Wärme aus der Nähe: Jochen Lind baut ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk

Rhadern wird neu eingeheizt

Lichtenfels-Rhadern - Nahwärme aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz soll es bereits ab 2014 in Rhadern geben. Wenn genug Interesse besteht, wird das Nahwärme-Projekt auf den ganzen Ort ausgeweitet.

Müssen alte Heizungen ausgetauscht werden, stellt sich schnell die Frage, welches neue Heizsystem und welcher Heizstoff sich für die kommenden zwei, drei Jahrzehnte bezahlt macht. Öl, Gas oder Holz, zentral oder dezentral? Für Jochen Lind in Rhadern ist die Antwort klar: Er möchte im nördlichen Teil des Lichtenfelser Ortsteils ein dezentrales Nahwärmenetz aufbauen. Dazu soll in der Nähe des Pflegezentrums Lichtenfels eine Heizzentrale gebaut werden. „Sie wird mit zwei Holzvergaser-Blockheizkraftwerken und drei Hackschnitzelheizungen ausgestaltet“, erklärt Jochen Lind. „Alle Anlagen laufen unabhängig voneinander und werden ausschließlich mit Holzhackschnitzeln aus heimischen Wäldern bestückt“, erklärt der Verfahrenstechniker. Dabei ist geplant, die Hackschnitzel selbst herzustellen und für den Einsatz in der Anlage zu trocknen. Angeschlossen werden sollen dort rund zehn Haushalte in der Park- und Lichtenfelser Straße sowie „Zum Mainholz“, das Pflegezentrum und der Reiterhof Lind. Die Vorbereitungen und Planungen sind so weit gediehen, dass sich eine Gesellschaft gründen und mit dem Bau der Anlage bereits im kommenden Jahr begonnen werden kann, sagt Lind. Er rechnet damit, dass in den Holzvergaser-Blockheizkraftwerken (BHKW) jährlich rund 650 000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt werden. Außerdem sollen dem Nahwärmenetz pro Jahr rund 1500 Megawattstunden (Mwh) thermische Energie zur Verfügung gestellt werden. „Die jährliche Heizöleinsparung beträgt somit rund 150 000 Liter“, betont er. Das Zentrum wird eine Fläche von 52 mal 40 Meter haben, auf dem Dach sollen Photovoltaik­anlagen und eine Wasser-Solaranlage installiert werden. Damit es in die Landschaft passe, spiele Holz nicht nur für die Energiegewinnung eine Rollen, sondern auch beim Bau des Zentrums. Kosten sollen den Haushalten, die sich an das Nahwärmewerk anschließen lassen, nicht entstehen, die bestehenden Heizungen könnten im Regelfall bleiben, betont Lind, der einen langjährigen Versorgungsvertrag anstrebt. Es werde lediglich eine kostenfreie Übergangsstation installiert, die den Wärmebedarf der einzelnen Häuser abdecke, erklärt er das Prozedere. Die Heizkosten sollen rund 25 Prozent unter denen von Ölheizungen liegen, die mit derzeit zwölf bis 14 Cent pro kWh zu Buche schlagen. Anvisiert ist auch, „In den Öhren“ in Rhadern eine zweite, kleinere Heizzentrale zu bauen, die die Straßen „In den Öhren“, „Am Eichhof“, „In den Aspen“ und „Lichtenfelser Straße“ ab Hausnummer 21 sowie die Fürstenberger Straße und Teile der Straße „Am Backhaus“ erreicht. Dort könnten 325 000 kWh Strom und 900 000 kWh thermische Energie erzeugt werden. Ob die Zentrale gebaut werde, hänge vom Interesse der Rhaderner ab, erklärt Lind. Um das Nahwärme-Projekt allen Interessierten in Rhadern vorzustellen, soll Mitte August eine Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. Der genaue Termin wird in WLZ-FZ noch bekannt gegeben.

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