Korbach

Rettende Idee kam im Schlaf

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- Korbach (den). Mit unorthodoxen Methoden kämpfen die Menschen in Fukushima gegen den atomaren Supergau. Das Vorgehen, Löcher im Reaktor mit Flüssigglas zu stopfen, kommt dem Korbacher Michael Mohr bekannt vor.

Ob Mohr tatsächlich derjenige war, der den Tipp gab, wie das verstrahlte Wasser im Reaktor eingedämmt werden kann, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Trotzdem: Der gebürtige Frankfurter, der „der Liebe wegen“ nach Korbach zog, hat genau das Vorgehen, das in Japan derzeit umgesetzt wird, per E-Mail vorgeschlagen.

Der gelernte Elektrotechniker hatte im Schlaf einen Geistesblitz. Warum können die Löcher im Behälter denn nicht mit Flüssigglas gestopft werden? Mohr hatte während seiner Tätigkeit als Schmelzmeister mit dem Material gearbeitet und kannte deshalb die Möglichkeiten. „Wir hatten diese Art Zwei-Komponenten-Kleber eingesetzt, um Löcher im Schmelztiegel zu schließen. Das hat sehr gut funktioniert. Anschließend hatten wir immer einige Wochen Zeit, das Loch zu behandeln“, erzählt Mohr.

Am Morgen nach dem nächtlichen Aha-Erlebnis besprach er die Idee beiläufig mit seiner Frau Jennifer und recherchierte noch einmal im Internet. „Ich habe dann eine lapidare E-Mail an das japanische Konsulat in Frankfurt geschickt, zwei Stunden später erhielt ich bereits ein Dankesschreiben“, erinnert er sich. „Wir danken Ihnen für ihre Mithilfe“, hieß es darin.

Am Mittwoch rief ihn ein Mitarbeiter an und bedankte sich erneut bei ihm. „Ich bin stolz ohne Ende, dass das schwere Wasser erst mal eingedämmt ist“, freut sich Mohr und grinst. „Wir haben verschiedene Ideen von einzelnen Bürgern erhalten und leiten diese dann nach Japan weiter“, erklärt Jiro Nishimula auf WLZ-FZ-Nachfrage das Vorgehen in Frankfurt. Der stellvertretende Generalkonsul freut sich über die Hilfe und Vorschläge der Deutschen. Ob wirklich Michael Mohr der Stein des Anstoßes war oder ob die japanische Regierung einen bereits existierenden Notfallplan aus der Schublade gezogen hat, kann er allerdings nicht mehr nachvollziehen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 09. April.

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