Sanierung für mehr als 70 000 Euro verhindert Aus für Gotteshaus

Rhenegger Kirche ist wieder sicher

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Neuer Unterbau: Schreiner Holger Wilke, Pfarrer Sascha Biehn-Tirre und Kirchenvorsteher Heinz Bracht (v. l. n. r.) sind von der Konstruktion überzeugt.Fotos: Volkenrath

Diemelsee - Rhenegge - „Die Gottesdienstbesucher sind bei uns mit den Füßen durch die Dielen gebrochen“, berichtet der Rhenegger Kirchenvorsteher Heinz Bracht lächelnd. Lachen kann er über diese kleinen Unglücksfälle allerdings erst heute, kurz vor Abschluss der Kirchensanierung.

„Wenn der Kirchenkreis und die Landeskirche nicht schnell Geld für die Sanierung bereitgestellt hätten, wäre die Kirche geschlossen worden“, erklärt Pfarrer Sascha Biehn-Tirre den Ernst der Lage. In ihrem kleinen, 1885 errichteten Gotteshaus hatten die Rhenegger mit zwei vollkommen unterschiedlichen Problemen zu kämpfen: Feuchtigkeit und Feuergefahr.

Die Geschichte beginnt laut Bracht damit, dass der TÜV die Sitzheizung unter den Bänken 2011 nicht mehr abnimmt. „Sie entsprach nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen“, erläutert der Kirchenvorsteher. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass die komplette Elektrik eine Gefahr darstellt. Feuer und Wasser Damit die Kirchentür nicht wegen Feuergefahr geschlossen bleibt, entscheiden sich alle Beteiligten für eine schnelle Sanierung, bei der auch die Feuchtigkeitsschäden behoben werden sollen. Am Volkstrauertag 2011 feiern die Rhenegger letztmals Gottesdienst in der Kirche. „Kirchenvorsteher, Jagdhornbläser und andere Gemeindemitglieder haben die Kirche anschließend entkernt“, blickt Bracht zurück.

Ein Orgelbauer verpackt das Instrument auf der Empore fachmännisch. Freiwillige Helfer montieren die Bänke ab, lagern sie ein. Kanzel und Altar schützen sie mit Folien. Der marode Holzboden weicht. Bracht: „Die gesamte Unterkonstruktion war faul.“ Ein heimischer Fachbetrieb legt den Sockel trocken. „Die Arbeiter legten alles bis auf die Grundmauern frei“, verweist der Kirchenvorsteher auf die frische Erde zwischen Kirche und Ehrenmal, die noch an die Baugrube erinnert. Problem ist nach Angaben des Diemelseers, dass das Gebäude kein richtiges Fundament hat. Als die Kirche 1822 bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, hatten die Rhenegger das neue Gotteshaus auf die Mauerreste gesetzt. „Wir hoffen aber, dass wir jetzt eine trockene Kirche haben“, betont Bracht. Um diese Hoffnung zu erfüllen, verlegt ein örtlicher Schreiner derzeit den neuen Boden.

Die Eichendielen ruhen künftig auf dem vorhandenen Kiesbett sowie einer Konstruktion aus Holz, Beton- und Kunststoffplatten, damit die Feuchtigkeit ihnen nichts mehr anhaben kann. Lüftungsschlitze entlang der Kirchenwände gewährleisten die Luftzirkulation. Nächster Schritt ist laut Schreiner Holger Wilke, die Böden anzupassen. „Eventuell müssen wir die Bänke etwas kürzen“, schaut er voraus. „Am nächsten Mittwoch wollen wir fertig sein.“ Eröffnung zu Erntedank Fertig sind bereits die neue Elektrik und die schmucken Buntglasfenster, die mit ihrem bläulichen Schimmer an Meereswogen erinnern.

Der Laubbaum vor der Kirche vermehrt das Farbenspiel. Bracht: „Spenden haben es uns ermöglicht, die maroden Fenster ebenfalls auszutauschen.“ Darüber hinaus erstrahlt das kleine Gotteshaus durch einen freundlichen Innenanstrich in neuem Licht: „Immer wenn wir gerufen haben, sind zahlreiche Helfer gekommen“, bedankt sich der Kirchenvorsteher für die Eigenleistung.

Ohne den Einsatz der Rhenegger hätte die Kirchengemeinde ihren Eigenanteil an den mehr als 70?000 Euro Renovierungskosten nicht aufbringen können. „Bei der Generalreinigung sind alle wieder willkommen“, lächelt Bracht. Zum ersten Gottesdienst in der sanierten Kirche laden die Rhenegger am 10. Juni um 9.15 Uhr ein. Den freudigen Anlass feiern sie laut Sascha Biehn-Tirre ebenfalls am 30. September zusammen mit dem Erntedankfest. „Nach allen anderen Festlichkeiten im Sommer planen wir eine Art Gemeindefest.“

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