“ von Gian-Battista Pergolesi mit Pascal Eiselt (6e) am Bogen und Torben Schott (9d) an den Tasten sprach bei den gebannt lauschenden Zuhörern ganz andere Saiten an, gehörte aber trotz des denkbar großen Kontrastes ebenfalls zu den Glanzlichtern des Hausmusikabends.

In Sachen Beifall setzten anschließend Isabella und Alexandra Kuhn mit dem vierhän­digen „Polka-Rag a-Moll“ und ihrer rhythmisch-mitreißenden Interpretation­ eine neue Bestmarke. Tänzerischer Schwung bestimmte auch die „Tango-Impressionen in a-Moll“ von Gerald Schwertberger, mit denen Tim Schens (6b) mit lateinamerikanischen Rhythmen beim Thema blieb.

Zeit zum Träumen und Gelegenheit zum Schwärmen bot Judith Schultzes (10c) Interpretation von Ludovico Einaudis atmosphärischen „Giorni dispari“.

Rhiannon Peel begleitete Hannah Graß bei der einzigen Gesangseinlage in diesem Hausmusikprogramm: „Someone like you“ von Adele, wobei die junge Sängerin bei der Textausdeutung mit dem überaus zarten Beginn durchaus eigene Akzente setzte und erst beim Refrain die volle Gewissheit zum Ausdruck brachte.

Filigrane Gitarrenkunst mit bestechender Virtuosität kennzeichnete das Spiel von Raphael Plutz (11d), der mit Mauro Giulianis „Variationen über La Follia“ und Johann Sebastian Bachs „Präludium in d-Moll“ die Zuhörer in seinen Bann zog. Und ehe Leah Hann (Qd) mit Petro Locatellis D-Dur-Caprice „Labyrinth“ ein virtuoses Feuerwerk mit dem Bogen abbrannte, gönnte Rieke Mina Wolff (11d) dem Publikum mit Claude Debussys „Clair de Lune“ noch eine verträumte Verschnaufpause.

Leah Hann ließ Locatellis rasante Steigerungskurve hauchzart ausklingen und beendete ihren Auftritt mit einem unvergesslichen Moment. In dieselbe Kategorie fällt auch Torben Schotts reife, rhythmisch-dynamische Interpretation von Sergej Rachmaninoffs „Präludium g-Moll“, mit der dieser Hausmusikabends an der Alten Landesschule auf höchstem Niveau ausklang.

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