Einbruch in Korbacher Sportwettbüro: Angeklagter streitet die Tat ab

Richter verhängt Gefängnisstrafe

Korbach - Zehn Monate ohne Bewährung soll ein 25-jähriger Bad Arolser hinter Gitter. Es geht um Einbruch in ein Korbacher Sportwettbüro.

Beim Fortsetzungstermin am Montagmorgen vorm Amtsgericht bestritt der Angeklagte weiterhin die Tat. Er sei nur zufällig kurz vor 6 Uhr am Morgen des 9. August 2011 in der Straße „Hinter dem Kloster“ vorbeigekommen und habe das Loch in der Scheibe des Wettbüros gesehen. Dies hatte der Angeklagte Anfang Januar schriftlich zu Protokoll gegeben.

Über 4000 Euro gestohlen

Wie beim Auftakttermin schwieg der 25-jährige Bad Arolser ansonsten gestern in der Fortsetzung der Gerichtsverhandlung. Er ließ seinen Rechtsanwalt Markus Sittig (Kassel) sprechen. So vielsagend scheinbar die Beweise und Indizien in diesem Fall, so strittig war die Beurteilung zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

In der Nacht vom 8. auf den 9. August 2011 schlug ein Einbrecher die Türscheibe des Korbacher Wettbüros ein. Gezielt stahl er rund 3500 Euro aus einer Geldkassette, dazu 900 Euro aus der Kaffeekasse und Kleingeld. Ansonsten blieben alle weiteren Wertgegenstände in dem Wettbüro unbehelligt.

Für die Staatsanwältin stand deshalb fest, dass nur ein „Insider“ für die Tat in Frage komme. Denn wer sonst konnte wissen, dass in dieser Nacht ausnahmsweise so viel Bargeld im Wettbüro lag - während der Inhaber sonst die Tageseinnahmen stets mitnimmt? Das jedenfalls hatte der Wettbürobesitzer vor Gericht erläutert.

Weitere Indizien: Die damalige Mitarbeiterin des Wettbüros ist inzwischen mit dem Angeklagten verlobt. Zudem öffnete sich ein Zwiespalt vor Gericht: Bei der Polizei hatte die Mitarbeiterin noch ausgesagt, sie habe das Wettbüro am fraglichen Abend um 23 Uhr geschlossen.

Ein Zeuge präsentierte jedoch gestern einen ganz anderen Hergang. Der 29-jährige Korbacher ist nämlich selbst regelmäßig als Aushilfe im Wettbüro. - und hat auch einen Schlüssel.

Am 8. August 2011 sei die Mitarbeiterin schon um 22.30 Uhr nach Hause gegangen. Er habe dann später abgeschlossen und bis „halb eins oder eins“ in der Nacht mit Freunden noch beim türkischen Kartenspiel zusammengesessen. „Am nächsten Tag war dann das Loch“ in der Scheibe, berichtete der Zeuge.

Ein schlagkräftiger Beweis für die Staatsanwaltschaft war zudem das Ergebnis der Ermittler: An der zerborstenen Scheibe haftete noch ein Tropfen Blut. Nach Untersuchung der Rechtsmediziner stammt das Blut vom Angeklagten, wie die DNA-Analyse ergab.

Blut an der Scheibe

Auch dafür hatte der Angeklagte eine Erklärung. Als er zufällig am frühen Morgen das Loch in der Scheibe entdeckt habe, sei er neugierig geworden, habe hineingeschaut und sich dabei verletzt.

Die Staatsanwaltschaft sah das allerdings nur als „Schutzbehauptung“. Indizien und DNA-Analyse seien deutlich: „Zugunsten des Angeklagten ist mir hier eigentlich gar nichts eingefallen.“ So forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten für den „Bewährungsversager“. Denn der 25-jährige Angeklagte verbüßt derzeit noch eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung.

Dem folgte auch Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling in seinem Urteil. Eine Bewährungsstrafe sei ausgeschlossen, da es für den Angeklagten „keine positive Prognose“ gebe.

Rechtsanwalt Markus Sittig plädierte indes auf Freispruch. Der Angeklagte sei zuvor im Wettbüro völlig unbekannt gewesen, und es gebe auch keinen „Beutefund“ bis heute. Die Indizien vor Gericht widerlegten keinesfalls die Erklärungen des 25-jährigen Bad Arolsers, betonte der Verteidiger.

In Spielhallen und Wettbüros sei meist vielen bekannt, wo das Geld liege, meinte der Rechtsanwalt. Somit könne auch ein anderer über entsprechendes „Insiderwissen“ verfügt haben. Die Staatsanwaltschaft erliege deshalb juristisch einem „Zirkelschluss“. Denn die Indizienkette ergebe keineswegs zweifelsfrei die Schuld des Angeklagten. Der hat nun eine Woche Zeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Und dieser Schritt sei auch zu erwarten, erläuterte der Verteidiger auf WLZ-Nachfrage. (jk)

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