Alter Brauch an Himmelfahrt fortgesetzt

Rhenaer Grenzgänger trotzen dem Regen

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Der Stein, die Grenze in Ewigkeit: Die Rhenaer stutzten bei ihrem Grenzbegang den Bömighäuser Ortsvorsteher Detlef Ückert. Links im Bild der Vorsitzende des Musikvereins Rhena, Frank Oschmann, rechts hinten Dirk Pöttner vom Ortsbeirat Bömighausen. Foto: Kieweg

Korbach-Rhena - Kühl und regnerisch war das Wetter am Himmelfahrtsmorgen, als die Rhenaer zum Grenzbegang aufbrachen. Der Musikverein hatte dazu eingeladen.

Aber der Regen schreckte nicht ab. Eine fröhliche Gesellschaft marschierte um 9.15 Uhr am Gasthaus Ritter los. Gäste aus Bömighausen gesellten sich hinzu. Über 80 Teilnehmer feierten um 10 Uhr Gottesdienst am alten Bömighäuser Bahnhof. Insgesamt waren rund 130 Personen aller Altersgruppen beim Rhenaer Grenzbegang dabei. Die jüngsten Wanderer waren sechs Jahre alt.

Nach einer stimmungsvollen musikalischen Einleitung, gespielt vom Musikverein, hielt Dekanin Eva Brinke-Kriebel den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt für die Grenzgänger. Sie erinnerte in ihrer Predigt an die Auffahrt Jesu Christi zum Himmel und wies darauf hin, dass Jesus zwar nicht für uns sichtbar sei, dennoch könne man ihn in der eigenen Umgebung immer wieder erfahren.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde der Grenzbegang fortgesetzt. Die Route führte vom alten Bömighauser Bahnhof und dem „Dreiländereck“ Rhena - Bömighausen - Schweinsbühl, wo im vergangenen Jahr die Schnade geendet hatte, am „Kalten Graben“ entlang Richtung Bömighauser Rehbachtal, anschließend über den Steilhang des Ahrenscheides über die Bundesstraße zum „Kankenborn“. Nach einer Pause ging es bis hinunter in die „Buh“.

Die Grenzbegänge in Rhena haben eine lange Tradition: Im Mittelalter beschuldigten sich die Gemeinden infolge der oft nicht ganz eindeutigen Grenzmarkierungen immer wieder gegenseitig angeblicher Grenzverschiebungen. Als Folge kam es dann oftmals zu blutigen Auseinandersetzungen. Um die Richtigkeit der Gemeindegrenzen zu kontrollieren, fanden schließlich regelmäßige amtliche Grenzbegehungen statt.

Buch mit Protokollen

„Diese Grenzbegänge sind in Rhena seit 1803 Brauch“, berichtete Hans Kieweg, der auch in diesem Jahr wieder die Grenzführung übernommen hatte.

Es existiert ein Buch, in dem die Grenzbegänge der Rhenaer seit 1803 bis zum heutigen Tag genauestens protokolliert sind. Tobias Saure führte es am Donnerstag beim Grenzbegang mit. Das Stutzkommando, bestehend aus Henning Bach, Alexander Bunte, Marius Lange, Helge Schmidt und Hendrik Pöttner, waltete auf der Strecke seines Amtes. Die Gestutzten revanchierten sich mit einer kleinen Geldspende für die Jugendarbeit im Musikverein.

Musik und gute Laune

Was am Donnerstag Spaß war, war früher bitterer Ernst: Anlässlich der Grenzkontrollen wurden insbesondere die Neulinge der Gemeinde an den Grenzsteinen „gestutzt“. Auf diesem Weg sollte ihrem Gedächtnis nachgeholfen werden, damit sie sich die Lage der Grenzsteine gut einprägten.

In der „Buh“ endete der Schnadezug. Bis zum „Dreiländereck“ Alleringhausen - Bömighausen - Rhena wanderten die Grenzgänger wegen des widrigen Wetters nicht mehr. In einer Scheune klang der Himmelfahrtstag schließlich mit flotter Musik, leckerem Essen und guter Laune aus.

Von Mechthild Röhrig-Weking

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