Landrat Kubat zeigt sich gegenüber Eltern und Schulleitung gesprächsbereit

Rhena will Zukunft für Grundschule

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Stellt sich der Schulgemeinde: Landrat Dr. Reinhard Kubat (links) in der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena.

Korbach-Rhena. - Keine Bestandsgarantie, aber: Bei einem Besuch in der Grundschule Rhena hat Landrat Dr. Reinhard Kubat am Montag Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Mit so vielen Menschen hat Kubat offenbar nicht gerechnet: Der Landrat steht gut 60 Eltern, Schülern und Unterstützern der Astrid-Lindgren-Schule gegenüber, die sich im Klassenraum zwischen Stühlchen und Tischen drängen. In der ohnehin engen Zwergschule scheinen die Wände noch etwas dichter zusammenzurücken. Die Luft ist stickig, die Atmosphäre drückend.

„Noch nicht zu spät“

Auch Kubat wird es warm. „Es ist vielleicht ja noch nicht zu spät“, beschwichtigt er mit rotem Kopf. Und: „Am 19. Dezember wird keine Entscheidung gegen Rhena oder eine andere Schule getroffen.“ Dann nämlich steht der Schulentwicklungsplan erneut auf der Tagesordnung des Kreistags.

Gut einen Monat, nachdem die Schließungspläne öffentlich wurden, beginnen nun erste Gespräche zwischen Landkreis, Eltern und Schulleitung. Das hätten sich die Rhenaer viel früher gewünscht:

Das Ergebnis eines vom Eigenbetrieb Gebäudemanagement des Landkreises in Auftrag gegebenen Gutachtens traf sie unvorbereitet wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Bauexperten hatten einen „unabweisbaren Sanierungsbedarf“ festgestellt. Der Eigenbetrieb kalkuliert mit Kosten von rund 915 000 Euro – unter anderem für den Brandschutz.

Rhenaer zweifeln Zahlen an

Die Rhenaer kritisieren nicht nur, dass sie nicht frühzeitig informiert wurden, sie zweifeln auch diese Zahlen an. „Ich bin kein Baufachmann, ich kann das nicht überprüfen und muss das erst einmal so hinnehmen. Ich erlaube mir, dazu kein abschließendes Urteil zu bilden“, sagt Kubat. Er müsse aber die Sicherheitsfragen ernst nehmen: „Denn wenn etwas passiert, trage ich die Verantwortung.“

„Wenn der Brandschutz tatsächlich so im Argen liegt, müsste man die Schule noch heute schließen“, entgegnet Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich. Er fordert den Landkreis auf, das Gutachten öffentlich zu machen:

„Der Eigenbetrieb muss transparent und deutlicher an die Zahlen herangehen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass hier etwas totgerechnet wird.“

Schulleiterin Mareike Bangert erinnert an den im Frühjahr mit dem Landkreis gefundenen Kompromiss, den Standort in einem Verbund mit der Westwallschule bis 2017 zu sichern, wenn die Schülerzahl von 26 Kindern nicht unterschritten wird: „Daran wollen wir festhalten.“

Elternsprecher Matthias Wiechmann übergibt schließlich eine Liste mit 362 Unterschriften aus Rhena, Alleringhausen und Bömighausen an den Landrat. „Das Ziel muss nicht nur sein, die Schule bis 2017 zu erhalten, sondern darüber hinaus“, sagt der Elternsprecher. Andere Landkreise zeigten, dass es möglich sei, kleine Schulen zu erhalten und gegen den demografischen Wandel zu arbeiten, sagt Wiechmann und verweist auf Beispiele aus dem mittelhessischen Kreis Limburg-Weilburg: Dort würden Zwergschulen mit Kindergärten zusammengelegt. „Neue Grenzen ziehen“

Der Elternsprecher fordert außerdem, die Schulbezirksgrenzen neu zu ziehen, sodass die Kinder aus Lelbach die Schule in Rhena besuchen könnten: Das sichere die notwendige Schülerzahl und entlaste auch die Schulen in Korbach. Die Schulbezirksgrenzen seien nicht in Stein gemeißelt, antwortet Kubat: „Das beschließt der Kreistag.“

„Das Machbare im Auge“

Er sei für einen Dialog offen, könne aber keine Bestandsgarantie bis 2017 geben, sagt der Landrat: „Nehmen Sie mich beim Wort, dass ich reden will. Mehr kann ich nicht versprechen.“ Schließlich werde von ihm auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den Finanzmitteln des Kreises gefordert.

„Mein Herz schlägt für die kleinen Dörfer, aber ich muss auch das Machbare im Auge behalten.“ Die Frage, ob jeder Schulstandort zu halten sei, müsse gestellt werden. Spontan bieten einige Rhenaer an, mit Eigenleistung und Sachspenden zu einer Sanierung beizutragen.

Kubat appelliert: „Wir müssen versuchen, mit gemeinsamem guten Willen nach Lösungen zu suchen.“ Nach knapp einer Stunde löst sich die Runde wieder auf. Das Gespräch war fällig, das ist zu spüren. Doch das Vertrauen in den Landkreis ist noch nicht wiederhergestellt: „Ich bin skeptisch“, sagt ein Rhenaer.

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