Korbach

Richtungsweisend für die (Arzt-)Praxis

- Korbach (tk). Bisher zwar noch selten angewendet, verspricht diese neue „Therapie“ dennoch gute Heilungschancen bei drohendem Ärztemangel: Jobsharing in der Praxis. Ein Beispiel aus Korbach zeigt die Vorteile.

Begonnen hat alles im Oktober 2006, berichtet der Korbacher Allgemeinmediziner Dr. Siebo Siuts. Weil er selbst krankheitsbedingt für mehrere Monate nicht praktizieren konnte, musste eine Vertretungslösung gefunden werden. Aufgrund strenger Zulassungsbeschränkungen kein leichtes Unterfangen. Denn oberstes Ziel der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen ist der Schutz bestehender Praxen. Fällt ein Kassenarzt aber für längere Zeit aus, ist die Gefahr groß, dass währenddessen die Patienten zu anderen Medizinern abwandern. Dadurch geriete womöglich das von der KV penibel überwachte System der niedergelassenen Ärzte aus dem Gleichgewicht. Die KV hatte damals aber nichts dagegen einzuwenden, dass Dr. Bernardo Fritzsche und Peter Gerhold seine Vertretung übernahmen. Voraussetzung war jedoch, dass alle anderen Korbacher Hausärzte dem nicht widersprachen. Dass sie dies nicht taten, sondern sich sehr kollegial zeigten, führt Siuts auch auf die etablierte Zusammenarbeit im Ärztenetz Wal­decker Land zurück. Aus dieser Übergangsregelung resultierte schließlich ein Jahr später die Gründung einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis an zwei Standorten (Solinger Str. 26a/Louis-Peter-Straße 4-8), in der zunächst die drei Allgemeinmediziner tätig waren. „Weil ich auf Dauer aber beruflich kürzertreten und nur noch halbtags arbeiten wollte, haben wir einen vierten Arzt als Jobsharing-Partner eingestellt“, berichtet Dr. Siuts. Ab Januar 2008 verstärkte somit Shahin Cyrus das Team. Der gebürtige Iraner hatte an der Georg-August-Universität in Göttingen Medizin studiert, am dortigen Uni-Klinikum und in den Krankenhäusern Bad Arolsen und Korbach Berufserfahrung gesammelt.Mit Jahresbeginn übernahm der Facharzt für Allgemeinmedizin nun den Kassensitz von Dr. Siuts. „Jetzt ist er einer der verantwortlichen Partner in der Gemeinschaftspraxis und ich Angestellter“, beschreibt es ­Siuts, „diese Art der Übergabe hat für alle Beteiligten nur Vorteile.“ Als langjährig tätiger Hausarzt kann er seinen großen Erfahrungsschatz und seine Kenntnisse an seinen jüngeren Kollegen weitergeben.

Mehr lesen Sie in der WLZ-Ausgabe vom Freitag, 15. Januar 2010.

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